
- Mythen und Halbwahrheiten über Wein - (c) Gerd Altmann/pixelio.de
In vino veritas – im Wein liegt die Wahrheit, stellte einst ein griechischer Lyriker fest. Wein galt bereits in der Antike als ganz besonderer Trunk: Man verwendete ihn für Zeremonien, als Heil- und Rauschmittel, als Kraftspender und Speisenbegleiter. Diese herausragende Bedeutung behielt der Rebensaft über die Jahrhunderte bei. In der christlichen Lehre symbolisiert Wein das Blut Christi, und nach wie vor schreibt man einem maßvollen Weinkonsum positive Effekte auf die Gesundheit zu. Wein gilt darüber hinaus seit jeher als das Getränk der Philosophen und Dichter, das Muse und Inspiration spendet. Im Wein liegt Wahrheit. Rund um das facettenreiche Thema Wein halten sich jedoch erstaunlich viele Mythen und Irrtümer. Zeit also, etwas aufzuräumen im Weinkeller.
Wissen über Wein – Bier auf Wein, das lass sein?
Die Suche nach der Wahrheit ist mitunter schmerzhaft und verursacht Kopfzerbrechen. Nicht anders ergeht es einem mit dem Weingenuss. Manchem, der am Vortag zu tief ins Glas geschaut hat, ist allerdings jeder Strohhalm recht, den Brummschädel zu erklären. Besonders häufig macht man den Verstoß gegen altehrwürdige Trinkregeln für alkoholbedingten Kopfschmerz verantwortlich. Einer der bekanntesten dieser Merksätze zur Katervermeidung lautet "Bier auf Wein, dass lass sein". Diese Weisheit kann man allerdings getrost vergessen – sie gehört ins Reich der Mythen und entbehrt jeder medizinischen Grundlage.
Entstanden ist sie vermutlich im 19. Jahrhundert: Damals war Bier das Getränk der Massen, Wein dagegen teuer und den besseren Schichten vorbehalten. Deshalb sollte man das Bukett des edlen Rebensafts nicht mit dem als unfein geltenden Bier in Kontakt bringen. Eine Frage des Geschmacks also, und zugleich soziale Abgrenzung auf der gustatorischen Ebene. Aber auch ein anderer Gesichtspunkt könnte eine Rolle spielen: An Abenden, an denen Bier und Wein in Strömen fließen, wird leicht das Maß überschritten. Und wie einst Paracelsus sagte: Allein die Menge macht das Gift – und in diesem Fall die Kopfschmerzen.
Weinstein – kein Qualitätskriterium für guten Wein
Auf der Suche nach dem Stein der Weisen mag manch Schoppen geleert worden sein. Der Weinstein dagegen wird oft als Zeichen mangelnder oder überragender Qualität gedeutet. In Wahrheit ist er jedoch weder Edelstein noch Grenzstein zwischen Haltbarkeit und Verfall – sondern schlicht ein Salz. Dieses Kaliumtartrat ist eine Verbindung aus Kalium und dem Salz der Weinsäure und setzt sich an den Fasswänden oder eben am Flaschenboden ab, vor allem bei kühler Lagerung. Auch wenn mancher felsenfest davon überzeugt ist – Weinstein oder Kaliumtartrat hat keinerlei Auswirkung auf die Qualität des Weins.
Irrtümer um den Rebensaft – Rotwein und Käse
Ein weiterer Irrtum beim Wissen über Wein betrifft die Annahme, zu Käse gehöre allzeit ein guter Roter. Zwar harmonieren viele Käsesorten wie Gouda und Camembert mit Rotwein – zu anderen passt jedoch ein Weißwein weitaus besser. Die meisten Frisch- und Ziegenkäse beispielsweise genießt man idealerweise mit weißem Rebensaft. Eine kleine Hilfestellung kann die Herkunft geben: In der Regel passen Wein und Käse aus derselben Region gut zusammen.
Spätlese – immer süß und schwer?
Eine andere Verallgemeinerung betrifft Spätlesen. Diese sind nach landläufiger Meinung immer süß und schwer. Von wegen: Es gibt auch zahlreiche trockene Spätlesen. Im Grunde ist die Bezeichnung "Spätlese" kein Charakteristikum der Weinsprache, sondern ein Prädikat, das eine bestimmte Oechslezahl (Mostgewicht) und eine späte Ernte vollreifer Trauben vorschreibt – wobei letzteres Kriterium bei den meisten Weinen Standard ist. Eine Spätlese liegt zwischen den Prädikaten Kabinett und Auslese.
Mythen über Wein – Rotwein und Trinktemperatur
Rotwein muss atmen und bei Zimmertemperatur getrunken werden, heißt es. Die Temperaturregel ist allerdings hoffnungslos überholt, da die Zimmertemperatur im auslaufenden fossilen Zeitalter um einige Grad höher liegt als früher. Man darf und sollte einen guten Rotwein daher leicht kühlen – optimal sind ca. 14° (Beaujolais) - 18° (Bordeaux) Celsius. Innerhalb der Spanne gilt folgende Grundregel: Junge und leichte Weine empfiehlt es sich eher kühl, reife und schwere Weine eher höher temperiert zu genießen. Dabei sollte beachtet werden, dass sich die Weintemperatur durch das Einschenken um 1° -2° Celsius erhöht.
Zu guter Letzt eine traurige Wahrheit: Auch die beste Flasche Rotwein nähert sich irgendwann ihrem Ende. Sie hat einen beschwingt, beschwichtigt oder inspiriert. Was tun jedoch, wenn sie zudem ihre Spuren auf der einst blütenweißen Tischdecke hinterlassen hat? Ein Rotweinfleck geht mit Salz weg. Dieses Hausmittel gilt als altbewährt – hält wissenschaftlichen Untersuchungen allerdings nicht stand. Salz kann sogar das Gewebe zerstören. Stattdessen sollte man den Fleck mit einer Serviette abtupfen und anschließend mit Flüssigwaschmittel oder Seife einreiben. Bleibt ein Restfleck, können Essig oder Zitronensäure helfen.
Literaturtipp:
Frank Kämmer: Kleines Lexikon der Wein-Irrtümer. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main, 2006. Euro 14,90.
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