
- Wird Fliegen wieder teurer? Billigangebote schrumpfen wegen Luftverkehrsabgabe. - Fomento
Noch sind die Low-Cost-Flieger aus Irland und England in Deutschland unterwegs. Allerdings wird die Lage für die von preiswerten Wald- und Wiesenflughäfen startenden Billigflieger wie Ryanair oder Easyjet zunehmend schwieriger. Die Kosten für jeden Start und jede Landung sind seit diesem Jahr in die Höhe geschossen. Grund: Eine sogenannte Luftverkehrsabgabe, die das Finanzministerium für Deutschland seit Januar 2011 eingeführt hatte. Für Abflüge von deutschen Flughäfen kostet die nach Entfernungsstufen gestaffelte Luftverkehrssteuer von 8 Euro (Europa), bis 25 (2.500 – 6.000 km) bzw. 45 Euro (> 6.000 km). Nach einem Bericht in der Druckausgabe der Süddeutschen Zeitung vom 10. Oktober 2011 plant die Bundesregierung zwar diese Sätze zu senken, doch die Abgabe belastet immer noch die Billiganbieter enorm. Somit können diese ihre günstigen Tarife nicht mehr halten.
Dagegen profitiert die Lufthansa vom Wegfall der billigen Konkurrenz und gewinnt wieder vermehrt Passagiere. Deshalb war die Erhebung der Abgabe von Anfang an umstritten. Air Berlin hatte der Bundesregierung vorgeworfen, sowohl Lufthansa als auch deutsche Luftdrehkreuze wie München und Frankfurt zu bevorzugen. Tatsächlich leiden vor allem die kleinen Flughäfen wie Berlin Schönefeld unter einem Rückgang an Passagierzahlen. Air Berlin spürt bereits den Gegenwind und fliegt auf Sparkurs. Im September diesen Jahres wurde die Flotte verkleinert, denn die Fluggesellschaft ist wegen seiner vielen innerdeutschen Verbindungen von der Luftverkehrsabgabe besonders betroffen.
Ryanair und Easyjet wollen erhöhte Abgaben nicht zahlen und fahren Angebote zurück
Nun haben sich die Fluggesellschaften und Flughäfen intern auf einen Kompromiss geeinigt, wonach die vom Fiskus veranschlagten Beiträge um 1,50 Euro abgesenkt werden sollen. Doch der Schaden ist bereits angerichtet - die Folge ist der weitere Rückzug von Fluggesellschaften wie Ryanair und Easyjet, die ihre Angebote in Deutschland zurückfahren.
Nach Einschätzung des Flughafenverbandes ADV (Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflieger) hat eben besonders das Billigflugsegment zwischen Januar und August 2011 wegen der höheren Ausgaben gelitten. Der Verkehr schrumpfte im Low-Cost-Segment um 0,8 Prozent, innerdeutsch ging die Nachfrage um 22,6 Prozent zurück. Denn die Verkehrssteuer wird pro Start und Landung erhoben. Deshalb unterhält Ryanair im Gegensatz zu seinem viel breiter gefächerten Angebot in Ländern wie Spanien oder Frankreich kaum deutsche Inlandsflüge. Die Maschinen, die Richtung Deutschland aus Spanien fliegen, werden meist auch in Spanien gewartet und geparkt - deutsche Flughäfen werden nur als Zwischenstopp genutzt.
Das Wachstum im deutschen Luftverkehr werde durch die Luftverkehrssteuer spürbar gebremst, heißt es in einer Einschätzung der ADV. Insgesamt 5 Millionen Passagiere sollen 2011 auf die Preiserhöhung reagiert haben und nicht geflogen sein. Besonders stark sind die Zahlen in Berlins künftigem Großflughafen Schönefeld zurükgegangen. Gegenüber Tegel, wo viele Geschäftsflüge abgewickelt werden und die Nachfrage im gleichen Zeitraum um 14,8 Prozent stieg, fiel die Zahl der Reisenden in Schönefeld um 1,1 Prozent.
