Wild lebende Pflanzen im Süden Portugals

Thymian - Sabine Kranich
Thymian - Sabine Kranich
In der Algarve gibt es viele Pflanzen, die unkultiviert wachsen und in der Volksheilkunde oder Küche verwendet werden.

Wer im Frühling durch die ländlichen Gegenden der Algarve wandert, kann verschiedene Pflanzen entdecken, die wild wachsen, ohne von Menschenhand ausgesät worden zu sein, und die ohne künstliche Bewässerung sogar den monatelangen, regenlosen Sommer überstehen. Im Frühjahr und nach dem Winterregen sind sie in ihrer Erscheinungsart am schönsten und voller Grün. Einige von ihnen haben gesundheitsfördernde Wirkungen und werden als Heil- und Küchenkräuter verwendet.

Thymian - botanischer Name: Thymbra capitata, portugiesischer Name: Tomilho azeiteiro

Vor allem im östlichen Teil der Algarve, dem Sotavento, wächst dieser Thymian als kleiner Busch mit ganzjährigen Blättern an ansonsten wenig bewachsenen Stellen. Die Blüten erscheinen in Lila und sind von Juni bis November zu sehen. Diese Pflanze ist sehr aromatisch riechend und schmeckend.

Ein daraus aufgegossener Tee unter Verwendung von heißem, aber nicht kochendem Wasser, am besten mit Honig gesüßt, wirkt gegen Erkältungskrankheiten und als Spülung verwendet gegen Mandel- und Rachenentzündungen. Thymianaufgüsse im Badewasser können bei Hautproblemen helfen. Die Liste der positiven Eigenschaften dieser Pflanze ist lang. So soll sie unter anderem auch anregend sein, krampf- und schleimlösend, entzündungshemmend, schweißtreibend, beruhigend und blutstillend. Thymian kann aber auch als würzende Zutat bei der Speisenzubereitung verwendet werden, beispielsweise bei Fleischgerichten oder Bratkartoffeln.

Schopflavendel - botanischer Name: Lavendula stoechas, portugiesischer Name: Alfazema und Rosmaninho

Diese wildwachsende Lavendelart wächst buschförmig bis zu 40 Zentimeter hoch mit ganzjährigem Blattbestand. Die Blätter sind klein, nach oben gerichtet und sind von beiden Seiten mit einem samtigen Flaum bedeckt. Sie tragen violette Blüten von Februar bis Juli. Die Blütenköpfe setzen sich zusammen aus vielen kleinen Blüten, oben auf dem Kopf haben sie noch einige nach oben weisende, längere Blütenblätter, die dieser Lavendelart den Namen „Schopflavendel“ gegeben haben.

Der Schopflavendel hat einen sehr intensiven und angenehmen Geruch und wird daher zur Parfümherstellung benutzt. Für Heilzwecke werden die Blüten kurz vor dem Aufblühen geerntet und mitsamt den Blütenkelchen entweder mit kochendem Wasser als Tee aufgegossen oder für eine äußerliche Anwendung dem Badewasser zugegeben. Der Tee hat eine beruhigende Wirkung und kann abends als Einschlafhilfe getrunken werden. Als Badezusatz wirkt er gegen nervös bedingte Kreislaufbeschwerden, beruhigend und erfrischend zugleich und auch gegen Angst- und Spannungsgefühle. Kleine, mit Lavendelköpfen gefüllte Kissen werden schon seit langer Zeit in Kleiderschränken gegen Mottenbefall verwendet und so wird die dem Lavendel nachgesagte insektenabwehrende Wirkung genutzt. Die jungen Blattspitzen des Schopflavendels verfeinern Fisch- und Lammgerichte als würzende Beigabe.

Rosmarin - botanischer Name: Rosmarinus officinalis, portugiesischer Name: Alecrim

Dieser Rosmarin kommt in seinem natürlichen Umfeld als immergrüner Busch mit bis zu einem Meter Höhe vor. Die Blätter sind in ihrer Erscheinungsform ideal an trockene Bedingungen angepasst. Sie sind nach oben gerichtet, klein, hart, leicht nach innen gerollt und an ihrer Unterseite von kleinen weißen Härchen bedeckt. Der Rosmarin trägt kleine lila Blüten fast während des gesamten Jahres. Die gesamte Pflanze wird für die Parfümherstellung oder für kulinarische Zwecke verwendet.

In der Naturheilkunde wird Rosmarin als Tee zubereitet zur Unterstützung des Kreislaufs, gegen Blähungen oder um den Appetit anzuregen. Der Tee hilft bei Verdauungsbeschwerden, gegen Magenkrämpfe und bei Darm- und Gallenstörungen. Zu beachten ist, dass Rosmarintee während einer Schwangerschaft nicht getrunken werden soll, da er Wehen auslösen kann. Wird Rosmarin einem Wannenbad zugefügt, soll er durchblutungssteigernd wirken bei Kreislauf- und Durchblutungsstörungen sowie Gicht und Rheuma und helfen, Erschöpfungszustände zu lindern.

Zistrose - botanischer Name: Cistus ladanifer und Cistus salvifolius, portugiesischer Name: Estevas

Zistrosen, die in Portugal wachsen, haben entweder weiße oder rosa Blüten. Bei den Weißblühenden sind die Blüten an sich kleiner und auch die Blätter sind kleiner, dunkelgrün, hart und sehr ölhaltig. Bei den Rosablühenden sind die Blüten und Blätter größer. Deren Blätter haben eine mittelgrüne Farbe und sind samtig, sie erinnern an Salbei, deshalb heißt diese Zistrosenart auch Cistus salvifolius. Beide Arten sind immergrün und können buschförmig bis zu zwei Meter Höhe erreichen. Ihre Blütezeit ist April bis Mai und die Blätter beider Arten enthalten ein Harz, das Ladanum. Wegen diesem Harz können die Pflanzen sehr große Trockenheit und volle Sonneneinstrahlung vertragen.

Die Familie der Zistrosen hat schon eine sehr lange Geschichte als Volksheilmittel. Es wird angenommen, dass bereits das in der Bibel beschriebene Räuchermittel Myrrhe das Harz der Zistrose war. Die Blätter und Zweige der rosablühenden Zistrose können als Tee aufgegossen werden. Durch das in der Pflanze vorhandene Blattharz wirkt dieser Tee vermutlich antibakteriell und antiviral und man sagt ihm eine immunstärkende und freie Radikale fangende Wirkung nach. Die getrockneten Blätter werden auch in deutschen Apotheken verkauft.

Quellen:

  • Antonio M. de Paula Saraiva, Plantas do Algarve, Plants of Algarve, 2008
  • Dumonts kleines Lexikon Heilmittel, Inhaltsstoffe, Heilwirkung, Anwendung

Bitte beachten Sie, dass Suite101-Artikel nicht den fachlichen Rat - eines Arztes, Heilpraktikers oder Therapeuten - ersetzen. Außerdem lehnen der Autor und Suite101 jede Verantwortung für eine Eigenbehandlung aufgrund dieses Artikels ab.

Sabine Kranich, Foto: Dietfrid Kranich

Sabine Kranich - Als Diplom-Psychologin, Entspannungs- und Hypnosetherapeutin interessiere mich für andere Menschen und deren Ideen und Strategien, ...

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