
- Typische Wiese in Süddeutschland - N. Berling
Von den frühesten Zeiten der Erdgeschichte bis heute war die Entwicklung der Pflanzenwelt Mitteleuropas von geologischen und klimatischen Veränderungen beeinflusst. Eine Pflanzengeneration folgte auf die Nächste. Neue Standorte wurden besiedelt und mussten wieder aufgegeben werden – je nach Umweltverhältnissen. Ließe man der Natur in Europa freien Lauf, so wäre das Land zu mehr als 90% von Wald bedeckt. Die übrige Bodenfläche würde von Sümpfen, Mooren, Dünen und Felsen eingenommen. Tatsächlich aber ist Mitteleuropa nur zu knapp 30% mit Waldflächen bedeckt.
Ausbreitung der Wildpflanzen
Schon in der Jungsteinzeit (5000 bis 3000 v. Chr.) begann man in klimatisch besonders begünstigen Gebieten, die Wälder zu roden. Größere Waldgebiete wurden in Äcker umgewandelt. War die Bodenfläche nach Nutzung ausgelaugt, ließ man das Land brachliegen. Dort siedelten sich bald Unkräuter an. Manche von ihnen wurden auch angebaut, da sie sich als Salat oder Gemüse eigneten. Wurden die Wälder nicht gerodet, sondern ausgelichtet, dienten sie dem Vieh als Weide. Die Tiere fraßen die jungen Baumschösslinge, das Laub wurde als Streu verwendet. Dadurch fehlten dem Boden wichtige Nährstoffe; die Bodenkrume wurde vom Regen weggeschwemmt, die Erosion setzte ein und aus Wäldern wurde so Ödland.
Als die Römer nach Mitteleuropa kamen, brachten sie verschiedene bis dahin unbekannte Pflanzen mit. Hierzu zählen z.B. die Weinrebe oder die Esskastanie sowie verschiedene Gemüse- und Gewürzpflanzen, aber auch wild wachsende Pflanzen wie die Ackerwinde oder der Gänsefuß. Pflanzen, die auf natürlichen, baumfreien Standorten wachsen, setzen sich im wesentlichen aus der Pflanzenwelt des Graslands und der Heiden zusammen. Auf beweidetem Flächen kommen vorwiegend stachelige oder giftige oder unangenehm riechende Pflanzen vor, weswegen sie vom Vieh gemieden werden. Obwohl Mitteleuropa heute nur noch teilweise von Wald bedeckt ist, bietet es doch fast allen bei uns beheimateten Wildpflanzen wie Scharbockskraut ausreichend Lebensraum. Nur Frühlingsblüher, Pflanzen, die im Frühjahr das Licht im unbelaubten Wald benötigen, sind durch das Anpflanzen von Nadelbäumen in ihrem Bestand gefährdet.
Lebensräume für Wildpflanzen
Viele Wildpflanzen sind die sogenannten Un- oder Beikräuter, die im Garten oder entlang von Wegrändern sprießen. Zu ihnen gehört beispielsweise der Löwenzahn oder das Hirtentäschelkraut. Diese Pflanzen besitzen die Fähigkeit, kahle Bodenstellen rasch zu besiedeln. Die meisten dieser Pflanzen sind einjährig; das heißt, sie keimen, wachsen, blühen und fruchten innerhalb eines Jahres. Oft bringen einjährige Pflanzen unendlich viele Samen hervor, aus denen Hunderte neuer Pflanzen entstehen. Einige andere typische Standorte auf denen Wildpflanzen vorkommen, sind die Ränder von Äckern, auf Wiesen und Weiden, auf Ackerböden, im Wald oder an Waldrändern, sowie Waldlichtungen. Sie kommen aber auch an feuchten Standorten wie an Seeufern oder an Bächen, sowie im Wasser selbst vor.
Die Natur erkunden, nutzen und genießen
Schon die breite Vielfalt der Wildpflanzen, die je nach Jahreszeit wechselt, ist erstaunlich. Dennoch gelingt es auch ohne botanische Vorkenntnisse oftmals leicht, die einzelnen Pflanzen zu erkennen. Nicht selten als lästiges Unkraut betrachtet, sind doch die meisten Wildkräuter beim näheren Betrachten nicht nur hübsch anzusehen – sie erfüllen wichtige Aufgaben im Naturhaushalt. Wildkräuter sind eine unverzichtbare Lebensgrundlage für zahlreiche Tierarten. So nutzen Hummeln, Käfer und Bienen die blühende Pflanze als Nektar- und Pollentrachtpflanze – sie dient der Befruchtung und damit der Erhaltung der Art. Auch der Duft einer Pflanze trägt dazu bei, Insekten anzulocken oder auch Schädlinge fernzuhalten.
Viele Wildpflanzen enthalten intensive Aromen oder sekundäre Pflanzenstoffe und viele von ihnen sind essbar. Manche Wildpflanzen wie die Blätter des Spitzwegerichs oder die der großen Brennnessel eignen sich auch in größeren Mengen zum Verzehr z.B. als Suppe. Andere Pflanzen wie Schafgarbenblüten oder Huflattichblüten, eignen sich vor allem frisch als Gewürz sowie als hübsche, essbare Dekoration, oder getrocknet als Tee. Sie sollten jedoch wegen ihrer medizinischen Wirkung nicht in zu großen Mengen verzehrt werden.
In jedem Fall sollte man die Pflanzen mit ihren essbaren Pflanzenteilen genau kennen. Auch die Jahreszeit während der eine Pflanze geerntet werden darf, und die Verzehrmenge sollten stets berücksichtigt werden.
Hinweis zu diesem Text: Bitte beachten Sie, dass Suite101-Artikel niemals fachlichen Rat – beispielsweise durch einen Arzt – ersetzten können.
Quellen:
- Schauer T, Caspari C: Der BLV Pflanzenführer für unterwegs. München 2005
- Schönfelder P, Schönfelder I: Der Kosmos-Heilpflanzenführer. Stuttgart 1988
- Worms E. Wildkräuter. Umweltamt, Stadt Sankt Augustin o. Jahr
