Will Smith im Science-Fiction-Film "I am Legend"

Eine Filmrezension - Ist der Film wirklich legendär?

Achtung! Zombies - Will Smith als Robert Neville - wallpaperez
Achtung! Zombies - Will Smith als Robert Neville - wallpaperez
In einem endzeitlichen New York, wie es zuvor im Film noch nie dagewesen ist, stellt sich Will Smith als Einzelkämpfer blutrünstigen Zombies, um die Menschheit zu retten.

Man schreibt die Zukunft: Im Jahre 2012 ist die Menschheit fast vollständig von einem tödlichen Virus ausgelöscht. Ironischer Weise war dieser Virus einst die Hoffnung auf die Heilung von Krebs. Einzig der Militärvirologe Robert Neville (Will Smith) hat die Katastrophe überlebt.

Neville ist immun gegen das Virus, welches Menschen in Tageslicht-meidende und hyper-aggressive Zombies transformiert. Wenn sich der Abend anbahnt, barrikadieren sich Neville und sein einziger Weggefährte, der Hund Sam, in sein Haus. Denn mit der Dämmerung verwandelt sich das idyllisch menschenleere New York (mit wachsendem Steppengras auf dem Times Square und grasenden Antilopen) in ein von Zombies bevölkertes Schreckensszenario.

Die Ein-Mann-Show Will Smith

"Das ist Ground Zero. Es ist mein Platz. Ich kann es richten", ist sich Neville sicher. Genau dieser Ausspruch bekräftigt Nevilles Aufgabe in der Verfilmung von Richard Mathesons Romanvorlage (1954). In den einsamen Straßenschluchten von New York ist Neville "The Last Man Standing" – ein Einzelkämpfer. Der Ein-Mann-Show Will Smith gelingt hier eine beeindruckende Gratwanderung zwischen mutigem Helden und einem von der Einsamkeit zerrissenen Halbwahnsinnigen – es ist klar, warum Will Smith nicht erst seit gestern Hollywoods Allzweckwaffe ist.

New York, wie man es noch nie gesehen hat

Aber dem isolierten Helden Neville steht neben seinem Hund noch ein weiterer Darsteller zur Seite: Die faszinierenden Bilder des verlassenen post-apokalpytischen New York. Regisseur Francis Lawrence ("Constantine") kreierte einen subtilen Horror durch einen in Stücke gefallenen und verwahrlosten Big Apple. So hat man die Weltmetropole noch niemals gesehen. Und gerade dadurch werden die elementarsten Ängste des westlichen zivilisierten Lebens der Menschheit ausgebuddelt.

Besonders im ersten Teil des Films spielt die Suspense des Films mit einer einfachen menschlichen Grundfurcht: alleine auf diesem Planeten zu sein. Die düstere Atmosphäre der gottverlassenen Szenerie entschuldigt dann auch grundlose Flashbacks und logische Fehler innerhalb des Drehbuches, wie: Warum ist es möglich, dass Wasser und Elektrizität noch verfügbar sind?

Lahme Action und aufgesetzter Pathos

Aber ein Blockbuster wäre kein Hollywood-Kracher ohne Action, versteht sich. So muss das brillante unterschwellige Grausen den animierten Zombies Platz machen. Smiths starkes Charakterspiel verliert sich im Verlaufe des Films in der lahmen bang-boom-bang Action in Kämpfen mit den Zombies. Dadurch kommen Regisseur Lawrence alle starken tragenden Elemente der ersten Hälfte des Films in der zweiten abhanden. Zusätzlich wird der Zuschauer mit den lächerlichsten und plumpesten metaphorischen Elementen regelrecht bombardiert. Neville wird als Messiahs porträtiert, der sich für das Überleben der Menschheit – ein Paar Exemplare verweilen an einem gesicherten unbekannten Ort – opfert. Aus dem Nichts wechselt der Film auf eine engstirnige religiöse Schiene und verliert sich zunehmend in einem schleimig-anmutenden Pathos.

"I am Legend" ist nicht legendär

"I am Legend" spiegelt wahrscheinlich das Beste und das Schlechteste, was Hollywood im Jahr 2007 anzubieten hatte. Ein brillanter erster Teil des Films wird unberechtigt ab der Mitte in den Boden gerannt, so dass die schwache zweite Hälfte das ist, was dem Zuschauer im Gedächtnis bleibt: eine Enttäuschung auf hohem bildlichen Niveau. Dieser Film wird wahrscheinlich keine Legende mehr.