Von Prof. Dr. Mintken

Aktualisiert: 2013-09-20

Die Gliederung wissenschaftlicher Arbeiten folgt nach den Vorgaben des Deutschen Instituts für Normung (DIN) der klassischen Grobstruktur Einleitung, Hauptteil, Schluss. In der Einleitung werden das Ziel und der Kontext der Arbeit konzentriert dargestellt. Der Hauptteil enthält eine theoretisch fundierte Sachstandsanalyse, die Planung und Durchführung der vorgenommenen Untersuchung und die wesentlichen Arbeitsergebnisse. Kennzeichnend für den Schlussteil sind prägnante Zusammenfassungen der erzielten Arbeitsergebnisse und Feststellungen zu weiteren klärungsbedürftigen Fragen.

Professionelle Berichte werden von Fachleuten für Fachleute geschrieben. Daraus folgt, dass im Bericht Fachwörter benutzt werden. Neu eingeführte oder weniger verbreitete Begriffe sind zu definieren. Eingeführte Bezeichnungen sind konsequent in der gleichen Bedeutung zu benutzen, die Verwendung von Synonymen ist zu vermeiden. Anlässe für Berichte sind entweder freie Entscheidungen eines Autors oder entsprechende Aufgaben und Aufträge. Während der Bericht über eine freie Arbeit der Fach-Öffentlichkeit unmittelbar als Zeitschriften-Aufsatz, Buch oder Internet-Artikel zur Verfügung gestellt werden kann, bestimmt bei Auftrags-Arbeiten in der Regel der Auftraggeber die Einzelheiten der Veröffentlichung.

Zur inhaltlichen und formalen Gestaltung von Forschungsberichten geben DIN 1421 und DIN 1422 wichtige Hinweise. Die inhaltliche Gestaltung eines Berichts ist vom Wissenschaftsbereich und vom Berichtsthema abhängig. Während es bei technischen Themen darauf ankommt, den Stand der Technik zutreffend zu ermitteln und geeignete Mess- und Rechenverfahren richtig anzuwenden, stehen außerhalb von Technik und Naturwissenschaft häufig unterschiedliche Konzepte und Theorien im Mittelpunkt einer Untersuchung. Unterschiedliche Sichtweisen und Positionen sind nach den Grundsätzen des wissenschaftlichen Arbeitens fair in die Untersuchung einzubeziehen, wobei insoweit kritisch vorzugehen ist als Widersprüche zwischen den Konzepten sowie innerhalb der Konzepte im Bericht klar zu benennen sind. Soweit es möglich ist, sind die Meinungen, Vorschläge und Argumente aus den verschiedenen Beiträgen in der Fachliteratur sowie die jeweils implizit unterstellten oder explizit benannten Hypothesen mit Daten und Fakten zu konfrontieren.

Meistens lassen sich Ergebnisse einer Untersuchung und deren Verlässlichkeit nur zutreffend beurteilen, wenn man die näheren Umstände der Untersuchung kennt. Die Entstehungsbedingungen einer eigenen Untersuchung sind daher nach sachlichen, zeitlichen, sozialen und regionalen Aspekten differenziert darzustellen. Aus diesem Grund ist es auch besonders wichtig, eigene empirische Erhebungen oder Experimente lückenlos zu dokumentieren.

Ansatz, Untersuchung und Ergebnisse

Der Hauptteil eines Berichts beginnt üblicherweise mit einem Kapitel zur Darstellung des theoretischen Hintergrundes. Hierzu ist eine Sichtung und Analyse der Literatur erforderlich. Die Kriterien für die Auswahl der Literatur und die Kriterien für die Literaturauswertung sind zu begründen und zu dokumentieren. Dieses Kapitel nimmt in akademischen Übungs- und Qualifikationsarbeiten einen etwas größeren Umfang ein als in laufenden Forschungsberichten, da in Qualifikationsarbeiten wie einer Bachelorarbeit oder einer Masterarbeit zusätzlich der Nachweis erbracht werden muss, dass der Autor mit den notwendigen Einzelheiten aus seinem Fachgebiet vertraut ist. Als Ergebnis der vorgenommenen Literaturanalyse werden die erkannten Lücken im Wissensbestand deutlich benannt und entsprechende detaillierte Untersuchungsfragen für das weitere empirische oder experimentelle Vorgehen formuliert; bei Entwicklungs- und Konstruktionsaufgaben werden die ermittelten Anforderungen und Grundlagen differenziert dargestellt sowie im weiteren Vorgehen nachweislich berücksichtigt.

