Wie wird man von quälenden Gedanken befreit?

Quälende Gedanken - Frau mit Kopfschmerzen - Benjamin Thorn by pixelio.de
Quälende Gedanken - Frau mit Kopfschmerzen - Benjamin Thorn by pixelio.de
Forschungsergebnisse bieten Lösungsansätze für die innere Distanz zum quälenden Gedankenstrom. Der Abschied vom belastenden Kopfkino ist möglich.

Im Informationszeitalter lässt die Medienflut den Verstand vieler Menschen oft nicht zur Ruhe kommen. Es wird unter Zeitdruck gearbeitet. Ständig müssen neue Reize verarbeitet werden. Es wird versucht, Wissen in zunehmend kürzeren Zeitintervallen zu erwerben. Während der Körper seine dringend benötigten Ruhephasen einfordert, läuft der Verstand immer noch auf Hochtouren. So entsteht vielen ein Kopfkino aus kreisenden Gedanken. Probleme, Schwierigkeiten und bevorstehenden Anforderungen geistern unentwegt durch den Kopf und lassen den Verstand nicht zur Ruhe kommen.

Gedanken sind einfach nur Gedanken

Nach modernen Therapieerkenntnissen macht es wenig Sinn, gegen quälende Gedanken ständig anzukämpfen. Psychologische Studien beweisen hinreichend, wie wenig erfolgreich die bewusste Gedankenunterdrückung funktioniert. Wer sich zwingen will, nicht an etwas Bestimmtes zu denken, tut es gegenteilig um so öfter. Quälende Gedanken kann man nicht abschütteln, indem man sie ignoriert. Gezielte Verweigerung macht sie mächtig und erhöht ihre persönliche Bedeutsamkeit schmerzhaft. Um aus dem Gedankenkarussell auszusteigen sei es viel hilfreicher, Gedanken einfach nur als das zu erkennen, was sie sind. Eben nur Gedanken, mehr nicht. Sie werden vom menschlichen Gehirn produziert, sind eine geistige Reaktion auf bestimmte Reize, Erfahrungen und Prägungen. Doch man muss nicht jeden Gedanken für wahr und bedeutsam halten. Man könne seine Gedanken einfach nur so betrachten, wie man ein Bild ansieht. Gedanken sind Angebote des Geistes. Würde man Gedanken einfach mit mehr innerem Abstand betrachten, so könne man sie leichter nehmen. Wählen, ob man Gedanken bedeutsam verwertet oder eben als störend und unzutreffend verwirft.

Der entspannte Umgang mit Gedanken ist erlernbar

Ein Lösungsansatz gegen quälende Gedankenschleifen besteht darin, sie nicht mit unumstößlichen Wahrheiten gleichzusetzen. Nicht der eigentliche Inhalt entscheidet, wie stark bestimmte Gedanken belasten. Wichtig sei die Art und Weise, wie man mit seinen eigenen Gedanken umgeht. Es sei die innere Wertung, die Gedanken relativiert oder ihnen ein überproportionales Gewicht verleiht. Denkt jemand beispielsweise in einem überfüllten Raum, er könne gleich ohnmächtig werden, so wäre das nicht weiter belastend, wenn er es nur als eine von mehreren Möglichkeiten in dieser Situation zur Kenntnis nimmt. Wertet derjenige jedoch diese Gedanken als verbindliche Handlungsaufforderung, so wird er mit höherer Wahrscheinlichkeit diese Reaktion auch in die Tat umsetzen oder zumindest ängstlich und verspannt reagieren. Moderne Therapieverfahren mit emotionsorientierten und achtsamkeitsbasierenden Ansätzen bieten Betroffenen die Möglichkeit, entspannt und gelassener auf vormals belastende Gedankengänge zu reagieren. Im Wesentlichen helfen diese Therapien, Gedanken nicht als verbindlich zu werten. Die Fähigkeit der Selbstbeobachtung wird gestärkt. Es wird schrittweise erlernt, den Gedankenstrom neutral zu kontrollieren. Die Wahrnehmung der Unterschiede zwischen Gefühlen und Gedanken wird gestärkt. Es kann erlernt werden, Belastungen durch das Kopfkino zu vermeiden.

