William M. Thackeray: "Buch der Snobs"

Clevere und parodistische Anekdoten einer Spezies - Manesse-Verlag
Clevere und parodistische Anekdoten einer Spezies - Manesse-Verlag
Clever, schillernd und amüsant snoboesk - die erste vollständige Ausgabe in deutsch zum 200. Geburtstag des englischen Autors.

Was ist ein Snob? "Ein hübsches kleines rundes Wort aus lauter weichen Tönen, mit einem Zischen zu Beginn, gleichsam um es pikant zu machen", formulierte William Makepeace Thackeray (1811-1863) das Faszinosum in seinem "Buch der Snobs". Was meint das Wort Snob wirklich? "Wir könnten nicht sagen, was es bedeutet, wie wir auch Witz, Humor oder Humbug nicht definieren können, aber wir wissen, was es bedeutet." Fakt ist: "Snobs sind zu erforschen wie andere Gegenstände der Naturwissenschaften und sie sind Teil des Schönen. Sie finden sich in allen Schichten." Noch etwas ausführlicher? "Wer Erbärmliches erbärmlich bewundert, ist ein Snob - vielleicht ist das eine zulässige Definition dieser Gestalt." Kurz gesagt: Im "Buch der Snobs" geht es unverblümt um arrogante Selbstdarsteller.

Parodistischen Anekdoten des renommiersüchtigen Typus

Mit seinen Anekdoten über "The Snobs of England" amüsierte Thackerey den gesamten "britischen Kontinent" des viktorianischen Zeitalters und stieg binnen kürzester Zeit zum bedeutendsten englischsprachigen Schriftsteller neben Charles Dickens auf. Zunächst publizierte er seine bissigen Kolumnen zwischen 1846/47 in der Satirezeitschrift "Punch" – anonym, das heißt: "by One of Themselves". Der Erfolg seiner cleveren und parodistischen Darstellung des renommiersüchtigen Snob-Typus war so groß, das die Sammlung 1848 als Buch herauskam. Dieses Mal unter Thackereys vollem Namen.

Boshafte Karikaturen einer englischen Spezies

Damals galten die geistreich witzigen Texte noch als aufklärend. Ja, Thackerey machte das Phänomen Snob überhaupt erst populär. Boshaft nahm er die englische Spezies aufs Korn und karikierte "Miss Snobky" und "Sir Snobby Snobky" pointenreich in seiner frechen "Snobologie". Da gab es die politischen Snobs, die Universitätssnobs, die militärischen Snobs, ebenso die Clubsnobs und viele andere mehr. Noch heute gilt: Wo die Roben rauschen und lässige Eleganz herrscht, sind die Snobs nicht weit. Überall sonnen sich die Snobs, unbeleckt von jedwedem Selbstzweifel, im Glanz ihrer eigenen Großartigkeit.

Thackerey, den die Welt vor allem durch den großen Gesellschaftsroman "Jahrmarkt der Eitelkeit" kennt, zögerte auch nicht, sein "eigen Fleisch" - literarische Snobs - unter die Lupe zu nehmen. Jedoch konnte er "keinen einzigen Fall von Vulgarität, Neid oder Anmaßung" unter den britischen Schriftstellern finden. "Wer uns kennt, weiß, welch liebevoller, brüderlicher Geist uns alle umfängt. Manchmal gelingt einem von uns der Aufstieg in der Welt; wenn derlei sich ereignet, werden wir ihn niemals angreifen oder verhöhnen, o nein, ob seines Erfolges frohlocken wir einmütig. Wenn Jones mit einem Lord tafelt, wird Smith niemals sagen, Jones sei eine Schranze und ein Speichellecker."

Neuübersetzung mit reichem Wortschatz

Zu seinem 200. Geburtstag wurde das "Buch der Snobs" von William Makepeace Thackerey neu übersetzt und erstmals vollständig auf deutsch herausgegeben. Gisbert Haefs, der eigentlich Krimi-Autor ist, hat als Übersetzer der Neuausgabe im Manesse-Verlag eindrucksvolle Arbeit geleistet. Sein überaus reicher Wortschatz bildet das Schwungrad dieser brillanten Konversation in Buchform. Der Leser erhält zudem einen Einblick in die schillernde Welt des englischen Humors von damals. Komisch, dass noch niemand das Wort snoboesk dafür erfunden hat.

William M. Thackeray: Das Buch der Snobs. Übersetzt aus dem Englischen von Gisbert Haefs. Manesse Verlag 2011. Gebundene Ausgabe, 464 Seiten. Euro 22,95.

Caroline Stern, (c)

Caroline Stern - Veröffentlichungen u. a. in: People Management, Time Out London und auf: morgenpost.de, stern.de, welt.de. Aufgewachsen in Plauen ...

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