WM-Party mit einem echten "Braai"

Grillen wie die Weltmeister in Südafrika

Grillen über offenem Feuer - pixelio/Jürgen Nießen
Grillen über offenem Feuer - pixelio/Jürgen Nießen
Südafrikaner sind Weltmeister - im Grillen. Ein "Braai" ist ein südafrikanisches Grillfest. Eine Menge Bier und sehr viel Fleisch sind die Hauptzutaten.

Zur Fußballweltmeisterschaft nach Südafrika reisen - diesen weiten Weg nehmen sicher nur die ganz eingefleischten Fußballfans auf sich. Die Spiele live erleben kann man aber auch zu ganz normalen (Uhr-)Zeiten vor dem heimischen Fernseher. Denn obwohl die Anreise weit ist, liegt Südafrika auf dem gleichen Längengrad und damit in der gleichen Zeitzone wie Deutschland. Aber: anderer Kontinent, andere Essgewohnheiten. Warum nicht mal eine Grillparty zur WM mit südafrikanischem Flair veranstalten? Schließlich gelten die Südafrikaner als Weltmeister - im Grillen.

Elf Sprachen in Südafrika – allen gemeinsam ist „Braai“

In Südafrika gibt es elf Sprachen – alle gemeinsam ist das Wort „Braai“. Gemeinsam essen und feiern im Freien ist in Südafrika geradezu Volkssport. Angeblich wird nirgendwo auf der Welt mehr gegrillt als in Südafrika. Was in Deutschland Grillfest und in den USA Barbecue (kurz: BBQ) heißt, nennen die Südafrikaner „Braai“. Es ist der Klassiker in Südafrika. Jedes Wochenende laden sich alle gegenseitig zu den geselligen Grillpartys unter freiem Himmel ein. Nahezu jeder Haushalt besitzt einen großen, oft gemauerten Außengrill. In öffentlichen Anlagen, Parks und auf Picknickplätzen gibt es feste Grillstellen, um die sich die Familien oder Freundesgruppen scharen. In Südafrika hat aber auch niemand ein Problem damit, am Straßenrand, wo die Aussicht gerade am schönsten ist, einen Grill aus dem Kofferraum zu zaubern, und ein „Braai“ zu veranstalten. Eine Anzeige wegen Geruchs- oder Rauchbelästigung ist in Südafrika undenkbar. Selbst auf den Bürgersteigen darf gegrillt werden.

Holzglut statt Holzkohle – Grillen auf offenem Feuer

Statt Holzkohlegrill gibt es bei einem richtigen südafrikanischen Braai offenes Feuer. Wer ein stilechtes Braai anrichten will, lässt die Holzkohle im Keller und entfacht das Grillfeuer in einer offenen, steinumrandeten Feuerstelle mit Holz. Das Holz wird angezündet und verbrennt ganz langsam zu der Braai-idealen Glut.

Es dauert auf diese Weise zwar etwas länger, bis genügend Glut für die Fleischmengen vorhanden ist, die Geselligkeit am offenen Feuer gleicht diesen Nachteil aber mehr als aus. Die Wartezeit, das können schon mal zwei Stunden sein, verkürzt man sich mit dem Genuss von Bier und Rotwein und den fachmännischen Gesprächen über die Qualität des Fleisches. Das Feuer wird auch noch nach dem Grillen weiter geschürt und sorgt so noch lange für Geselligkeit.

Das Grillen selber ist – wie bei uns – meist Männersache. Die Frauen dürfen das Fleisch marinieren und aus dem Kühlschrank holen. Den Rest übernehmen die Herren der Schöpfung.

Wer zu einem Braai geht, sollte am besten schon Tage vorher nichts mehr essen. Die angebotenen Fleischmengen bei diesen Grillabenden sind enorm. Ein 500 Gramm schweres Steak gehört in Südafrika durchaus zur Tagesordnung.

