
- Erneuerbare Energien - Strom aus Windkraft - Margot Kessler/pixelio
Während sie im windreichen Norden Deutschlands wie Pilze aus dem Boden schießen, sind sie im Süden nur selten anzutreffen. Dennoch – Deutschland ist weltweit das Land mit den meisten Windkraftanlagen. Windenergie stellt bereits jetzt eine wichtige regenerative Energiequelle dar, besitzt darüber hinaus jedoch noch ein großes Potential, das es angesichts der zunehmenden Verknappung fossiler Energieträger und deren negativen Auswirkungen auf unsere Biosphäre zu nutzen gilt. Windkraft ist somit eine notwendige und lohnende Investition in die Zukunft.
Die Notwendigkeit regenerativer Energien
Der ökologische Fußabdruck der Menschheit ist zu groß – wir verbrauchen mehr Ressourcen und produzieren mehr Abfälle, als unser Planet regenerieren beziehungsweise absorbieren kann. Neben drastischen ökologischen Folgen wie Artensterben, zunehmender Versteppung der Böden und Klimawandel zeichnet sich eine weitere Konsequenz ab: Die weltweiten Vorkommen an Erdöl, Erdgas und Uran werden in wenigen Jahrzehnten erschöpft sein. Diese einschneidenden Entwicklungen in der Menschheitsgeschichte erfordern ein Umdenken und Handeln auf mehreren Ebenen. Hinsichtlich der Energieversorgung ist ein Wechsel von konventionellen Energieträgern auf regenerative Energien unabdingbar. Windenergie spielt dabei eine wichtige Rolle – Strom aus Windkraft leistet bereits heute mit über 40 TWh (Terawattstunden; 1 TWh = 1 Milliarde Kilowattstunden) einen Beitrag von 6,6 Prozent zur deutschen Stromversorgung (2008).
Vorteile von Windenergie
Moderne Windkraftanlagen erreichen heutzutage einen Wirkungsgrad von 50 Prozent und erzeugen bis zu sechs Megawatt – diese Leistung deckt den jährlichen Stromverbrauch von annähernd 5.000 Haushalten! Während die Kosten für Anlagen auf dem Land seit den 1980er Jahren stark gesunken sind, hat sich deren durchschnittliche Leistung (1,9 Megawatt per Anlage/2008) stark erhöht. Die Erzeugungskosten für Strom aus Windenergie liegen derzeit bei fünf bis zwölf Cents pro Kilowattstunde: Sie liegen damit zwar leicht bis deutlich über Strom aus Kohle- und Atomkraftwerken, allerdings berücksichtigen diese Stromerzeugungskosten keine externen Kosten (zum Beispiel durch Umweltschäden). Zudem ist mit einer Verteuerung fossiler Energieträger zu rechnen.
Windkraft stellt somit eine ökonomische Variante der Stromerzeugung dar – mit großen ökologischen Vorteilen: Der Energieaufwand für Herstellung, Betrieb und Entsorgung amortisiert sich in nur drei bis sieben Monaten. Und bei einer Lebensdauer von 20 Jahren spart eine einzige Windkraftanlage (1,5 Megawatt) bis zu 64.000 Tonnen an Kohlendioxid-Emissionen und 80.000 Tonnen Braunkohle.
Nachteile von Windenergie
Nachteilig wirken sich Geräuschemissionen sowie negative Einflüsse auf Tierwelt und Landschaftsbild aus. Technische Weiterentwicklungen haben den Lärmpegel moderner Anlagen in den letzten Jahren allerdings stark verringert, und der vorgeschriebene Mindestabstand von 500 Metern gewährleistet, dass Geräuschemissionen in menschlichen Siedlungen nicht hörbar sind. Vögel weichen den Windenergieanlagen im Allgemeinen aus, für einzelne Vogel- (zum Beispiel Rotmilan) und Fledermausarten besteht jedoch eine erhöhte Gefahr der Kollision. Um diese möglichst gering zu halten, werden Baugenehmigungen in der Regel nur abseits von Zugrouten und Vogelschutzgebieten erteilt.
