Wie wahrscheinlich sind weiße Weihnachten?

Schnee an den Feiertagen ist bei uns eher die Ausnahme

Weiße Weihnachten 2011 in Deutschland? - S.Adler
Weiße Weihnachten 2011 in Deutschland? - S.Adler
Weiße Weihnachten sind auch ohne Klimawandel in weiten Teilen Deutschlands eher selten. Die besten Chancen für Schnee gibt's in den Bergen, die geringsten im Nordwesten.

Wie in jedem Jahr hoffen auch im Dezember 2011 nicht nur Kinder hierzulande auf reichlich Schnee zu Weihnachten. Für viele gehört die weiße Pracht einfach zum Fest dazu wie Gänsebraten oder Tannenbaum. Erst mit Schnee kommt so richtig Weihnachtsstimmung auf, der Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt schmeckt auch erst bei knackigen Minusgraden richtig gut, und die festlich geschmückten und beleuchteten Städte wirken durch den Schnee wie eine märchenhaft verzauberte Winterwelt.

Doch allzu oft werden wir enttäuscht und müssen den Weihnachtsspaziergang im Nieselregen absolvieren statt bei Sonnenschein durch Pulverschnee zu stapfen. Aber woran liegt das? Wie hoch ist die Schneewahrscheinlichkeit zu Weihnachten in unseren Breiten wirklich und stimmt es, dass früher häufiger Schnee an den Feiertagen lag?

Garantie für Schnee zu Weihnachten gibt es höchstens in den Bergen

Tatsächlich sind weiße Weihnachten in weiten Teilen Deutschlands und Mitteleuropas eher selten. Nur in den Gebirgslagen liegt die Wahrscheinlichkeit einer geschlossenen Schneedecke an mindestens einem der drei Weihnachtstage zuverlässig bei über 50%, in den Hochlagen sogar über 90%. Im Flachland dagegen liegen die Chancen dafür nur zwischen ca. 10% für den Norden und Westen Deutschlands und knapp 40% für den Osten und Süden. In München kann man sich also statistisch gesehen ungefähr alle drei Jahre über weiße Weihnachten freuen, in Hamburg dagegen nur etwa alle zehn Jahre.

Die Wahrscheinlichkeit für weiße Weihnachten - früher und heute

Da unsere Winter im Zuge des Klimawandels in den vergangenen hundert Jahren allgemein milder geworden sind, ist auch die Wahrscheinlichkeit für weiße Weihnachten gesunken. Allerdings variiert diese Entwicklung regional sehr stark, und ist meist auch weniger deutlich, als es von vielen Menschen wahrgenommen wird. Weiße Weihnachten waren auch vor fünfzig oder hundert Jahren in großen Teilen Deutschlands keineswegs selbstverständlich. Häufig bleiben uns schneereiche Weihnachten einfach lebhafter in Erinnerung, während graue und grüne Weihnachten eher verblassen. Oftmals werden Kindheitserinnerungen an Schneeballschlachten und Schlittenfahrten auch automatisch mit dem Weihnachtsfest verknüpft, obwohl diese Erlebnisse manchmal vielleicht gar nicht direkt an den Weihnachtstagen stattgefunden haben.

Allerdings sorgten 1-2°C weniger und die geringere Wärmeabstrahlung in den Städten oft schon dafür, dass gefallener Schnee länger liegen blieb, und somit auch die Weihnachtstage ohne Neuschnee häufiger weiß waren.

Islandtief und Weihnachtstauwetter - Spielverderber für weiße Weihnachten

Schuld an den bei uns oft schneefreien Feiertagen ist eine über Europa häufig auftretende Großwetterlage, bei der eine ganz bestimmte Anordnung von Hoch- und Tiefdruckgebieten über Europa und dem Atlantik über mehrere Tage oder sogar Wochen für sehr stabiles Wetter sorgt. Durch das Islandtief gelangt dabei meist feuchte und milde, oft stürmische Luft nach Nord- und Nordwesteuropa, während von Asien und Russland her sehr kalte und trockene Luftmassen Richtung Westen strömen. Je nachdem, wo sich diese Aktionszentren genau befinden, verläuft die Grenze dieser Luftmassen eher im östlichen oder im westlichen Europa und bestimmt damit auch das (vor-)weihnachtliche Wettergeschehen über Deutschland.

Doch selbst ein Kälteeinbruch und Schneefall im Dezember garantieren uns noch lange kein weißes Fest. Das Auftreten des Weihnachtstauwetters pünktlich zum Winteranfang macht oft alle Hoffnungen und Aussichten auf schneereiche Feiertage wieder zunichte. Diese sogenannte Singularität tritt zwar unregelmäßig, aber wiederholt nach Kälteperioden im Dezember auf und sorgt mit der Zufuhr von südwestlichen, subtropisch geprägten Winden kurz vor oder über Weihnachten für Tauwetter bis hoch in die Mittelgebirge.

Klimawandel hin oder her, Schnee zu Weihnachten war, ist und bleibt in unseren Breiten einfach ein Zufallsereignis, die Wahrscheinlichkeit für Kälte und Schnee ist in den Hochwintermonaten Januar und Februar deutlich höher als im Dezember.

Schneevorhersage Weihnachten 2011 - Klappt es dieses Jahr mit Schnee an den Feiertagen?

Zuverlässige Vorhersagen für die Schneewahrscheinlichkeit am kommenden Weihnachtsfest lassen sich übrigens frühestens drei bis vier Tage vorher treffen. Lassen Sie sich also nicht wochenlang verrückt machen mit langfristigen Prognosen und Wahrscheinlichkeitsberechnungen, diese sind nämlich ungefähr genauso (un-)zuverlässig wie die meisten der zum Thema Weihnachten bekannten Bauernregeln. Die nächste weiße Weihnacht kommt aber ganz bestimmt, und gerade ihre Seltenheit macht sie doch erst zu etwas ganz Besonderem. Lassen Sie sich also überraschen und nutzen Sie die Wartezeit bis dahin z.B. für das Dichten und Schreiben Ihrer Weihnachtsgrüße oder einen Besuch auf dem Weihnachtsmarkt.

Susanne Adler - Ich lebe, studiere und arbeite in Berlin. Das Schreiben betreibe ich seit 2006 als freie (Online-)Autorin nebenbei, bei suite101.de vor ...

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