Wie verändern Medien die Wirklichkeit?

Die Macht der Medien - Alexander Hauk_bayern-nachrichten.de_pixelio.de
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Medien haben den Anspruch, die Wirklichkeit genau abzubilden. Doch die dafür nötige Objektivität der Journalisten wird durch ihre eigenen Ansichten getrübt.

Massenmedien gefallen sich in vielen Rollen: als Aufklärer, Kritiker, Aufpasser, Forscher, Ratgeber und nicht zuletzt als Institution, die das Bedürfnis ihrer Konsumenten nach Information befriedigt. Die Berufsbezeichnung "Journalist" für die Menschen, welche diese mannigfaltigen Ansprüche zu erfüllen haben, scheint daher nicht sehr treffend oder zumindest mangelhaft.

Da ist der moderne Begriff des "Medienschaffenden" schon etwas aussagekräftiger, hebt er doch das kreative Element des Schaffens heraus, das die journalistische Arbeit und die daraus entstehenden Inhalte von Zeitungen, Radio, Fernsehen und Internet in hohem Maße mitprägt.

Medien haben Spiegelfunktion

Oberstes Ziel vieler Medienunternehmen ist es, der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten und die Wirklichkeit, das, was in der Welt passiert, möglichst genau darin abzubilden. Die Informationen, die wir dadurch tagtäglich erhalten, etwa von einem Staatsbesuch eines Politikers, müssen also den wahren Tatsachen entsprechen und ein authentisches Bild wiedergeben.

Objektivität als journalistischer Leitwert

Damit das gelingt, ist als viel zitierte journalistische Maxime in erster Linie Objektivität gefordert. Will heißen, der Journalist darf sich in keiner Weise durch das, was die allgemeine Wahrnehmung des Ereignisses, über das er berichtet, eventuell gefährden könnte, beeinflussen lassen. Allfällige schlechte Gefühle gegenüber dem Politiker muss er verdrängen oder ausschalten. Doch die Objektivität ist nicht immer vereinbar mit anderen journalistischen Wertmaßstäben wie der kritischen Grundhaltung zu oder der gewünschten Deutung und Erklärung von gewissen medial inszenierten Geschehnissen.

Deutungen und Interpretationen grenzen Objektivität ein

Doch nicht nur das: Immer mehr kommt auch die Frage auf, ob Objektivität im geforderten Maß überhaupt menschenmöglich ist. Denn diese würde ja verlangen, dass der Journalist als eine Art Unbeteiligter an seine Sache herangehen müsste, was er im Normalfall kaum ist, weil er sich vorgängig schon damit befasst hat. Eine Garantie, dass sich die schlechten Gefühle gegenüber dem Politiker beim Staatsbesuch nicht auf seine Beobachtungen auswirken, wird er deshalb nicht geben können. Deutungen beginnen häufig unbewusst und schon während der Beobachtung.

Verzerrung der Wirklichkeit?

Denkt man diesen Gedanken aber weiter, müsste man ja zum Schluss kommen, dass die Spiegelfunktion der Medien gleichsam mit der Objektivität untergehen muss. Wenn der Medienschaffende den Politiker aufgrund seiner Voreinstellungen negativ erscheinen lässt und dieses Bild an seine Leser, Hörer oder Zuschauer weitervermittelt, verändert er dann nicht auch die Wirklichkeit? Müsste man dann nicht unterscheiden zwischen der eigentlichen und der medialen Realität? Vielleicht. Doch wenn man unterschiedliche Medienberichte zum selben Ereignis betrachtet, kommt man fast immer auf einen gemeinsamen Nenner. So gesehen können die Abweichungen und Verzerrungen also doch nicht allzu groß sein.

Außerdem werden ja auch die Berichte von den Rezipienten nicht einfach übernommen, sondern wiederum mit eigenen Interpretationen und Ansichten verknüpft. Und: Würden alle Menschen dem Staatsbesuch des Politikers beiwohnen, entstünden dann nicht auch zwangsläufig unzählige verschiedene Meinungen darüber? Die Argumentation verliefe in diesem Fall in die Richtung, dass es gar keine im Voraus bestehende Wirklichkeit gibt, sondern dass diese durch die Zusammenführung der verschiedenen Standpunkte erst entsteht.

Vielfalt als Segen

Dass die Medien nicht nur einheitlich objektiv berichten müssen, ist ein Glück für die Gesellschaft. Nur so können sie Kritik üben, aufdecken, kontrollieren, Ratschläge geben und die Voraussetzung für eigenständiges Denken schaffen. Sie halten damit nicht nur dem Politiker auf Staatsbesuch, sondern auch der Gesellschaft selbst tatsächlich einen Spiegel vor.

Quelle: eigene Recherche