Die Brücke zwischen der Literaturanalyse und dem weiteren empirischen, experimentellen oder konstruktiven Vorgehen bildet die begründete Methodenauswahl. Kommen unterschiedliche Methoden in Betracht, wie häufig in den Sozialwissenschaften, ist eine nachvollziehbare Entscheidung zur Methodenwahl erforderlich und zu dokumentieren. Die benutzten Untersuchungsinstrumente sind als Anhang beizufügen oder in sonstiger Weise eindeutig zu bezeichnen wie bei einem standardisierten Test oder einem verbreiteten IT-Programm.

Die ausgewählte Methode wird sodann fehlerfrei angewandt, die Ergebnisse werden stringent ausgewertet und dargestellt, um abschließend eine Rückbindung an die Literaturanalyse vornehmen zu können, durch welche der erzielte Zuwachs im Wissensbestand deutlich wird.

Die erzielten Ergebnisse einer empirischen Erhebung oder von Experimenten sind in Form der Grundauszählung dem Bericht vollständig als Anhang beizufügen, ebenso die vorgenommenen Berechnungen. Für die Darstellung der Ergebnisse im Textteil des Berichts sind die wesentlichen Erkenntnisse nach inhaltlichen Gesichtspunkten zu ordnen. Eine rein mechanische Wiedergabe der erhobenen Daten im Textteil ist nicht nur unübersichtlich, sondern hat wegen der fehlenden Struktur auch keinen zusätzlichen Informationswert. Die bedeutsamen Ergebnisse müssen dagegen in übersichtlicher Form unter Nutzung professionell gestalteter Tabellen und Grafiken in allen Einzelheiten und mit allen nach DIN 55301 nötigen Angaben im Textteil dargestellt werden. Nur so ist eine darauf aufbauende Interpretation lückenlos nachvollziehbar.

In der Diskussion der Ergebnisse ist eine Konzentration auf den wesentlichen Erkenntnisgewinn vorzunehmen. Zu erläutern sind insbesondere die Folgerungen, die aus den erzielten Erkenntnissen gezogen werden können, wie Produkt- oder Leistungsverbesserung, Organisations- oder Verfahrensoptimierung oder Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen.

Allgemein muss in der Ergebnisdarstellung sichergestellt werden, dass der inhaltliche Aufbau konsistent beachtet wird: In der Einleitung angekündigte Darstellungen müssen tatsächlich erfolgen, Schlussfolgerungen müssen anhand der vorangegangenen Darstellungen sowie der erhobenen Daten nachvollziehbar sein.

Ertrag und Perspektiven

Mit dem Schlusskapitel wird die Arbeit abgerundet. Hierzu dienen eine Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse und eine explizite Antwort auf die eingangs gestellten Fragen. Prinzipielle Schlüsse und Empfehlungen können formuliert werden, aber auch offene Fragen. Besonders kritisch zu betrachten ist die Frage der Übertragbarkeit der gewonnenen Ergebnisse auf verschiedene Fallkonstellationen. Vor allem bei akademischen Übungs- und Qualifikationsarbeiten schränken die zumeist begrenzten Untersuchungsmöglichkeiten in der Regel auch den Übertragungsbereich merklich ein.

Literatur- und Quellenhinweise

DIN 1421: 1983-01. Gliederung und Benummerung in Texten

DIN 1422-1: 1983-02: Veröffentlichungen aus Wissenschaft, Technik, Wirtschaft und Verwaltung. Gestaltung von Manuskripten und Typoskripten

DIN 1422-4: 1986-08: Veröffentlichungen aus Wissenschaft, Technik, Wirtschaft und Verwaltung. Gestaltung von Forschungsberichten

DIN 55301: 1978-09: Gestaltung statistischer Tabellen

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