Wirtschaftliche Freiheit global verglichen

Was sagt der „Economic Freedom of the World Index“ aus

Wieviel wirtschaftliche Freiheit steckt in einem Land, welche Variablen sind entscheidend und wie schneidet Deutschland im Vergleich zum Rest der Welt ab?

"Deutschland fällt hinter Panama zurück," hieß es in einer Pressemitteilung. Gemeint ist hier nicht etwa die Weltrangliste der Fußballnationalmannschaften. Nein, hier ist die Rede von der Rangliste des „Economic Freedom of the World Report“. Dieser wurde im September 2009 durch die Friedrich-Naumann-Stiftung in Potsdam veröffentlicht. Mit diesem Index werden 141 Länder mittels ihrer wirtschaftlichen Freiheitsgrade verglichen. Bedeutend sind hier die Freiheiten bei Austauschbeziehungen, Handlungsfreiheit der Individuen, Wettbewerbsfreiheit und die Sicherheit des Privateigentums. Der „Economic Freedom Index“ (EF-Index) setzt sich aus 42 Maßzahlen zusammen und soll der Beurteilung von wirtschaftlicher Freiheit im wirtschaftlichen Leben im internationalen Vergleich dienen.

Berechung des Economic-Freedom-Index

Die wirtschaftliche Freiheit wird an fünf Teilbereichen gemessen. Diese sind erstens der Umfang der Staatstätigkeit, mit der Höhe der Staatsausgaben, dem Umfang der Transferzahlungen und Subventionen, dem Maß der Steuerbelastung und dem Eingriff des Staates als Unternehmer. Einen zweiten Teil des EF-Index stellt ein stabiles Geldsystem dar, hier sind die Inflation, die Geldwertstabilität und die Freiheit des Devisenverkehrs von Bedeutung. Im dritten Teilbereich wird das Rechtssystem zum Schutz des Privateigentums betrachtet. Darunter fallen eine unabhängige Gerichtsbarkeit, das Vertragsrecht im Zusammenhang mit der Vertragsfreiheit und allgemein der Schutz des Privateigentums. Im vierten Abschnitt wird das Augenmerk auf die Regulierung des Arbeits- und Finanzmarktes gelegt sowie auf die Regulierung der Unternehmen. Der letzte Teilbereich fällt dem Freihandel zu, hier analysiert man Zollschranken zwischen den Staaten, die Freiheit des internationalen Kapitalverkehrs und nichtmonetäre Handelsbeschränkungen.

Diese fünf Sektoren der Freiheitsbemessung mit ihren 42 Variablen werden addiert, wobei die Maximalpunktzahl einer Nation bei 10,0 Punkten liegen kann, das Minimum bei 0,00 Punkten. Für jedes Land werden diese 42 Bestandteile des EF-Index ermittelt und in einem Ranking veröffentlicht, um dann die Entwicklung jedes Staates in Bezug auf die wirtschaftliche Freiheit zu vergleichen.

Erstmals erhoben wurde der „Economic Freedom of the World Report“ vom kanadischen Fraser Institute im Jahr 1975 und wird seitdem jährlich durchgeführt. Forschungsinstitute aus 52 Ländern wirkten an seiner Entwicklung mit, die sich zum Economic Freedom Network zusammenschlossen. Die Daten, die die Friedrich-Neumann-Stiftung 2009 bereitgestellt hat, beziehen sich auf das Jahr 2007. Somit verknüpft der Index immer die wirtschaftlichen Freiheitswerte von zwei Jahren vor der Veröffentlichung. Die Friedrich-Naumann-Stiftung ihrerseits ist eine parteinahe Stiftung der FDP, die nach dem liberalen Politiker Friedrich Naumann (1860 - 1919) benannt und deren Vorstandsvorsitzender seit 2006 Wolfgang Gerhardt ist.

Aktuelle internationale Werte der wirtschaftlichen Freiheit – wie steht es um Deutschland?

Angeführt wird der Index von Hongkong, mit 8,97 Punkten, Rang zwei geht an Singapur (8,66), vor Neuseeland (8,30), der Schweiz (8,19), Chile mit 8,14 und den USA (8,06). Deutschland erlangt 7,50 Freiheitspunkte und landet auf einem 27. Platz, somit rutscht die Bundesrepublik im Vergleich zum Vorjahr um 0,16 Punkte gleich zehn Plätze abwärts. Deutschland befindet sich zwischen der Slowakei (7,52) und El Salvador (7,48). Die geringste wirtschaftliche Freiheit wird Ländern des afrikanischen Kontinents eingeräumt. Auf Angola (4,04) folgen Myanmar (3,69) und Simbabwe (2,89).

Doch nicht nur die Summe der Teilbereiche wird innerhalb des Rankings bewertet, auch die Einzelrubriken gilt es zu betrachten. Sehr dürftig schneidet Deutschland hier bei der Freiheit auf dem Arbeitsmarkt ab und belegt einen bescheidenen 122. Rang. Begründen kann man diesen Platz mit der hohen Quote an Arbeitsmarktregulierungen.

Auch die Steuerlast in unserem Land schneidet in der Gesamtbetrachtung negativ ab, so gehört Deutschland erneut zu den Nationen mit den höchsten Steuerquoten. Auch Investoren und Sparer werden in Deutschland freiheitlich unter dem Mittelwert der EU eingeschränkt. Herausragend sind dagegen jedoch die Bereiche rund um das Rechtssystem und den Schutz des Eigentums mit 8,5 Zählern und die Währungspolitik mit 9,5.

Allgemeiner geschichtlicher Trend des EF-Index

1980 lag der Mittelwert der wirtschaftlichen Freiheit bei 5,5 Punkten. Seitdem ist er stetig gestiegen auf 6,7 Zählerpunkte im Jahr 2007. Das ist auf den Niedergang kommunistischer Diktaturen, die wirtschaftliche Öffnung und den Zugewinn wirtschaftlicher Freiheiten in Schwellenländer zurückzuführen. Seit der Jahrtausendwende ist der EF-Index in den OECD-Ländern nahezu konstant geblieben. Deutschland liegt mit 7,5 über dem Durchschnitt aller Staaten (6,7), aber unter den Werten der Top-10-Länder (8,2).

Kritik am EF-Index

Wie jede Maßzahl findet auch dieser Index nicht nur Fürsprecher. Kritisiert wird die Verzögerung von zwei Jahren, mit denen die Daten bereitgestellt werden und die begrenzte Aussagekraft der Daten. Länder etwa, die einen Zugewinn von 2,5 Punkten haben, stehen im Vergleich zu 1980 deutlich besser da, starteten aber eventuell mit einem geringen Stand, sodass ein solch Anstieg nicht zur Überinterpretation einladen soll. Das Land mit dieser enormen Steigerung kann trotzdem unterhalb des Durchschnittes liegen und somit freiheitlich nach wie vor benachteiligt sein.

Weiterhin fraglich ist, ob Variablen wie die Inflation, die Geldwertstabilität, Transferzahlungen oder Eingriffe des Staates als Unternehmer wirklich die wirtschaftliche Freiheit einschränken. Denn nicht jede Staatsaktivität bringt eine Restriktion der Freiheit mit sich. Hier muss analysiert werden, wie sehr Handlungen des Staates die Wirtschaftsteilnehmer einengen oder wie groß die Wohlfahrt einer Volkswirtschaft ist.

Sabine Kathe, Sabine Kathe

Sabine Kathe - Seit 1999 bin ich journalistisch tätig und arbeite vorrangig für eine Tageszeitung in Thüringen. Gerade habe ich mein ...

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