
- Engagiert sich für den Boxsport - Stefan Käser
Stefan Käser, Präsident der Kommission für Light-Contact Boxing und Ausbildungsverantwortlicher beim Schweizerischen Boxverband SwissBoxing, im Gespräch mit Suite101 über die Sportart Leichtkontaktboxen und ihre Ausbreitung in Europa.
Warum soll ein Kind, ein Jugendlicher oder ein Erwachsener leichtkontaktboxen?
Stefan Käser: Leichtkontaktboxen ermöglicht ein Eintauchen in die faszinierende Welt des Boxsports, ohne dabei harte Schläge einstecken zu müssen. Dadurch können die Teilnehmer vom umfassenden Konditionstraining profitieren, gleichzeitig ihr Durchsetzungsvermögen verbessern und ihre Emotionen zu kontrollieren lernen.
Für wen eignet sich Light-Contact Boxing speziell?
Käser: In erster Linie für Leute, welche Spass am sportlichen Zweikampf und an einem schweisstreibenden Training haben, und denen beispielsweise Zeit oder Erfahrung fehlen, um sich fürs Olympische Boxen vorzubereiten. Viele wollen keine harten Schläge einstecken oder austeilen. Häufig erlauben Eltern ihren Kindern nicht, Olympisches Boxen wettkampfmässig zu betreiben. Andere wiederum können sich nicht leisten, am Tag danach mit einem blauen Auge im Büro zu erscheinen. Zudem wird eine Boxerkarriere üblicherweise mit 34 Jahren beendet, die Lust weiterhin an Wettkämpfen teilzunehmen, ist aber noch vorhanden. Light-Contact Boxing kommt all diesen Bedürfnissen entgegen.
Sind Eltern eher bereit, ihre Sprösslinge an Leichtkontakt-Kämpfen teilnehmen zu lassen?
Käser: Ja, wir stossen bei Eltern auf eine sehr gute Akzeptanz, bei Turn- und Sporlehrern übrigens auch. In den Schweizer Boxclubs ist die Haltung ambivalent: Da wird Leichtkontaktboxen teilweise belächelt, teilweise begeistert betrieben. Einigen Vereinen fehlen die Trainer und Trainingsmöglichkeiten, um eine Sparte Light-Contact Boxing sowie ein oder zwei zusätzliche Jugendtrainings anzubieten.
Wo wird Light-Contact Boxing angeboten?
Käser: Stark verbreitet ist "Boxe éducative" in Frankreich, wo 14.000 lizenzierte Boxerinnen und Boxer an Verbands-, Schul- und Unimeisterschaften teilnehmen. Leichtkontakt-Versionen gibt es auch in Italien und Schweden. In der Schweiz haben wir zur Zeit 70 Lizenzierte in zehn Vereinen, vor allem in Basel, Sissach, Frenkendorf und Biel. Doch so langsam regt sich auch das Interesse in den Boxclubs Zürich, Luzern, Genf und Goldach (St. Gallen).
Wird für Leichtkontaktboxer eine Meisterschaft organisiert?
Käser: Eine Schweizer Meisterschaft gibt es noch nicht, weil diese aufgrund der geringen Teilnehmerzahl nicht wirklich aussagekräftig wäre. Jährlich finden aber mehrere Turniere statt. 2011 lancieren wir den Light-Contact-Cup: Die Boxer sammeln Punkte aus fünf bis sechs Turnieren, die verteilt über das Jahr stattfinden. Das wird der Leistung und dem Engagement der Teilnehmer besser gerecht und wirkt motivierend.
Was ist Ihre Vision für diese Box-Disziplin?
Käser: Light-Contact Boxing soll sich weiter verbreiten und für Jugendliche eine Alternative zum Olympischen Boxen bieten. Für junge Menschen ist ausserdem wichtig, dass hochwertige Meisterschaften stattfinden. Mein Wunsch ist, dass Leichtkontaktboxen bei "Jugend+Sport" (Schweizerisches Bundesamt für Sport) im Programm aufgenommen wird, denn dadurch erhöht sich die Akzeptanz an den Schulen und bei den Lehrkräften. Schliesslich soll Light-Contact Boxing Teil der Sportlehrerausbildung und des Schulsports werden.
Turnieragenda 2010
20.11.2010: BC Sissach und NAB Frenkendorf
18.12.2010: BC Basel
Weitere Informationen zum Thema:
Light-Contact Boxing - aggressionsfreies Boxen