Zu guter Letzt sehen viele Menschen in Windkraftanlagen eine Verschandelung des Landschaftsbildes. Dieses offensichtliche Problem kann nur teilweise gelöst werden, beispielsweise durch den Schutz naturnaher Landschaften, durch Offshore-Anlagen und Repowering. Generell gilt es jedoch, den großen ökologischen Vorteil von Windkraftanlagen gegenüber konventionellen Kraftwerken und Energieträgern mit weitaus negativeren Folgen für die Natur abzuwägen.
Offshore – Windenergieanlagen auf dem Meer
Eine von Ländern wie Dänemark und Großbritannien bereits intensiv genutzte und zukunftsweisende Möglichkeit, den Einfluss auf das Landschaftsbild zu reduzieren und neue Flächen zu erschließen, besteht in dem Bau großer Anlagen auf dem Meer. Diese so genannten Offshore-Windparks sind zwar kostenintensiver, erzeugen durch höhere Windgeschwindigkeiten auf offener See aber auch um bis zu 40 Prozent mehr Strom. Bis zur endgültigen Erforschung möglicher Auswirkungen auf das Ökosystem Meer werden Anlagen nur vereinzelt genehmigt. Für künftige Projekte stehen jedoch bereits 700 Quadratkilometer unter ökologischen und wirtschaftlichen Aspekten ausgewählte Gebiete in der Nord- und Ostsee zur Verfügung.
Potential der Windkraft – Offshore und Repowering
Das Potential der Windkraft ist beträchtlich. Allein durch Offshore-Windparks kann in nicht allzu ferner Zukunft eine Stromleistung von 85-100 Terawattstunden generiert werden – dies entspräche etwa 15 Prozent des momentanen deutschen Stromverbrauchs. Auf dem Land hingegen sinkt das Angebot verfügbarer Flächen: Hier bietet es sich an, alte Anlagen durch weniger, aber deutlich effizientere Großanlagen zu ersetzen. Der Einsatz moderner Windenergieanlagen ermöglicht nicht nur eine höhere Leistung, sondern bewirkt gegenüber vielen kleinen Anlagen auch eine positive Veränderung bezüglich des Landschaftsbildes. Was bedeutet dies für die Zukunft? Nun, bei einem engagierten Ausbau könnte die Stromerzeugung durch Windkraft der Leitstudie des Bundesumweltministeriums (2008) zufolge im Jahr 2050 an die 230 Terawattstunden betragen – eine Leistung, die ein Drittel der momentanen Bruttostromerzeugung durch eine einzige der regenerativen Energien gewährleisten würde.
Windenergie und nachhaltige Strategien
Der Umstieg auf regenerative Energien ist ein erstrebenswerter Ansatz zur Lösung unserer ökologischen Probleme, greift für sich alleine genommen jedoch zu kurz. Prinzipiell bedarf es dem Zusammenspiel der drei Strategien Konsistenz, Effizienz und Suffizienz – der Entwicklung naturnaher Technologien und Verfahren, der Effizienzsteigerung und damit technischen Verbrauchssenkung an Energie sowie der persönlichen Einschränkung. Auf vielerlei Dinge kann ohne Einschränkung der Lebensqualität verzichtet werden, und oft ist weniger sogar mehr.
Die Frage nach den wirklichen Kosten (Energie, Ressourcen, Gerechtigkeit) eines Produkts und seinem eigentlichen Wert für die eigene Existenz gewinnt somit zunehmend an Bedeutung. Denn in der Kombination von persönlichem Engagement durch strategischen Konsum und staatlichem Reglement in Form von Rahmenbedingungen und internationalen Übereinkommen liegt der Schlüssel zu einer lebenswerten Zukunft – für jetzige und kommende Generationen, für alle Lebewesen. Die Windkraft verleiht dieser Vision Flügel.
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Quellen:
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (Hrsg.): Erneuerbare Energien. Innovationen für eine nachhaltige Energiezukunft. Berlin 2009.
Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie (Hrsg.): Fair Future. Begrenzte Ressourcen und globale Gerechtigkeit. Verlag Ch. Beck, 2005. Taschenbuch, 278 Seiten. Euro 19,90.
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