Wie zähmt man Eichhörnchen?

Niedlicher Wildfang: das Europäische Eichhörnchen - Wilhelm Ruprecht Frieling
Niedlicher Wildfang: das Europäische Eichhörnchen - Wilhelm Ruprecht Frieling
Eines der possierlichsten Nagetiere in unseren Breiten ist von alters her das Eichhörnchen. Mit viel Geduld lässt es sich sogar zähmen.

Die in ganz Europa verbreiteten Europäischen Eichhörnchen imponieren in Wäldern, Parks und Gärten mit ihren enormen Kletterkünsten und waghalsigen Sprüngen von Ast zu Ast. Der im Sommerkleid fuchsrot, im Winterkleid eher grau aussehende Nager findet sich überall dort, wo ein reichlicher Baumbestand ihm den Tisch deckt. Vor allem Nadelbäume sind es, die den Nahrungsbedarf des Allesfressers bedienen.

Die Ernährung der Eichhörnchen

Eichhörnchen ernähren sich hauptsächlich von Samen, Früchten, Beeren und Nüssen. Sie fressen Obst, Knospen, Blüten und Pilze aber auch Vogeleier, Jungvögel, Insekten und Schnecken. Begehrt sind die Samen von Fichtenzapfen, ein Tier knabbert die Samen von bis zu 100 Zapfen am Tag. Eine Leckerei für die Tiere sind auch Ahornsamen.

Die Leibspeise der Eichkätzchen sind Walnüsse und Haselnüsse. Deshalb sind sie auch am besten zur Zähmung der außerhalb der Paarungszeit einzelgängerisch lebenden Hörnchen geeignet.

Zähmen mit Geduld und Ruhe

Wer in seinem Garten Eichhörnchen antrifft, sollte die Tiere erst einmal an menschliche Nähe, Stimme und Geruch gewöhnen. Die kleinen Tiere sind schreckhaft und fliehen schnell. Bei Unbehagen regen sie sich laut auf und schnalzen, pfeifen oder knurren.

Haben sich die Tiere an die menschliche Nähe gewöhnt, wird mit der gezielten Ausbringung von Walnüssen begonnen. Am besten legt man sie zu immer gleichen Zeiten in die Nähe von Sitzmöbeln, die beispielsweise zum nachmittäglichen Teestunde genutzt werden. Die Tiere verbinden bald die Anwesenheit von Menschen mit dem Erlebnis, Nüsse zu finden und können schon nach wenigen Wochen beobachtet werden, wie sie nach dem Weggang der Menschen die Futterstelle absuchen.

Nach und nach kann nun versucht werden, die Aufmerksamkeit der Tiere zu erregen. Bald werden diese auf den umliegenden Bäumen hocken und das Terrain neugierig beobachten. Nun ist die Zeit gekommen, ihnen gezielt Nüsse zuzuwerfen. Die Hörnchen klettern, sobald sie ihre natürliche Scheu verloren haben, die Stämme hinab, suchen die Leckerbissen und verschwinden mit der Beute wieder in den Baumwipfeln.

Eichhörnchen lieben Nüsse

Bisweilen hört man dann, wie die Schalen sekundenschnell geknackt werden. Mit den unteren Schneidezähnen nagen die Tiere mit schabenden Bewegungen zunächst ein Loch in die Nuss. Ist das Loch groß genug, setzen sie die unteren Schneidezähne wie einen Hebel ein und sprengen ein Stück Schale heraus. Dann greifen sie den Inhalt der Nuss mit ihren Pfoten und knabbern schnell und konzentriert ihre Beute.

Die meisten Nüsse schleppen Eichhörnchen aber in Beete oder unter Bäume, um sie dort blitzschnell zu vergraben. Da die Merkfähigkeit der Eichkater gering ist, bleiben zahlreiche Nüsse liegen und keimen. Bevor dies geschieht, kann man sie sich wiederholen und erneut als Lockfutter einsetzen.

Jetzt dauert es nur noch wenige Tage, bis sich die Eichhörnchen schon beim der Aussicht auf leckere Nüsse nähern. Allerdings sehen die kleinen Gesellen sehr schlecht, hingegen können sie ausgezeichnet riechen. Nahrung wird ausschließlich über den Geruch wahrgenommen, eine Nuss, die nur wenige Zentimeter vom Tier entfernt liegt, wird oft nicht erkannt sondern im besten Fall erschnüffelt.

Eichhörnchen sehen schlecht

Um die Hörnchen anzulocken, sind deshalb weit ausholende Wurfbewegungen geeignet. Die Tiere erkennen daraus, dass ihnen Futter angeboten wird und kommen immer näher. Schon ist es ein halber Meter, dann zwanzig Zentimeter, und zu guter Letzt streckt sich das Tier vorsichtig vor und nimmt eine Nuss aus der ruhig gehaltenen Hand, um damit davon zu sprinten.

Bald kehrt es zurück und wird dabei immer zutraulicher. Der zierliche Körper entspannt, der Nager krabbelt sogar an Hosenbeinen hoch, um die duftende Frucht zu bekommen oder springt auf den Tisch.

Wer die Tiere näher beobachten will, geht jetzt dazu über, die Nüsse zu knacken und stückweise Innereien anzubieten. Erstaunlicherweise knabbert der Nager diese sofort an Ort und Stelle und läuft nicht davon. Auf diese Weise gelingt es immer besser, die Wildfänge an die Handfütterung zu gewöhnen. Wer dies übertreibt, hat das Eichhorn allerdings bald fordernd auf dem Schoß oder auf dem Kuchenteller sitzen. Auch sind die scharfen Nagezähne nicht zu unterschätzen, die durchaus auch schon mal eine nach Nuss duftende Fingerkuppe fressen wollen.

Grauhörnchen bedrohen Eichhörnchen

In britischen Parkanlagen ist die Zähmung der dort eingebürgerten Grauhörnchen mittlerweile so weit fortgeschritten, dass die Tiere auf den Spaziergänger zu laufen und davor bettelnd Männchen machen. Wird mit einer Tüte geraschelt, findet eine spontane kleine Völkerwanderung statt.

Grauhörnchen haben sich inzwischen auf der britischen Insel ebenso wie in Irland zu einer Plage entwickelt, die das ursprünglich dort heimische Europäische Eichhörnchen verdrängt. Grauhörnchen lernen schneller, sie finden auch verstecktes Futter mit größerer Sicherheit wieder und fressen ihren rothaarigen Brüdern und Schwestern das Futter im wahrsten Sinne des Wortes vor der Nase weg. Es wird wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis auch bei uns Graunhörnchen eingeschleppt werden.

Tierschutz beachten

Unter Aspekten des Tierschutzes abzulehnen sind die im Internet wiederholt veröffentlichten Anleitungen, Eichhörnchen mittels Futterfallen gefangen zu nehmen und in einem Käfig auszuhungern, um sie so handzahm zu machen. Nur Tiere, die in Gefangenschaft geboren wurden, kommen für eine Haltung in möglichst großen Käfiganlagen in Frage. Alles andere ist Tierquälerei.

Wilhelm Ruprecht Frieling, © Wilhelm Ruprecht Frieling

Wilhelm Ruprecht Frieling - Wilhelm Ruprecht Frieling aka Prinz Rupi ist seit 40 Jahren als Autor und Verleger aktiv. Er veröffentlichte in deutschen und ...

rss