
- Kaiser Wilhelm Denkmal in Porta Westfalica - Harald Rossa
Wilhelm Friedrich Ludwig von Preußen war ein Sohn des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. und seiner Gattin Luise. 1858 übernahm er die Regentschaft für seinen Bruder Friedrich Wilhelm IV. Dem folgte er 1861 als Wilhelm I. auf dem Thron. 1871 wurde er der erste Kaiser des neu gegründeten Deutschen Reichs.
Kindheit und Jugend
Wilhelm kam am 22. März 1797 in Berlin als der zweite Sohn Friedrich Wilhelms III. (1770–1840) und der Königin Luise zur Welt. Seine Erzieher war Johann Friedrich Gottlieb Delbrück. Nach der Niederlage Preußens in der Schlacht von Jena und Auerstedt 1806 musste er mit der Familie nach Ostpreußen fliehen und seine militärische Karriere begann. Am 1. Januar 1807 ernannte sein Vater den 9 Jahre alten Prinz zum Leutnant.
Militärische Laufbahn von Wilhelm I.
1814 bekleidete er den Rang eines Hauptmanns. Mit seinen Vater nahm er am Feldzug in Frankreich teil. Seine Feuertaufe hatte er bei Bar-sur-Aube und wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Am 8. Juni 1815 wurde er konfirmiert und zum Major ernannt. Danach übernahm er das Kommando über ein Bataillon des 1. Garderegiments. Am 1. Januar 1816 wurde ihm das Kommando über das Stettiner Gardelandwehrbataillon übertragen. 1818 wurde er als Generalmajor Kommandant einer Gardeinfanteriebrigade. Am 1. Mai 1820 erhielt er den Oberbefehl über die 1. Gardedivision und 1825 im Rang eines Generalleutnants den Befehl über das Gardekorps.
Nach dem Tod seines Vaters wurde ihm als Thronfolger seines Bruders Friedrich Wilhelm IV. der Titel „Prinz von Preußen“ verliehen und er zum General ernannt. Wenig ruhmreich war sein Verhalten im März 1848. So setzte sich Prinz Wilhelm für eine konstitutionelle Verfassung ein. Dennoch wollte er die Revolution vom 18. März 1848 in Berlin mit militärischer Gewalt niederschlagen. Dafür wollte er das Militär aus der Stadt abziehen und diese von außen mit Kartätschen (Kanonen) sturmreif schießen. Dieses Vorhaben brachte ihm den Spottnamen „Kartätschenprinz“ ein. Schließlich musste Wilhelm aus Berlin fliehen uns reiste nach London.
Am 8. Juni 1849 übernahm Wilhelm das Kommando im Kampf gegen die Aufständischen in der Pfalz und in Baden. Mit der Einnahme der Festung Rastatt war die Märzrevolution in Deutschland endgültig niedergeschlagen. Nach diesem Feldzug wurde Wilhelm 1849 zum Militärgouverneur am Rhein und in Westfalen ernannt. Er wohnte von da an in Koblenz. 1854 wurde er in den Rang eines Feldmarschalls erhoben.
Heirat und Familie
Am 11. Juni 1829 heirate Wilhelm die Prinzessin Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach. Sie war die Tochter des Großherzogs Karl Friedrich von Sachsen-Weimar-Eisenach. Ihre Schwester Maria war mit seinem jüngeren Bruders Karl verheiratet. Ab 1835 nutzten Wilhelm und Augusta das Schloss Babelsberg als Sommersitz. Diese Verbindung mit Augusta war vom Vater arrangiert worden und verlief nicht sonderlich glücklich. Die Prinzessin aus Weimar war liberal erzogen worden und fühlte sich am Berliner Hof nicht sonderlich wohl. Augusta versuchte stets, ihren Mann in Richtung Liberalismus zu beeinflussen. Das gelang zeitweise. Aber mit zunehmendem Alter und unter dem Einfluss seines Kanzlers Otto von Bismarck wurde Wilhelm I. immer konservativer.
Der Ehe entstammten zwei Kinder. Friedrich Wilhelm (1831–1888) heiratete 1858 die Prinzessin Victoria von Großbritannien und Irland und war 1888 für 99 Tage als Friedrich III. deutscher Kaiser. Die Tochter Luise (1838–1923) heiratete 1856 Großherzog Friedrich I. von Baden.
