Hawai, der 50. Bundesstaat der Vereinigten Staaten von Amerika, liegt wie eine werbende Insel für Touristen im Pazifischen Ozean und nicht nur deutsche Touristen würden einen Eid bekräftigen und einer Reise nach Hawai wegen der herrlichen Temperaturen, Hotels, Casinos oder des Haleakala Nationalparks und milden Urlaubstage zustimmen - dennoch wirbt sie mit ihrer vulkanischen Erde auch jährlich mit einer anderen Attraktivität: Der Triatlet Björn Müller (32) gehört zur Mannschaft des SC Oberursel in der 2. Bundesliga und spricht über den Ironman Hawai, Saisonhöhepunkte, Rehe beim Training und die favorisierte Disziplin des Radfahrens.

Sie liefen 2008 bei den Ironman World Championships auf Hawai und nahmen 2010 am Ironman im spanischen Puerto Del Carmen teil. 2009 regenerierten Sie. Wollen Sie 2011 auch keinen Wettkampf bestreiten?

Triathlet Björn Müller: Ja, das stimmt. Nach Hawaii 2008 war bei mir erstmal die Luft raus. 2009 habe ich deshalb ausgesetzt. Das hat dem Körper und dem Kopf sehr gut getan. Ab Mitte 2009 habe ich mich dann auf den Ironman Lanzarote vorbereitet - mit sehr gutem Erfolg.

Welche Wettkämpfe sind es in diesem Jahr?

Für 2011 plane ich den Ironman Frankfurt, ein paar Starts für das Ligateam meines Vereins SC Oberursel, sowie als Saisonhöhepunkt und Abschluss wieder den Ironman auf Hawai, sofern ich mich in Frankfurt qualifiziere.

Beim härtesten Triathletenlauf, dem Ironman auf Hawai im Oktober 2008, hatte sich die Insel zwar zäh, aber nicht unbezwingbar gezeigt: Sie absolvierten die 3,8 Km Schwimmstrecke in 1:06:26 Stunden , 2500 Höhenmeter, 180 Km Radfahren in 5:17:23 Stunden und für die Marathonstrecke benötigten Sie 3:13: 01 Stunden. Dabei erreichten Sie schließlich Platz 196. Fakt ist auch, dass Sie sich unter zehn Stunden hielten. Was bedeutete das für Sie persönlich?

Das bedeutete, das ich alles erreicht habe, was ich mir für diesen Tag vorgenommen habe. Unter 10 Stunden zu bleiben ist ein schönes Erlebnis. Mit der Schwimmzeit bin ich etwas unzufrieden, Radfahren war auch nicht optimal, mit dem Marathon bin ich mehr als zufrieden.

Wo steht der Triathlon in Deutschland im Vergleich zu anderen Sportarten, wie Boxen, Fußball oder Basketball?

Der Triathlon hat noch nicht die Aufmerksamkeit wie andere Sportarten. Das liegt auch daran, dass es kein Mannschaftssport ist, an der Vermarktung oder auch der Länge eines Events. Bei einem Kurz- bzw. Olympischen Triathlon reden wir von 1,5 Stunden, wo im Jahr 2010 auch manches Rennen bei den öffentlich rechtlichen Sendern übertragen wurde. Bei einem Ironman reden wir von 8-9 Stunden, was für eine TV-Übertragung recht uninteressant ist. Allerdings habe ich kürzlich in einem Sponsorenmagazin gelesen, dass das Sponsoring im Triathlon im Aufwind ist und der Sport hierin recht weit vorne liegt.

Gibt es in anderen Ländern eine größere Fangemeinde für den Triathlon?

In Nordamerika und in Australien ist die Lobby und die Community etwas größer.

Menschen suchen in der Individualität auch die Selbstverwirklichung. Wenn Sie laufen, rennen Sie dann auch gegen eine Gleichmachung und Inanspruchnahme der kapitalistischen Gesellschaft: Wählen Sie damit etwas ihrer Selbstbestimmung, eigenen Entwicklung oder vielleicht auch körperlichen und geistigen Vollendung, auch in den Trainingslagern beispielsweise auf Lanzarote, obwohl es Außenstehenden vielleicht einer Einheitlichkeit erscheint?

Natürlich. Für viele ist es unvorstellbar 45-49 Stunden Sport in der Woche als Urlaub zu definieren. Klar ist es anstrengend, aber ich finde auch die Erholung und Regeneration, die ich brauche. Außerdem geht mir bei der Landschaft und Kulissen auf Lanzaroze bei stundenlangen Radausfahrten das Herz auf.

Ist der Triathlon - trotz der Strapazen zu Land und im Meer – für Sie auch ein Gespür für die unaustauschbare Größe der Natur und zu entdeckenden, vielleicht heiligen, tradierten Elemente des Lebens?

Ja, das ist es. Erst letztes Wochenende habe ich beim Lauftraining zwei junge Rehe über die Felder springen sehen, was gibt es Schöneres als die Natur intensiv zu erleben. Oder nehmen wir den Schwimmpart auf Hawaii: Das Gefühl wie in einem riesigen Aquarium.

Vertiefen wir diesen Blickwinkel. Gibt es dann während des Rennens, trotz der Taktikgedanken, die absolute Gegenwärtigkeit für den Körper und für eine heile, unangetastete Erde, in der Sie dann auch einer Universalität begegnen?

Während des Wettkampfs versinkt man in seinem Adrenalin, seinem Körper und der Taktik, bereitet sich auf die nächsten Steigungen vor und beobachtet die Konkurrenz. Es ist wie im Tunnel.

Sie reisen durch den Triathlonsport auch in andere Weltteile. Haben Sie in Ihrer Trainingsvorbereitung auch einmal die Disziplin vergessen und die Gesellschaft im Casino aufgesucht? Oder waren Ihnen die Aufgaben auf der staubigen, langen, strengen Rennstrecke bislang immer wichtiger?

Also ich verfahre nach dem Motto `Wenn ich schon mal da bin, dann nehm ich auch was mit`. Ich wäge ab, was ich mir zutrauen kann und was eventuell nicht sein muss. So mache ich zum Beispiel eine Erkundungstour mit dem Auto, während andere auf dem Bett liegen und die Zimmerdecke anschauen.

Welche der drei Disziplinen (Schwimmen, Laufen, Radfahren) favorisieren Sie?

Ich bin sehr ausgeglichen, mag alle drei Disziplinen. Auf dem Rad kann ich, denke ich, am meisten Druck machen.

Die Tugenden Geduld und Kampfwillen sind Talesmänner für Sie. Welche Eigenheiten braucht man entgegen der Belastungsproben und Bürden für ein Optimum im Triathlonsport noch?

Durchhaltevermögen und jeden Tag die Kraft wieder zu trainieren. Aber auch die Überwindung sich einen Tag Ruhe zu gönnen, wenn man ihn nötig hat. Dazu gehört ein gutes Körpergefühl, um zu wissen, wann man einmal etwas herausnehmen muss.

Herr Müller, das Redaktionsteam dankt Ihnen für das Interview.