Die Selbstbeobachtung der Gedankenmaschine

Die Informationsflut der Medien konfrontiert ständig mit alarmierenden Meldungen. So quälen viele Menschen ständig Gedanken um zukünftige Ereignisse, beispielsweise den vielleicht drohenden Arbeitsplatzverlust, eventuelle Folgen der Finanzkrise und mehr. Möglichkeiten werden gedanklich immer wieder durchgespielt. Die emotionale Belastung steigt. Das Kopfkino tobt in der Zukunft und verdeckt die Wahrnehmung im Hier und Jetzt. Oder die Gedankenflut fließt in der Vergangenheit, lässt immer wieder Varianten zu bereits vergangenen Ereignissen aufleben. Nur selten wären Gedanken in der Gegenwart. Der überaktive Geist bietet fortlaufend Ablenkung vom eigentlichen Moment, in dem gerade gelebt wird. Um dieses Kopfkino kontrollieren zu können, hilft die konsequente Selbstbeobachtung. So sei es sinnvoll, sich drei Kategorien vorzustellen - Vergangenheit (Heimatfilm), Zukunft (Science-Fiction-Film) und Unsinn. Anschließend könne man jedes wahrgenommene Gedankenbild in eine Kategorie ordnen. So wäre es möglich, Ordnung in das Gedankenchaos zu bringen. Weiterhin könne man so gezielt Schwerpunkte auf konstruktive Gedanken zu gegenwärtigen Situationen setzen. Mit etwas Übung würde man erlernen können, das eigene Kopfkino zu beherrschen und nur nach Bedarf zu nutzen.

Übungen gegen quälende Gedanken

Eine hilfreiche Übung sei es, sich locker an einen ruhigen Ort zu setzen und die Augen zu schließen. Dann stellt man sich vor, die eigenen Gedanken als eine Art Zug wahrzunehmen, der gerade vorbeifährt. Oder man könne sich auch einfach den blauen Himmel vorstellen. Eine geistige Übung aus der Meditation. Jeder Gedanke ist eine Wolke. Ein sanfter Wind kommt auf und bläst langsam die Wolken weg, bis nur noch der wolkenlose Himmel sichtbar ist. Durch diese Vorstellung könne sich der Verstand beruhigen.

Eine andere Übung bietet die Variante, sich den eigenen Verstand als plappernden Papagei vorzustellen. Er plappert ständig nach, was er irgendwo mitbekommen hat. Es scheint sinnlos, mit ihm zu diskutieren. Man kann diesem Papagei auch einen persönlichen Namen geben. Plappert er dazwischen, so muss er auch lernen den Schnabel auf Wunsch seines Besitzers zu halten. Diese Übung macht deutlich, wie sehr Gedanken einfach nur ein Produkt geistiger Arbeit sind. Gedanken wären Varianten und Reaktionen auf Ereignisse, keine verbindlichen Erkenntnisse.

Oft blockieren Gedanken durch die Verwendung von “aber”. Man möchte beispielsweise zu einem Bewerbungsgespräch für einen spannenden Job gehen, hat aber Angst vor Ablehnung. Vorfreude - aber Angst. Nützlich sei es, bewusst gedanklich ein “aber” durch ein “und” zu ersetzen. So können sich gedankliche Blockaden lösen. Man geht zum Gespräch und ist unsicher. Vorfreude und Angst ermöglicht die Handlung. Weiterhin würde es helfen, auch gedanklich Gedanken nur als Gedanken zu benennen. Beispielsweise zu denken: “Ich habe den Gedanken, dass ich beim Bewerbungsgespräch abgelehnt werden könnte”, statt: “Ich werde beim Bewerbungsgespräch abgelehnt.”

Literaturquelle: Fachzeitschrift PSYCHOLOGIE HEUTE, Weinheim, Ausgabe April 2011, Artikel “Schluss mit zu viel Denken” ab S. 21 von Autor Andreas Knuf, ISSN 0340-1677

“Ruhe da oben! Der Weg zu einem gelassenen Geist“, Andreas Knuf, Freiburg, 2010, Arbor- Verlag, 12,80 €

Bildquelle: Fotograf: Benjamin Thorn, Foto: “Frau mit Kopfschmerzen” by pixelio.de

Astrid Treumann, Astrid Treumann

Astrid Treumann - 1967 in Berlin geboren, habe ich dort als berufliche Grundlage Kunst und Germanistik studiert (Hochschulabschluss 1991). Meine berufliche ...

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