Wilhelm als Regent
König Friedrich Wilhelm IV. erlitt mehrere Schlaganfälle. Die schränkten den Monarchen körperlich wie psychisch ein. Am 23. Oktober 1857 beauftragte der König seinen Bruder und Thronfolger mit der Vertretung. Am 7. Oktober 1858 wurde Wilhelm als Regent eingesetzt. 1859 ließ Wilhelm das preußische Heer mobilisieren. Dabei stellten sich viele Mängel heraus. Von da an sah er eine Reform des Heeres als seine Hauptaufgabe an. Die die Mehrheit des Abgeordnetenhauses war nicht bereit, die 1860 dafür geforderten Mittel zu bewilligen.
Preußischer König ab 1861
Sein Bruder Friedrich Wilhelm IV. starb am 2. Januar 1861 und Wilhelm I. bestieg den preußischen Thron. Am 18. Oktober 1861 fand die Krönung in Königsberg statt. Diese Krönung war ein Kompromiss zwischen der von Wilhelm gewünschten Erbhuldigung und der Eidesleistung des Königs im Parlament. Sie verstärkte das Misstrauen der Abgeordneten gegen den König und seinen Absichten zur Schaffung einer konstitutionellen Monarchie.
Nach den Neuwahlen von 1861 begann um die Heeresreform der Verfassungskonflikt zwischen König und Parlament. Der König bestand auf einer Heeresreform und dachte bereits an seine Abdankung. Da trat Otto von Bismarck auf den Plan. Der König ernannte diesen am 23. September 1862 zum Ministerpräsidenten. Bismarck war zum Regieren ohne genehmigten Haushalt bereit und wollte die Heeresreform durchsetzen. Preußen erlebte eine Zeit der Restauration und zunehmender Repression. Bismarck bestimmte die Richtung der Politik. Das galt vor allem in der Frage nach einem Deutschen Staat.
Drei Kriege führte Preußen: 1864 ging es gegen Dänemark um Schleswig-Holstein, 1866 gegen Österreich und 1870/71 gegen Frankreich. Am Ende dieses dritten Einigungskrieges stand die Gründung des Deutschen Reiches unter der Führung von Preußen und ohne Österreich.
Deutscher Kaiser ab 1871
Am 18. Januar 1871 wurde Wilhelm I. im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles zum Deutschen Kaiser proklamiert. Wilhelm überließ die Gestaltung der Politik des neuen Deutschen Reiches weitgehend seinem Kanzler Otto von Bismarck. Im Alter stieg die Popularität des Kaisers Wilhelm I. wieder deutlich an. Für viele Bürger war er das „alte Preußen“. Nach kurzer Krankheit starb er am 9. März 1888 in Berlin. Am 16. März 1888 wurde er m Mausoleum im Schlosspark Charlottenburg beigesetzt. Sein schon todkranker Sohn folgte ihm als Friedrich III. für 99 Tage auf dem Thron.
Nachruhm
Zwischen 1867 und 1918 wurden über 1000 Kaiser-Wilhelm-Denkmäler errichtet. Vor allem Kaiser Wilhelm II. stilisierte Wilhelm I. zu einer Lichtfigur des Reiches als der Herrscher, der das Einheitsversprechens des Kaisers Friedrich Barbarossa umsetzte. Zu den bekanntesten und größten Denkmälern für Wilhelm I. gehören das Kyffhäuserdenkmal von 1896, das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica von 1896 und das Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Deutschen Eck in Koblenz von 1897.
Literatur zu Wilhelm I.
- Wolfgang Treue (Hrsg.): Drei deutsche Kaiser. Ploetz Freiburg 1996, ISBN 978-3876401928
- Karl Heinz Börner: Wilhelm I. Deutscher Kaiser und König von Preußen. Eine Biographie, Akademie Verlag Berlin 1984
- Franz Herre: Kaiser Wilhelm I. Der letzte Preuße. Kiepenheuer & Witsch Köln 1980, ISBN 978-3462023084
Quellen
- Deutsches Historisches Museum: Wilhelm I
- Thomas Roloff: Wilhelm I., König von Preussen und Deutscher Kaiser. In. Preußen.de
- Who’sWho: Wilhelm I. (Deutsches Reich)
