
- Wladimir Klitschko - Schwergewichtsweltmeister - BoxingPress
Am 2. Juli 2011 ist es endlich soweit: „Dr. Stahlhammer“ Wladimir Klitschko kämpft in der Hamburger Imtech-Arena gegen David „Heumacher“ Haye. Dabei stehen die Weltmeistertitel der IBF, WBO, IBO und WBA im Schwergewicht auf dem Spiel. Schon seit Jahren sollte ein Duell zwischen Haye und einem der Klitschko-Brüder stattfinden, war aber zumeist wegen finanzieller Differenzen und vertraglicher Unstimmigkeiten nicht zustande gekommen.
Die Rivalität und persönliche Fehde zwischen Wladimir Klitschko und David Haye begann, als der Brite in die Schwergewichtsklasse aufrückte. Seitdem gab es jede Menge dumme Sprüche und „Trash Talk“ in den Vorberichten zum Boxkampf des Jahres zwischen Klitschko und Haye.
Wladimir Klitschko gegen David Haye - Krieg der Worte und dumme Sprüche
„Trash Talk“ heißt wörtlich übersetzt „Müll-Reden“ und wird in vielen Sportarten angewandt. Dabei wird der Gegner mit Worten provoziert, damit er sich nicht konzentrieren kann, mental aus dem Gleichgewicht gerät oder einen Fehler begeht. Selbst im Schach gehört die verbale Provokation zur Taktik. Bobby Fischer hat einst seine Gegenspieler am Brett verärgert, indem er vorgab, schmerzhaft hohe Töne zu hören.
Boxen: Trash Talk und Sprüche gehören zum Boxgeschäft!
Im Boxen beginnt „Trash Talk“ schon vor dem ersten Schlag: Er dient dazu das Medieninteresse an einem Boxkampf hoch zu puschen, um die Börsen zu steigern. „The Greatest“ Muhammad Ali war darin der Größte. Alis beste Sprüche sind bis heute legendär, weil er seinen „Trash Talk“ oft in Verse verpackte oder die Runde prophezeite, in der er seinen Gegner fertig machte: „Das wird ein Thrilla und ein Killa, wenn ich boxe mit dem Gorilla in Manila!“, „Holt Muhammad Ali in den Ring, und auch euer Land hat etwas von dem Superding.“ oder „Sonny Liston ist oho, doch in der achten Runde k.o.“
Wladimir Klitschko gegen David Haye - die Kopfspielchen des Henker
„Manche denken, sie können die Gegner einschüchtern, indem sie in ihre Köpfe gelangen“, berichtet der amerikanische Sportpsychologe Jonathan Katz vom mentalen Erfolg des "Trash Talk". Wohl deshalb hat es David Haye in den vielen Vorberichten zum Schwergewichtsboxkampf des Jahres so oft auf den Kopf von Wladimir Klitschko abgesehen. Mehrfach präsentierte er sich auf Fotomontagen als Henker, der spöttisch grinsend den abgetrennten Schädel seines Kontrahenten in die Luft hielt.
Klitschko Brüder: Die Box-Saubermänner in der angeblichen Opferrolle
„Das hat uns persönlich getroffen und auch meine Eltern“, meint Wladimir Klitschko verletzt und mimt das Unschuldslamm, während sein Bruder den „Schwarzen Peter“ und damit die Rolle des „bösen Jungen“ dem Engländer zuschiebt. Vitali Klitschko: Haye macht ab und zu richtig blöde Sprüche. Es gibt ein gutes Sprichwort: Boxen ist ein Gespräch zwischen zwei Gentlemen ohne Worte, nur mit Fäusten. Er wird die Antwort im Ring bekommen. Wladimir wird seine Fäuste sprechen lassen. Ich würde es selbst gerne tun, aber es wurde mein Bruder ausgewählt.“
Klitschko vs. Haye - Beleidigungen auf beiden Seiten
Das Rühren der Werbetrommel mit „Trash Talk“ und dummen Sprüchen müssen bei den Kämpfen der Klitschko Brüder die übernehmen, die weniger wohlerzogen sind oder es zumindest schaffen, kurzzeitig alles zu vergessen, was das Elternhaus an guter Erziehung mitgegeben hat. David Haye ist so einer. Klitschko-Häupter in den Händen? Das Versprechen, einen Klitschkokopf wegzublasen, auf den Lippen? Warum nicht? Lässt die Kassen noch süßer klingeln. Und niemand weiß das besser als die Klitschkos. Ohne Haye und Konsorten wäre ihr Unternehmen nämlich: weniger gewinnbringend. Aus diesem Grund versucht der Ukrainer beim "Trash Talk" meist "traumschwiegersohnhaft" und gebildet zu wirken, was ihm nicht immer gelingt. Auf einer Pressekonferenz ließ er sich sogar dazu hinreißen, das üble US-Schimpfwort "mofo" in den Mund zu nehmen.
Klitschko und Haye boxen am 02. Juli 2011, ab 21. 45 Uhr live auf RTL
Nun also ist für Möchtegern-Gentleman Wladimir Klitschko der Zeitpunkt gekommen, um gar nicht mehr so „gentlemanlike“ im Ring Rache zu nehmen: „Er hat mich einen Penner genannt, aber er wird die Nummer 50 auf meiner K.o.-Liste sein". Klitschko hat 49 seiner 58 Kämpfe durch Knockout gewonnen, dreimal verlor er. Boxweltmeister David Haye aus Großbritannien hat sich mit Hasstiraden auf das bevorstehende Duell gegen Wladimir Klitschko eingestimmt. „Er hat das Herz einer Hyäne. Er sucht sich das alte, tote Fleisch, also alte Boxer wie Lamon Brewster, aus. Er wartet, bis jemand anderes diese Boxer tötet, dann kommt er und isst die Reste“, sagte Haye in einem Interview der „Sport-Bild“. Er hingegen besitze das Herz eines Löwen, versicherte der 30 Jahre alte WBA-Weltmeister, der 23 seiner 25 Siege vorzeitig gewann.
Klitschko und Haye - Kopfspielchen am Rande des Boxrings
Interessante Randnotiz: Hayes Trainingsraum liegt in einem Eisenbahn-Gewölbe in Lameth unweit der Themse. Im Fünf-Minuten-Takt rattern die Züge auf der Bahnstrecke über das Gym. Der Name der Linie: Waterloo. Ob der Engländer schon von Napoleons Schicksal gehört hat? Denn trotz aller Gefährlichkeit des "Heumachers": Er gilt im Kampf gegen Klitschko als Außenseiter. Das belegt auch Klitschko gegen Haye - die Boxer im Vergleich: Nach der Gegenüberstellung geht der Mann aus der Ukraine mit 115:113 als Sieger aus der Auseinandersetzung.
Klitschko gegen Haye - Nachlese
Am Ende hatte Klitschko in einem von der Taktik und Technik geprägten Kampf die Nase vor: Er gewann durch eine einstimmige Kampfrichterentscheidung klar und deutlich Punkten. Haye hatte seine Momente, der Ukrainer hatte Probleme ihn zu stellen. Die höhere Workrate und die bessere Führhand-Arbeit gaben den Ausschlag zugunsten von Klitschko.
Quelle zum Boxkampf Wladimir Klitschko gegen David Haye: Boxdatenbank „BoxRec“
