
- Wladimir Kaminer und Helena Hör-Hitzschke - Ilse-Ruth Uebner
„Ausverkauft. Keine Karte mehr zu kriegen.“ Enttäuschung machte sich bei denjenigen breit, die am letzten Sonntagabend im August 2011 keinen Platz in der „Blechbüchse“ ergattern konnten. Schließlich ist die Abschluss-Veranstaltung im musikalisch-literarischen Sommerprogramm des Zinnowitzer Theaters schon seit Jahren Wladimir Kaminer vorbehalten. Und der ist spätestens seit Veröffentlichung seiner Erzählsammlung „Russendisko“ im Jahr 2000 zu einem beliebten und stark gefragten Autor in Deutschland avanciert.
Kaminer ist an der Ostseeküste Kult
Die Zinnowitzer Theaterwelt habe den deutsch schreibenden Russen schon in der 1990er Jahren für sich entdeckt, sagte Martina Krüger in der „Blechbüchse“ für Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Seine einmalige Art, mit dem liebenswert vertrauten Akzent über haarsträubend echte Erlebnisse aus einer früheren und der ganz aktuellen Zeit zu berichten, würde bei den Zinnowitzer Theaterfreunden immer wieder gut ankommen und erkläre Kaminers Kultstatus in der Region, so die Theaterfrau. Die „Blechbüchse“ im Ostseebad Zinnowitz auf der Insel Usedom ist übrigens eine der sieben Spielstätten der Vorpommerschen Landesbühne.
Auf der dunklen Bühne nur ein kleiner Stehstich, ein Mikrofon und ein nicht zu greller Spot reichen Wladimir Kaminer aus, um sein Publikum knapp zwei Stunden lang köstlich zu unterhalten. Der Zuschauer wiegt sich dabei durchaus in der Illusion, mit guten Freunden in gemütlicher Runde am Kneipentisch zu sitzen, und einer Story nach der anderen zu lauschen. Die meisten Kaminer-Geschichten waren neu und stammten aus seinem jüngsten Buch „Liebesgrüße aus Deutschland“, das erst seit Montag, dem 22. August 2011, in den Buchläden steht. Aber einige Storys, wie zum Beispiel die Erlebnisse mit seinem persönlichen Sparkassen-Berater, musste er auch diemal wieder zum Besten geben.
Kaminer-Bücher füllen bereits zwei Regalfächer
In der Pause saß Wladimir Kaminer hinter einem Riesenstapel von Büchern und CDs, die er für seine Fans signierte. Auch da war die Schlange lang und die Zeit knapp, um alle Autogrammwünsche zu erfüllen. Helena Hör-Hitzschke aus Wolgast, Kunst-Dozentin an der Greifswalder Volkshochschule, war froh, als sie sich endlich zum Künstlerkollegen vorgearbeitet hatte und ihr Exemplar von „Liebesgrüße aus Deutschland“ mit einer persönlichen Widmung von Wladimir Kaminer verschönern lassen konnte.
Überhaupt fragt man sich, wann schreibt der 44-Jährige eigentlich. Schließlich erlebt er seine Geschichten meist unterwegs, wenn er zu Lesungen und Vorträgen, also zur Arbeit, eingeladen wird. Außerdem organisiert er seine „Russendisko“ und hat mit Frau und zwei Kindern auch noch Familienpflichten er erfüllen. Trotzdem können die gedruckten und vertonten Geschichten von Wladimir Kaminer mittlerweile schon ein paar Regalfächer füllen. Wahrscheinlich kann das der Lieblingsrusse aller Deutschen nur mit einer gehörigen Portion Humor bewältigen.