Ryanair schrumpft Flugplan immer weiter ein
Bereits in diesem Jahr hat der irische Billigflieger Ryanair sein Angebot in Deutschland erheblich eingeschränkt. Wer etwa von Berlin nach Alicante will, muss sich ab November andere Fluggesellschaften suchen. Dann wird der ohnehin schon eingestampfte Flugplan bei Ryanair noch einmal ausgedünnt. Im März 2011 hatte Ryanair den ehemaligen Militärflughafen Cochstedt bei Magdeburg ins Streckennetz genommen und gleich vier beliebte spanische Flugziele angesteuert. Alicante, Barcelona, Malaga und sogar Gran Canaria konnten hier zwei Mal in der Woche für unter 50 Euro pro Flug erreicht werden. Für Berliner, die nach Spanien wollen, ist das Angebot eine günstige Alternative zu den viel teureren Hauptstadtflügen. Die vermeintlichen Billigflieger Easyjet und Air Berlin hatten da nämlich schon im Sommerplan deutlich zugelangt: Ein Flug von Schönefeld nach Barcelona kostete mit Easyjet zur Hochsaison zwischen 120 und 300 Euro. Auch Branchenriese Air Berlin gehört längst nicht mehr zu den Schnäppchenfliegern: Ein Flug von Tegel nach Malaga schlägt auch im Oktober noch mit bis zu 100 Euro zu Buche.
Preisvergleich der drei Billigflieger von Berlin nach Málaga, Spanien (Ende Oktober 2011):
- Easyjet, 31.10., 91,99 Euro
- Air Berlin, 30.10, 82,99 Euro
- Ryanair, 28.10., 34,99 Euro*
*Die Preise unterliegen Tagesschwankungen und steigen in der Regel, je näher der Flugtag rückt.
Im November sinken zwar die Flugpreise zumindest für das Flugziel Spanien von Berlin aus wieder erheblich. Dafür fliegt Ryanair aber ab 30. Oktober 2011 im Winterflugplan nicht mehr von Schönefeld. Auch Magdeburg-Cochstedt mit seinen spanischen Flugzielen Malaga, Alicante, Mallorca und Gran Canaria wird eingemottet. Easyjet hält die Strecke Berlin - Malaga hingegen weiter im Angebot. Derzeit sinken die Preise auf bis zu 28 Euro und steigen ab Mitte Dezember wegen Weihnachten wieder stark an. Air Berlin liegt auch im November noch weit über der 100-Euro-Marke.
Für den Flughafen Cochstedt hat Low-Cost-Flieger Ryanair mit seinen nicht zu unterbietenden Dumpingpreisen noch nicht für das Frühjahr 2012 verlängert. Es bleibt ungewiss, ob die Verbindungen nach Spanien überhaupt wieder aufgenommen werden. Offenbar zögert die Fluglinie noch, sich auf den Kostenanstieg auf dem deutschen Flugmarkt einzulassen. Stattdessen wurden neue Verbindungen in Polen aufgebaut: Rzeszów, Krakau, Gdansk, Katowice, Szeczin (Stettin) oder Poznan wurden um weitere Flugverbindungen quer durch Europa erweitert.
Polnische Flughäfen profitieren - Deutsche Regionalflughäfen mit Standortnachteil
Ryanair spürt bereits jetzt einen Zuwachs an Passagieren, die in grenznahen Städten einchecken. Ausländische Airports profitieren also von der in Deutschland erhobenen Luftverkehrsabgabe. Für Berliner wäre als Alternative zu Schönefeld wohl nur der polnische Billigflughafen in Stettin (150 km) interessant. Von hier gehen allerdings nur Flüge in den Norden - nach Dublin, London und Liverpool. Dafür sind die Tickets im absoluten Tiefpreissegment zu finden: Am 1. November 2011 kostet ein Flug von Stettin nach London Stansted 17 Euro.
Aus Sicht der ADV verlieren deutsche Flughäfen ihren Standortvorteil an die Nachbarländer, wo die Gebühren nicht erhoben werden. Das gilt besonders für Regionalflughäfen, von wo die Billigflieger meistens starten. Das Bundesfinanziministerium will mit der Luftverkehrsabgabe im Jahr rund 1 Milliarde Euro in den Bundeshaushalt spülen.
Quellen:
- Ryanair.com
- Air Berlin.de
- Easyjet.de
- Süddeutsche Zeitung: Luftverkehrssteuer vertreibt Billiganbieter, 10. Oktober 2011
- ADV
