Im berühmten zoologischen Nachschlagewerk „Brehms Tierleben“ werden Möwen als die „Raben der Meere“ bezeichnet. Tiervater Brehm bezog sich mit seiner Bezeichnung auf die Intelligenz und die hervorragenden Flugkünste dieser eleganten und äußerst anpassungsfähigen Vögel. Die sechs Gattungen und über 55 Arten umfassende Familie der Möwen (lateinisch Laridae) ist in ihren unterschiedlichen Ausprägungen an nahezu allen Meeresküsten der Erde anzutreffen, einige Arten auch an Binnengewässern im Landesinneren. Möwen können je nach Art zwischen 30 und 80 Zentimetern groß werden, was in etwa Tauben- bis Adlergröße entspricht. Charakteristisch ist bei den meisten Arten das in Weiß mit Grau oder Schwarz gehaltene Federkleid und die mit Schwimmhäuten verbundenen Vier-Zehen-Füße, bei denen drei Zehen nach vorne zeigen und ein weiterer Kleiner nach hinten. Allen Arten gemeinsam ist außerdem ihr oftmals leicht gebogener kräftiger Schnabel, mit dem sich ihre Nahrung nicht nur gut fangen, sondern auch leicht transportieren lässt. Möwen sind Allesfresser und verfügen über einen nahezu unverwüstlich gestalteten Magen, der es ihnen erlaubt auch halb verschimmelte oder verdorbene Nahrung gefahrlos als Futter für sich zu verwerten. Dank spezieller Salzausscheidungsdrüsen an beiden Seiten ihres Schnabels können Möwen ihren Durst gefahrlos mit Salzwasser stillen. Eine Errungenschaft der Evolution, die den Tieren das Leben an den Küsten erleichtert.

Von der kleinen Zwergmöwe bis zur großen Mantelmöwe

Die mit durchschnittlich 28 Zentimetern Größe kleinste an unseren hiesigen Küsten vorkommende Möwenart ist die Zwergmöwe. Ähnlich wie ihre 38 Zentimeter große Verwandte, die Lachmöwe, besitzt sie einen spitz zulaufenden roten Schnabel und trägt zur Brutzeit im Sommer eine schwarze Haube auf dem Kopf. Anders als bei ihren Verwandten fehlt bei den Zwergmöwen gänzlich der für Lachmöwen charakteristische weiße Ring um die Augen herum. Im Winter haben beide Möwenarten einen fast weißen Kopf mit einigen schwarzen Flecken an den Seiten. Während Zwergmöwen hierzulande fast ausschließlich Gebiete rund um die Ostsee bevölkern, sind Lachmöwen sowohl an Nord- und Ostsee, wie auch an vielen Binnengewässern und sogar in den Städten des Binnenlandes anzutreffen. Die sehr anpassungsfähigen Lachmöwen haben im Laufe der letzten Jahrzehnte in und um die Städte herum neue Nahrungsquellen in Form von Abfällen für sich erschließen können. Auf städtischen Mülldeponien fühlen sie sich inzwischen ebenso zuhause, wie vormals noch bei den Abfallprodukten der Fischindustrie. Hier sind nun wesentlich häufiger die größeren Möwenarten, wie Herings-, Silber- oder die Mantelmöwe anzutreffen. Die Mantelmöwe ist mit 75 Zentimetern Größe die größte Möwenart Mitteleuropas. Im Gegensatz zur Herings- und zur Silbermöwe besitzt eine ausgewachsene Mantelmöwe fast schwarz gefärbte Flügel mit weißen Spitzen. Wie bei Silbermöwen hat der Schnabel eine gelbe Färbung mit einem roten Fleck an den Seiten und die Beine sind fleischfarben. Silbermöwen sind mit etwa 60 Zentimetern Größe nicht nur deutlich kleiner als Mantelmöwen, sondern haben darüber hinaus auch grau-silbern gefärbte Flügel. Dieselbe Färbung besitzen auch die noch etwas kleineren, bis zu 55 Zentimeter großen Heringsmöwen. Allerdings kann man diese deutlich an ihren leuchtend gelb gefärbten Beinen und Füßen von den übrigen großen Möwen unterscheiden. Heringsmöwen leben bis heute fast ausschließlich von den Abfällen der Fischkutter in Nord- und Ostsee. Nahezu allen Möwen gemeinsam ist ihre äußert vielfältige Stimm- und Rufbegabung. Von fast bellenden bis hin zu kreischenden Krächztönen ist nahezu alles vertreten. Besonders die großen Möwen können die unterschiedlichsten Laute hervorbringen und sogar Neue dazu lernen.

Vom Brutfelsen bis ins hohe Alter

Die meisten Möwenarten leben in Brutkolonien auf Felseninseln in den Meeren zusammen und bauen dort ihre Nester dicht an dicht auf dem steinigen Boden. Männchen und Weibchen wechseln sich bei der Brut ab und die Jungen kommen nach etwa vier Wochen zur Welt. Je nach Art können die Tiere zwischen 15 (Lachmöwe) und 30 Jahren (Mantelmöwe) alt werden.