Strauß und Antilope gehören wie Lamm und Rind zu den Spezialitäten

Zu den Grillspezialitäten, die man im Süden Afrikas bevorzugt und die man in ausgewählten Geschäften mittlerweile auch hierzulande finden kann, zählt die schneckenartig geringelte „Boerewoers“ (die Burenwurst), die an eine kräftig gewürzte Bratwurst erinnert. Der Geruch ist für europäische Nasen eher gewöhnungsbedürftig. Wem der strengere Geschmack nicht gefällt, dem wird ein normales Grillwürstchen (Braaiwors) gebrutzelt oder “Sosaties“ – Fleischspieße. Daneben landen knusprige Straußsteaks, Kudu und Springbock, Antilope, Impala, Büffel oder Krokodilrippchen auf der Holzglut. Südafrikaner essen auch gerne Lamm und Rind, vor allem Steaks, Filets und Rippchen. Die Lämmer sind in der Karoo aufgewachsen und haben sich von den dort wachsenden Kräutern ernährt. Ihr Fleisch gilt als besonders würzig. Überhaupt ist Fleisch in Südafrika ist in der Regel im Vergleich zu unserem Fleisch dank der Freilandhaltung von sehr guter Qualität.

Würzige Marinaden für Grillfleisch

Abgesehen von dem genial gewürzten Braai-Salz, das es überall fertig zu kaufen gibt, schätzt man auch in Südafrika Fleisch, das vor dem Grillen über Nacht in einer Marinade die richtige Würze bekommt. Dunkle Marinaden bestehen in der Regel aus Worcester Sauce, Chutney, Rotwein, Knoblauch, Ingwer, Zwiebeln, der Gewürzmischung Masala und Pfeffer.

Zwei Rezepte für sehr leckere Marinaden

3 Knoblauchzehen gepresst

4 EL Aprikosenmarmelade

2 EL Curry

1 TL Stärke

50 ml Wasser

2-3 mittlere Zwiebeln

1 EL braunen Zucker

100 ml Weißweinessig

100 ml trockener Sherry

Salz und Pfeffer

Die Zwiebeln in kleine Würfel schneiden und in einer Pfanne in Öl anbraten. Knoblauch zu den Zwiebeln pressen und die restlichen Zutaten für die Marinade ebenfalls in die Pfanne geben. Alles kurz aufkochen und bei reduzierter Hitze ein wenig eindicken lassen. Das Fleisch in die abgekühlte Marinade legen und über Nacht ziehen lassen.

Braai Marinade, speziell für Steaks

1 große Zwiebel, gehackt

1 EL Öl

60 ml Weinessig (weiß für Lamm, rot für Steak)

1 EL Worcester Sauce

1 EL brauner Zucker

etwas gemahlene Gewürznelke

1 EL Ingwer, gerieben

15 ml Sherry

2 Knoblauchzehen, gepresst

125 ml Fleischbrühe

125 ml Ketchup

1 TL Salz

1 Spritzer Tabasco

3 EL Chutney

60 ml Milch

Die Zutaten miteinander vermischen und das Fleisch über Nacht in die Marinade einlegen. Während des Grillens öfters damit bestreichen.

“National Braai Day“ als Feiertag

Aus der Liebe zum Braai feiern die Südafrikaner am "Heritage Day" auch den "National Braai Day". Immer am 24. September findet der "International Braai Day“ als Teil des südafrikanischen "Heritage Day“ (Tag des Erbes) statt. Es handelt sich um einen Feiertag, an dem das historische Erbe und die kulturelle Vielfalt des Landes geehrt wird. Jedes Jahr steht ein anderes Thema im Fokus. Die Parks und Strände werden am "National Braai Day" von Menschen mit ihren mobilen Grillen besiedelt.

Angelika Fiedler , A. Fiedler

Angelika Fiedler - Berliner Pflanze von Geburt, früh in die NRW-Landeshauptstadt umgetopft, lebt heute mit Mann, Söhnen und Hund in der Nähe ...

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