Witzig, weise, wunderbar: Kindergedichte von Juliane Blech

66 Kindergedichte der Hallenser Autorin Juliane Blech sind jetzt unter dem Titel "Manchmal könnte ich ein U-Boot gebrauchen" erschienen. Eine Empfehlung.

Haben Sie schon einmal Quallenquark probiert? Sie verziehen bei dem Gedanken das Gesicht, als hätten Sie in eine Zitrone gebissen? Sie sind am Ende kein Genießer? Denn Quallenquark ist – das weiß jedes Kind oder sollte es wissen – „eine Gaumenfreude, ein Leckerbissen, / wer ihn einmal aß, will ihn niemals missen“. So zu lesen in einem von 66 Kindergedichten, die die hallesche Schriftstellerin Juliane Blech unter dem Titel „Manchmal könnte ich ein U-Boot gebrauchen“ im Hasen-Verlag in Halle veröffentlichte. Zeit wird es auch, dass ihre lyrischen Texte, die sehr gut zum Selbst- und zum Vorlesen geeignet sind, in Buchform erscheinen.

Wer möchte nicht Mitglied sein im Pantherpunkverein?

Zur Freude aller Kinder, die zu diesem Buch greifen, gibt es in den Gedichten nichts, was es nicht gibt. In „Wilde Zeiten“ gründet ein Panther einen Pantherpunkverein, dem sogleich viele wilde Tiere wie Flamingo, Kamel und Marabu beitreten, weil „die es toll fanden Mitglied zu sein, / im großen Pantherpunkverein“. Tierische Gruppenbildung auch im Gedicht „Die Krötencombo“, in der „sieben erdige Kröten“ das Flöten für sich entdecken und es damit zu europäischem Ruhm bringen. Doch mit dem Erfolg stellt sich Langeweile ein, weshalb sie sich aufs „Singen und Schilfrohrstabhochspringen“ verlegen. In „Zwei Wienerwürstchen“ wird vom Fernweh der beiden Dosenbewohner erzählt, das sie über Wien durch halb Europa führt und zuletzt erkennen lässt, wo es am schönsten ist: Denn sie kehren „braungebrannt, müde und voller Glück, / in ihre Würstchendose zurück“. Auch eine Ameise macht sich auf den Weg. Im Text „Glück“ gelangt sie bis Hong Kong, wo sie King Kong im Kino sieht und sich in einen Ameisenmann verliebt. Seither gehen sie zu zweit auf Reisen und „wurden, wen wundert es, / Flugameisen“. Das ist eine Steigerung gegenüber jenen Hamburger Ameisen, die Joachim Ringelnatz beschrieb. Die wollten ja nach Australien. Aber schon in Altona auf der Chaussee taten ihnen bekanntlich die Beine weh: „Und deshalb verzichteten sie weise, / auf den letzten Teil der Reise.“ Juliane Blechs „Der lachende Mann“, der sogar bei Sehnsucht und Schmerzen lacht, ist ein lyrisches Gegenstück zu dem jüngst im Rostocker Hinstorff-Verlag erschienenen, aus nur wenigen Sätzen und mit zarten Buntstiftzeichnungen gestalteten Bilderbuch „Der Mann, der weint“ des Autors Mathias Jeschke und der Illustratorin Wiebke Oeser.

Hier Juliane Blechs Quallenquarkrezept für Genießer

Auch Juliane Blech und Christina Röckl ergänzen sich hervorragend. Letztere hat für die 66 Kindergedichte Buntstift-Illustrationen beigesteuert. Die setzen die Verse aber nicht eins zu eins bildkünstlerisch um, sondern spielen mit einzelnen Motiven aus den Gedichten. An Phantasie stehen die Bilder den fabulierfreudigen Texten Juliane Blechs in nichts nach.

Und falls Sie doch auf dem Geschmack gekommen sind, sei hier zuletzt das Rezept für Juliane Blechs berühmten Quark aus Ostseequallen mitgeteilt: „Die größten, die besten, die platt gepressten, / die dicksten, die mit den Glabberwesten, / die, die glibbern und glitschen wie Götterspeise, / die werden püriert nach alter Weise, / mit Zucker verrührt unter’n Quark geschmiert, / zum Schluss mit Gurkenscheibchen garniert.“ Auch wenn sich so mancher Flüchtigkeitsfehler in die Texte geschmuggelt hat, wird man diesen rundum gelungenen 66 Kindergedichten attestieren müssen, dass sie witzig und weise und wirklich wunderbar sind.

Juliane Blech: Manchmal könnte ich ein U-Boot gebrauchen. 66 Gedichte für Kinder. Illustrationen von Christina Röckl. Hasen-Verlag, Halle 2011. 60 S., br., 12,95 €.

Kai Agthe, Barbara Braun (Berlin)

Kai Agthe - Ich bin freier Journalist und Literaturwissenschaftler. Meine Stärken liegen im Feuilleton. Meine Vorlieben sind die bildende Kunst ...

rss