Wirbel um Medikamentenverschreibung in Salzburg

Bei gleichwertigen Arzneien sind die kostengünstigsten zu verordnen

Die Pharmig hat eine Informations-Offentsive gegen die Spar-Vereinbarung bei Medikamenten in Salzburg gestartet, von Seiten der Salzburger Ärztekammer wird sie verteidigt

„Salzburger Vereinbarung zur Medikamentenverschreibung ist gestoppt“ – titelte Ende 2009 sinngemäß die Interessensvertretung der Pharmabranche (Pharmig) in einer Aussendung. Die Salzburger Gebietskrankenkasse dementierte dies umgehend: „Die Vereinbarung sei unverändert aufrecht und trete am 1. Jänner 2010 in Kraft“ – hieß es von Seiten der Pressestelle. Zur Hintergrundinfo: Der umstrittene Vertrag zwischen Salzburger Ärztekammer und Gebietskrankenkasse schreibt fest, dass „der Arzt verpflichtet ist, jenes gleichwertige Medikament aus dem Erstattungskodex zu verordnen, das in Gesamtbetrachtung der medikamentösen Therapie als das kostengünstigste Medikament aufscheint“ (Zitat Vertragstext).

Zwei-Klassen-Medizin vertagt?

Als „Arbeitsbehelf“ für die Kollegen diente vorerst eine Liste, gemäß der – und das ist der eigentliche Stein des Anstoßes - 30 Prozent aller laut Erstattungskodex (EKO) des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger frei verschreibbaren Medikamente nicht verschrieben werden sollen. Dies brachte den Salzburgern viel Kritik - auch von Seiten anderer Ärztekammern, insbesondere der Wiener - ein. Der Arbeitsbehelf als Hilfsmittel sollte ab 1.1.2010 laut Salzburger Gebietskrankenkasse durch das Ökotool ersetzt werden. „Das entscheidende Kriterium, ob die Kasse ein Medikament bezahlt oder nicht, bleibt damit offenbar der Preis“, übte Dr. Jahn Oliver Huber, Generalsekretär der Pharmig, Kritik. Die Pharmig startete deshalb eine Aufklärungsaktion in Salzburg, in der unter anderem auf zahlreichen Plakaten auf die Sparpläne der Gebietskrankenkasse hingewiesen wurde. Die zentrale Frage der Informations-Offensive lautet „Zwei-Klassen-Medizin vertagt?“

Gute und schlechte Medikamente?

„Es geht uns nicht darum - wie von der Salzburger Gebietskrankenkasse behauptet - dass es gute oder schlechte Medikamente gibt, sondern darum dass das passende Medikament für einen Patienten ausgewählt werden muss, das natürlich auch billig sein kann, aber nicht unbedingt immer das billigste sein muss“, erklärte Huber den Hintergrund der „Aufweck“-Kampagne. „Ein ständiger Wechsel zwischen Medikamenten aus rein ökonomischen Gründen ist schlecht für den Behandlungserfolg“, fügte Univ.-Doz. Dr. Ernst Agneter, Facharzt für Pharmakologie, hinzu. Darüber hinaus werde die Bioäqualenz von Generika immer nur im Vergleich vom Originalprodukt zum Generikum nachgewiesen, gab der Experte zu bedenken. Beim Wechsel von Generikum zu Generikum könne sie niedriger, und das könne problematisch sein. „Die in den Erstattungskodex aufgenommen Produkte haben eine strenge klinische und ökonomische Prüfung durch ein Expertengremium des Hauptverband hinter sich“, versteht Agneter nicht, warum die Wahlfreiheit der Ärzte weiter eingeschränkt werden soll. „Mit einer solchen Vereinbarung verlieren wir den Behandlungspluralismus!“

Keine Qualitätsunterschiede zwischen Generika?

Aufgrund der prekären finanziellen Lage der Gebietskrankenkasse in Salzburg seien Einsparungen notwenig gewesen - verteidigte Dr. Josef Lohninger, Obmann der Niedergelassenen Ärzte, den Entschluss seiner Kurie. „Wir sind übereingekommen, dass diese im Medikamentenbereich weniger weh tun, als bei den Leistungen oder der Physiotherapie“, resümierte er. „Bisher wurden wir im Glauben gelassen, dass es keine Qualitätsunterschiede zwischen Generika gäbe, also gibt es eigentlich keinen Grund, bei gleicher Qualität nicht das kostengünstigste Produkt zu verschreiben?!“

Keine Sanktionen für Ärzte!

In eine eingeschränkte Verschreibungsform habe man auch nur Medikamente begeben, für die man dies verantworten konnte – führte Lohninger weiter aus. Chronisch kranke und ältere Patienten seien ausgenommen worden. Es gehe vor allem nur um Erstverschreibungen. „Es sind auch keine Sanktionen vorgesehen, wenn ein Arzt bei einer Erstverschreibung einmal nicht die billigste Arznei auswählt“, so der Vertreter der Niedergelassenen Ärzte Salzburgs. „Wir wollen uns nur das Gesamtverschreibeverhalten der Kollegen ansehen, um in der Folge jene, die sich ums Ökonomische gar nicht kümmern, doch noch zu motivieren!"

Karin Martin, Karin Martin

Karin Martin - ... geboren und aufgewachsen in Wien absovierte ich eben dort mein Romanistik- und Publizistik-Studium. Später zog ich mit meiner ...

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