Wilhelm Reich - Begründer der Körperpsychotherapie

Wilhelm Reich - artsfuse
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Der Kinofilm "Wer hat Angst vor Wilhelm Reich?" verfilmt das Leben des revolutionären Psychotherapeuten. Ein Portrait des Begründers der Vegetotherapie

Wilhelm Reich, geboren 1897 in Galizien, war seinerzeit als revolutionärer Psychoanalytiker und Wissenschaftler bekannt. Seine Theorien waren damals kontroversiell und heftigst diskutiert. Mit seinem Modell über das organische Fundament der Neurosen und der muskulären Panzerung hat er der körperlichen Ebene in der Behandlung von psychischen Erkrankungen eine große Bedeutung beigemessen.

Von der Psychoanalyse zur Vegetotherapie

Auch Reich war einer derjenigen, der eine berufliche Zusammenarbeit mit Sigmund Freud erlebte. Er war Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung und arbeitete in den Sexualberatungsstellen Freuds. Als Reich nach Berlin übersiedelte, eröffnete er dort 1930 eine Arbeitersexualklinik. Im skandinavischen Exil entwickelte er die sogenannte „Vegetotherapie". Ende der 30er und Anfang der 40er Jahre war Reich in New York und Oregon tätig. Im Dritten Reich wurden viele seiner Schriften verbrannt. Er starb 1957 im Gefängnis von Lewisberg. In seinem letzten Willen legte er fest, dass seine wissenschaftlichen Arbeiten erst 50 Jahre nach seinem Tod geöffnet werden dürften. Wollte er warten, bis die Menschheit für seine Erkenntnisse bereit ist?

Wilhelm Reichs Menschenbild

Wilhelm Reich ging von einem positivistischen Menschenbild aus. Liebevolle Impulse sowie der Wunsch nach natürlicher Liebesbetätigung sind des Menschen eigentliches Ziel. Destruktivität entsteht seiner Meinung nach durch unterdrückte Sexualenergie: Ungelebte sexuelle Energie zieht Neurosen nach sich. Sobald die natürlichen, liebevollen Impulse unterdrückt werden, entsteht die sogenannte „Panzerung". Dieser Panzer kann auch körperlich und energetisch deutlich werden, indem es zu einer Starrheit in Bewegungsmustern kommt.

Er geht von einem dialogischen Prinzip zwischen dem Ich und der Welt aus, das wie eine Art Pulsation verstanden werden kann. Das Ziel liegt in der Vervollkommnung des Menschen, diesen Impuls auf sexueller Ebene umzusetzen und stellt letztlich Reichs Grundidee der Lebendigkeit dar. Aus dieser Anlage folgt die Entwicklung zum „genitalen Charakter", der besagt, dass Lebenslust ausgelebt wird und soziale und verantwortungsvolle Kompetenzen gelebt werden können.

Der „Charakterpanzer" nach Wilhelm Reich

Ausgehend vom Modell der Charakterpanzerung ist Reich der Meinung, dass jeder ungelöste Konflikt wie eingepanzert wird. Es kommt zu einer bestimmten „Starre" in der Haltung, was sich beispielsweise im Unterdrücken von Wut und der Anspannung der Muskeln äußern kann. In der Bearbeitung dieses sogenannten Charakterpanzers wird bei dem letzten verdrängten Erlebnis der Kindheit angesetzt, da dieses am bewusstesten ist. Er geht von drei Schichten in der Persönlichkeit aus, wobei er - anders als die Psychotherapeuten seiner Epoche – von einer anständigen und selbstverständlichen Natur des Menschen ausgeht.

Ungelebte Sexualität als Grund für psychosomatische Erkrankungen

Anders als Freud geht Reich von einem sexuellen Erklärungsmodell aus, das einen grundsätzlich positiven Aspekt hat. Somit gibt es keinen Penisneid oder Ödipuskomplex aus Reichs Sicht, sondern es geht um die Transformation körperlicher Erregungsspannung durch den Orgasmus. „Stauungen" sexueller Natur führen zu destruktiven und irrationalen Verhaltensweisen. Eine gesellschaftliche „Sexualunordnung" führt zur Verunselbstständigung des Menschen, weil diese der gesellschaftlichen Norm unterworfen werden sollen. Damit bringt er deutliche Kritik am vorherrschenden gesellschaftspolitischen System an.

Lebensenergie durch Sexualenergie

Die sogenannte „Orgasmusformel" ist Kernpunkt der Annahmen von Reich: Spannung, Ladung, Entladung und Entspannung ist die Abfolge einer biophysikalischen Grundfunktion, die über psychische Gesundheit oder Krankheit einer Person entscheidet. Ausgehend von dieser These fanden wissenschaftliche Untersuchungen statt, die auf neue Naturgesetze hinwiesen, die ins Anorganische hineingingen, was zur damaligen Zeit regelrecht revolutionär war. Die von Reich erkannte Energieform nennt sich „Orgonenergie" und ist als prämaterielle, ursprüngliche Energie zu verstehen. Mit seiner Orgonforschung hat er sich auch in Bereiche der Krebsbehandlung sowie der Wetterbeeinflussung durch das sogenannte Cloudbusting hineingewagt. Außerdem finden sich auch Gedanken Reichs zur Thematik der Entstehung von Galaxien und Sternennebeln.

Seine politische Position

Als bekennender Kommunist und Marxist hatte Reich zunächst mit der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung Probleme. In den 30er Jahren übersiedelte er aus diesem Grund nach Berlin, wo er „Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral" publizierte. 1933, nach Hitlers Machtübernahme, wanderte Reich nach Skandinavien aus. Als Folge auf die Publikation „Die Massenpsychologie des Faschismus" wurde er sowohl von der Kommunistischen Partei als auch von der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung ausgeschlossen. Vor Beginn des zweiten Weltkrieges ist Reich in die Vereinigten Staaten emigriert. Reagierend auf den Atombombenangriff auf Hiroshima und Nagasaki verfasste Reich die „Rede für den kleinen Mann". Er plädierte für eine Arbeitsdemokratie, davon ausgehend, dass Wissen, Arbeit und natürliche Liebe der Nachkriegsgesellschaft Hoffnung vermitteln könnten.

Sein Lebensende

Reich wurde letztlich wegen „Missachtung des Gerichts" verurteilt, weil ein Mitarbeiter die sogenannten Orgonakkumulatoren über die Grenzen der US-Bundesstaaten hinaus transportiert hatte. Er verstarb während seiner zweijährigen Haftstrafe im Jahr 1957 im Gefängnis. Die Todesursache wurde nie untersucht, aber es wird vermutet, dass er an Herzversagen verschied.

Quellen:

Bioenergetik

Stenek, Sonja Eliane: Somatic Experience - Traumatherapie nach Peter A. Levine

Wilhelm Reich

Mag. Sonja Eliane Stenek, Mag. Sonja Eliane Stenek

Sonja Eliane Stenek - Psychotherapeutin mit Schwerpunkt Psychosomatik, depressive Erkrankungen, Angststörungen, Begleitung in Krisen insbesondere bei ...

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