Wilde Vögel auch im Sommer füttern?

Spatzen - Kladu, Pixelio
Spatzen - Kladu, Pixelio
Ob Gartenvögel nur im Winter oder auch im Sommer gefüttert werden sollten, soll dieser Bericht erläutern.

In den letzen Jahren wurde die Ganzjahresfütterung für Gartenvögel immer häufiger befürwortet. Besonders durch das Buch von Peter Berthold und Gabriele Mohr „Vögel füttern – aber richtig“ gab es nun Argumente, die auch die Fütterung im Sommer gerechtfertigt. Vorreiter für diese Fütterungsart war vor allem Großbritannien. Aber was ist nun dran, an den Vor- und Nachteilen? Ist die Fütterung im Sommer für unsere wilden Vögel schädlich oder helfen wir tatsächlich? Oder hilft es uns nur dabei, die Vögel in unserem Garten anzulocken und uns am Beobachten zu erfreuen?

Naturschutzvereine sind sich uneinig

Der Naturschutzbund Deutschland NABU lehnt eine Ganzjahresfütterung mit der Begründung ab, dass es sich bei wildlebenden Tieren nicht um Haustiere handelt, die auf das Futter angewiesen wären und sich durch die Fütterung bedrohte Arten nicht weiter verbreiten, sondern sich nur die nicht bedrohten Arten wie Meisen, Amseln, Finken und Feldsperling dort bedienen und es andere wichtige Aufgaben im Naturschutz gibt. Aber scheinbar ist sich der Verein nicht ganz sicher, denn der NABU Bremen vertritt die Ganzjahresfütterung bei wilden Vögeln schon seit einigen Jahren. Aufgrund von eigenen Beobachtungen wurde erkannt, dass die Vogelfütterung im Sommer keine Nachteile für die Aufzucht der Jungvögel bedeutet.

Vogelfutter nachteilig für die Jungvögel?

Eine Sommerfütterung bei Gartenvögeln wurde immer abgelehnt mit der Begründung, die wilden Jungvögel würden das künstliche Futter nicht vertragen. Tierische Eiweiße würden nicht ausreichend von den Eltern gefüttert, die eigentlich auf Insektensuche gehen sollten und bei menschlicher Fütterung eher zum Futterhäuschen pilgern. Das konnte jedoch nicht bewiesen werden. Herausgestellt hat sich, dass z.B. Meisen im Sommer ihre Futtersuche nur zu etwa 15 % aus dem Futterhäuschen abdecken und ansonsten trotzdem auf Insektensuche gehen. Die Jungvögel würden durch eine zusätzliche Fütterung im Sommer nicht benachteiligt sein.

Wichtig sei jedoch einwandfreies Futter. Es darf nicht verderben und auch bei Regen nicht mehrere Tage der Witterung ausgeliefert sein. Futterstellen sind möglichst täglich zu reinigen.

Welches Futter man im Sommer füttern sollte

Nun stellt sich die Frage, ob sich die Sommerfütterung von der Winterfütterung grundsätzlich unterscheiden sollte. Im Winter sind fettreiche Futtermittel für den Stoffwechselverbrauch durch die Kälte sehr wichtig. Aber auch im Sommer werden fettreiche Nahrungsmittel sehr gerne aufgenommen. Auch nehmen die Elterntiere fettreiches Futter sogar lieber als Sonnenblumenkerne, was man leicht durch Beobachtung erkennen kann, wenn man einen Meisenknödel aufhängt. Das Fettfutter wird zuerst gefressen. Auch Vogelmischungen für Wellensittiche und Kanarienvögel werden gern genommen. Ganz einfach und dazu billig sind normale Haferflocken mit ganz wenig Pflanzenfett vermischt. Auch Kolbenhirse und einfach Sonnenblumenkerne können angeboten werden.

Der naturnahe Garten ist die wichtigste Maßnahme zur Unterstützung unserer wilden Vögel

Die Sommerfütterung ist nur eine zusätzliche Maßnahme, die wilden Vögel bei ihrer Nahrungssuche zu unterstützen und sie dadurch, auch zu unserer Freude, an den Garten zu binden. Die Zusatzfütterung ist in Ballungsgebieten notwendig geworden, da hier die natürliche Umgebung nicht mehr genug Nahrungsangebot zur Verfügung stellen kann. Naturnahe Gärten sind daher der wesentliche Beitrag zur Unterstützung der wilden Vögel. Beeren spielen dabei eine große Rolle und werden leider oftmals nicht gern geteilt. Netze auf Obstbäumen zum Schutz vor Vögeln sind oftmals eine schreckliche Todesfalle. Die Vögel bleiben zu leicht mit ihren Beinchen an dem Netz hängen, welche jeden Sommer viele Vogelopfer fordern. Sträucher und Bäume sind ebenfalls wichtige Nahrungslieferanten, besonders auch für die Insektenfresser, die hier auf die Jagd gehen können. Schutz benötigen die Vögel jedoch auch. So ist ein aufgeschichteter Asthaufen ein bevorzugtes Rückzugsgebiet und lockt Vögel auch zum Nisten an. Natürlich benötigen angelockte Vögel auch ausreichend Brutmöglichkeiten. Daher sollte jeder Gartenfreund, der im Sommer zufüttern möchte auch dafür sorgen, dass genug Nistkästen und andere Brutmöglichkeiten vorhanden sind. Ebenso wichtig wie Nahrungsangebot und Brutmöglichkeiten ist das Vorhandensein von täglich frischem Wasser. Wer seinem Vogel Wasser anbietet, sollte diese Tränken täglich reinigen, um Krankheiten zu vermeiden. Am besten sollte man zwei Tränken nutzen, um eine jeweils für einen Tag austrocknen zu lassen. So können sich tödliche Keime nicht halten.

Literaturhinweis: Vögel füttern - aber richtig von Peter Berthold und Gabriele Mohr

Birte Wermann, Birte Wermann

Birte Wermann - Der Mensch ist nicht das Maß aller Dinge, sondern Leben inmitten von Leben, das auch leben will (A.Schweitzer) Mitten in ...

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