Das neuste Werk der Wiener Filmautorin erzählt die Geschichte einer unlustigen Bergsteigerin namens Johanna auf dem Weg nach Hause. Sie will ihren Flug nicht verpassen, bevor das Leben ihr eine Geschichte verpasst, die sie nie wieder vergessen wird.

"Wie zwischen Himmel und Erde": der Himalaya als emotionale Matrix der Filmhandlung mit Hannah Herzsprung in der Hauptrolle

In einer kurvenreichen Welt auf mehreren Tausend Meter Höhe über dem Meeresspiegel erzählt Blumencron eine kurvenreiche Geschichte, eine Filmgeschichte, die unabsehbar verläuft und damit den vom amerikanischen Mainstream verdorbenen Zuschauer in seinen Bann zieht. Während der Pressevorführung wurden mehrere Hand-auf-Herz-LegerInnen gesichtet.

Nomen est omen?

Hannah Herzsprung spielt die Rolle der Bergsteigerin, deren Mutter ihr die karmische Last aufgebrummt hat, einen 8000er zu besteigen. Warum Hannah umkehren will und sich auf einen Sitzplatz im Flugzeug freut, wird an dieser Stelle verschwiegen. Den Erzählkurven ihre Kraft nicht genommen.

Blumencron präsentiert dem Zuschauerauge eine atemberaubende Landschaft zwischen Lhasa und der tibetisch-nepalesischen Grenze, die der Gefahr, der tibetische Flüchtlinge, verhasst und verachtet von ihren chinesischen Beherrschern, ausgesetzt sind, ihr atmosphärisches Kleid verleiht. Ein Kleid aus tödlicher Eiseskälte, genäht mit Händen unter Sauerstoffmangel, hektisch vollbracht unter dem Druck der Verfolger. So lebt Tibet in China.

Maria Blumencrons "Wie zwischen Himmel und Erde" zeigt die politischen Polaritäten zwischen China und Tibet klar auf

Die Chinesen definieren Tibet als das rückständige Land, das unter einem grausamen Feudalsystem eines machtbesessenen Dalai Lama leidet, der mit Millionen in der Tasche sich nach Indien abgesetzt hat, wo er die Zurückgebliebenen mit falschen Hoffnungen auf ein besseres Leben nach dem Tod wie mit Opium vergiftet: Reinige dein Karma für deine erfolgreiche Reinkarnation, indem du mich ehrst und meinen Nachfolger – und das selbst unter tödlichsten Entbehrungen.

Die Tibeter und der Rest der westlichen Welt, die den Dalai Lama wie einen Showstar verehrt, der seine religiöse und mittelbare politische Macht in den Händen hält wie einen Oscar®, definieren China als terroristisches Machtgebilde und damit ebenfalls, weil nicht demokratisch, rückständig. Der Film macht es durch seine weise Rollenbesetzung, ein chinesischer Offizier mit westlicher Erziehung als Sympathieträger, nicht leicht, sich konsequent auf einer politischen Seite zu bewegen. Auch das gehört zur kurvenreichen Story des Films, ooops, etwas verraten – sei's drum. Der Film hat noch jede Menge mehr zu bieten, und mir sei an dieser Stelle verziehen. Kurz noch zum Produktionshintergrund.

Die Filmemacherin Maria Blumencron und ihre Tibethilfe

Inspiriert von ihren eigenen Erlebnissen inszenierte die ausgezeichnete Regisseurin und Buchautorin Maria Blumencron diesen Spielfilm. Ihr Werk verdichtet den politischen Inhalt ihrer bisherigen Dokumentarfilme und Bücher zum Thema Tibet zu einem narrativen Konstrukt mit fiktiven Elementen. Das Schicksal der Grenzgänger in Tibet dokumentierte Blumencron in drei bewegenden Dokumentarfilmen. „Good Bye Tibet“ (2009) heißt einer der drei, ergänzt von drei Büchern. Ihr letztes Buch heißt „Kein Pfad führt zurück". Darüber hinaus betreibt Maria Blumencron die von ihr gegründete Hilfsorganisation „Shelter108 e.V.“.

Warum Blumencrons fiktives "Wie zwischen Himmel und Erde" um ein Haar oder zwei besser ist als ihr wahres Leben

Im Interview erzählt die Filmkünstlerin, warum sie der Film für ihr wahres Leben gewissermaßen entschädigt hat:

"In der Fiktion konnte wahr werden, was ich mir für die Realität gewünscht hätte, was aber nicht passiert ist. Ich musste eine neue, erzählerische Form für meine Erlebnisse und meine Figur entwickeln. Ich selbst habe 1997 über einen Fernsehbeitrag von erfrorenen Flüchtlingskindern in Tibet erfahren. Diese Bilder waren meine Initiation, um alles stehen und liegen zu lassen, meine Arbeit als Schauspielerin aufzugeben und am Ende im Himalaya zu landen. Auch ich wollte von Lhasa aus einen Flüchtlingstrek begleiten, bin in Shigatse verhaftet, eine Nacht lang verhört und dann auf freien Fuß gesetzt worden. Ich hatte auf der Polizeistation ähnliche Erlebnisse und Gefühle wie Johanna im Film und stand danach ebenfalls unter totaler Beobachtung. Auch ich wollte mich damals zu den Flüchtlingen durchschlagen, habe es aber letztendlich nicht getan. Und zwar aus Angst - was ich mir bis heute nicht verziehen habe. Johanna tut, was ich nicht geschafft habe. Sie ist somit eine idealisierte Version von mir." (Quelle: Presseheft)