Kein Zweifel: Oliver Massmann ist einer der erfolgreichsten deutschen Wirtschaftsjuristen in Südostasien und verfügt über weitreichende Intimkenntnisse der Situation in der Region. Als Generaldirektor von Duane Morris Vietnam LLC mit Sitz in Hanoi versucht er zahlungskräftige internationale Investoren für die Chancen in den aufstrebenden Märkten zu begeistern und berät sie bei der Durchführung ihrer Projekte.

Dass der Deutsche überhaupt nach Vietnam gegangen ist und das Land zu seiner Wahlheimat gemacht hat, gleicht einem Zufall. Weil seine Familie den jungen Vietnamesen Khoan bei sich aufgenommen und ihm seine Schul- und Berufsausbildung ermöglicht hatte, gab es von dessen Eltern als Dankeschön eine persönliche Einladung nach Vietnam. Stellvertretend für die Familie Massmann nahm Sohn Oliver diese an und machte sich wenig später auf den Weg.

Schon beim ersten Besuch steht für ihn fest: Ja, ich will in Vietnam bleiben!

Im Vietnam der neunziger Jahre ist noch nichts von der Aufbruchstimmung zu spüren, die das Land wenig später erfassen und verändern wird. Alles ist noch beschaulich, obgleich bereits jetzt die Metropolen Saigon (HCMC) und Hanoi mit ihren über zehn Millionen Einwohnern übervölkert und in steter Aufruhr sind.

Dem jungen Mann aus Deutschland gefallen die hektische Atmosphäre, die Kultur und der vietnamesische Lebensstil. Er mag die Menschen und die Menschen hier mögen ihn. Also bleibt er. Anstatt, wie vorgesehen, in der Heimat weiter Jura zu studieren, schreibt sich Oliver Massmann an der Universität Hanoi ein, studiert die vietnamesische Sprache, besucht Seminare und Vorlesungen, meistert alle Prüfungen und besteht das Examen. Nun ist er auf Jahre hinaus einer der ganz wenigen Ausländer, die perfekt Vietnamesisch sprechen, schreiben und lesen können.

Studium und Arbeit, Deutschland und Vietnam - Oliver Massmann schafft den Spagat zwischen den Kulturen

Schnell wird man in Vietnam auf Oliver Massmann aufmerksam. Eine amerikanische Kanzlei bietet ihm einen Job an. Er studiert nebenbei noch weiter, absolviert in Deutschland sein zweites Staatsexamen.

Als sein Arbeitgeber ihn in Vietnam mit Großprojekten betraut, managt er diese erfolgreich und erlangt so internationale Aufmerksamkeit.

Es dauert nicht lange, da wird auch die Regierung in Hanoi auf den jungen Anwalt aufmerksam und bittet ihn um seinen Rat in Wirtschaftsfragen. Oliver Massmann greift zu, entwickelt sich immer mehr zum Fürsprecher des Landes und genießt wachsendes Ansehen. Nach den Gründen seines Erfolges gefragt, antwortet er: "Mir hat es sehr geholfen, dass ich Vietnamesisch spreche." Sicher ist jedoch, dass sein gutes Gespür für die Kommunikation zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen und seine ausgeprägte soziale Kompetenz mit dazu beigetragen haben.

Sein Rat wird international geschätzt - auch vom amerikanischen Fachmagazin The Economist

Inzwischen hat er die Kanzlei gewechselt und leitet als Generaldirektor von Duane Morris Vietnam LLC, einer international erfolgreichen Wirtschaftskanzlei, die Dependance in Hanoi. Zudem hat er zahlreiche Verpflichtungen in unterschiedlichen ehrenamtlichen Funktionen übernommen.

Wenig verwunderlich ist es, dass man seine Einschätzung der ökonomischen Lage in Fernost international schätzt. Gerade erst fragte ihn das amerikanische Fachmagazin The Economist, ob Vietnam tatsächlich bald "from hero to zero" fallen werde, das Ende des Aufschwungs also in Sicht sei. Massmann meint, das Land stehe in der Tat am Scheideweg. Sollte es sich noch mehr dem Westen öffnen, habe Vietnam gute Chancen, auf absehbare Zeit weiter vom Wirtschaftswachstum und seinen Möglichkeiten zu profitieren. Geschehe das nicht, dürften die Chancen hingegen schwinden.

Doch die Regierung unternimmt alles, um das Land noch interessanter für finanzielle Unterstützung und die Ansiedlung internationaler Unternehmen zu machen, ändert Gesetze dahingehend und will "Doi Moi" ("Reformierung") mit allen Mitteln vorantreiben.

Erfolgreiches Bemühen: Inzwischen haben sich 150 deutsche Unternehmen zur GBA Vietnam zusammengeschlossen

Immer mehr Unternehmen zieht es nach Vietnam. Allein in der GBA Vietnam ("German Business Association") haben sich 150 deutsche Unternehmen verbunden, unter ihnen solche Weltkonzerne wie Beiersdorf, Bayer, BASF, Boehringer Ingelheim, BMW, Hapag-Lloyd, Mercedes-Benz, Metro, Schaeffler, ThyssenKrupp, Wacker Chemicals, wie auch die Deutsche Bank und die KfW. Zudem fördern EU und UNO ebenso wie die Bundesregierung seit Jahren Großprojekte zum Aufbau des Landes.

Zu Hause wird ein Mix aus Vietnamesisch, Englisch und Deutsch gesprochen

Angesichts solcher Aufgabenvielfalt bleibt nur wenig Zeit fürs Privatleben. Seine Familie weiß und kennt das und genießt daher doppelt die wenigen Stunden zu viert. Ob Vater Massmann in den Sommerferien - sie beginnen in Vietnam offiziell am 27. Juni - mit seiner Frau und den beiden Kindern ausgiebig Urlaub machen wird, ist nicht bekannt. Verraten hat er im Interview mit Suite 101 aber bereits, im Winter endlich, nach fünf Jahren, erstmals wieder zu einem Skiurlaub nach Europa fliegen zu wollen.

Zweifellos werden sich seine Kinder hier gut verständigen können. Denn im Hause Massmann in Hanoi wird ein bunter Mix aus Vietnamesisch, Englsich und Deutsch gesprochen.