WM-Spiel Ghana – Deutschland: Ein Sieg muss her

Fußball - Privatsammlung Foto, Sautmann
Fußball - Privatsammlung Foto, Sautmann
19. Juni 2010: Nach der unglücklichen 0:1 Niederlage gegen Serbien muss die deutsche Mannschaft am Mittwoch, 23. Juni, gegen Ghana gewinnen.

Gleich drei Gegner waren es, denen die deutsche Mannschaft im zweiten Gruppenspiel der Fußball Weltmeisterschaft in Port Elizabeth unterlag: die Kaltschnäuzigkeit der Gegner, die Kleinlichkeit des spanischen Schiedsrichters und die eigene Abschlussschwäche.

Vorschusslorbeeren nach Australienspiel

Vorschusslorbeeren gab es reichlich für die deutsche Nationalmannschaft nach ihrem sagenhaften Auftaktsieg gegen Australien. Alle Kommentatoren von Franz Beckenbauer über Gerd Müller bis Uwe Seeler waren sich einig: Diese Mannschaft wird es weit bringen. Und niemand mehr sprach noch von Michael Ballack, der durch ein unglückliches Foul bereits im Vorfeld der WM ausgeschieden war.

Ordentlich gespielt und doch verloren

Jedoch: Die junge Truppe um Jogi Löw scheint das Lob der Medien und Fußballfunktionäre nicht recht verdaut zu haben. Zwar spielten die Deutschen von Beginn an munter los und erkämpften sich eine Reihe von Chancen. Schon in der dritten und in der siebten Minute erarbeitete sich das Team erste viel versprechende Chancen durch Khedira und Podolski. Das Team vermochte allerdings nicht, den Druck aufrecht zu erhalten und schaffte es letztlich nicht, den Rückstand gegen Serbien wieder aufzuholen.

Badstuber und Klose fielen ab

Auffällig: Einzelne Spieler vermochten nicht an das gezeigte Niveau im Australienspiel anzuknüpfen. Zu ihnen gehörte zum Beispiel der junge, hoch gelobte Holger Badstuber, der in Milos Krasic seinen Meister fand. Neben Badstuber, dessen Länderspielkarriere gerade erst begonnen hat, schmerzte vor allem der Ausfall von Miroslav Klose. Er spielte engagiert, er spielte gelegentlich auch eigensinnig und vor allem fehlte ihm der Blick für den Schiedsrichter. Längst war bekannt, dass der spanische Schiedsrichter zur kleinlichen Regelauslegung neigt; nach Kloses erster Gelber Karte hätte der 98-malige Nationalspieler kein zweites Foul riskieren dürfen. Aber dennoch: Kloses Gelb-Rote-Karte war völlig übertrieben.

Schiedsrichterleistung ein Kapitel für sich

Die Schiedsrichterleistung war ein Kapitel für sich. Alberto Undiano, der spanische Unparteiische, verteilte bis zur 22. Minute insgesamt 5 Gelbe Karten und zwar in einem an Härte eher armen Spiel. In der 37. Minute dann traf es Klose zum zweiten Mal; und auch das zu Grunde liegende Foul war kaum erkennbar und sicher nicht gelbwürdig. Deutschland spielte fortan nur noch zu zehnt und fing sich kaum eine Minute später das 0:1 ein.

Dennoch: Die Deutsche Mannschaft hielt den Druck auch in Unterzahl aufrecht und erarbeitete sich wiederholt Torchancen. Schade, dass Podolski den 11-Meter in der 60. Minute zu schwach verschoss – der Druck war wohl zu groß für den an Spielpraxis und Erfolgen armen Kölner.

Ghana im Höhenflug

Gegen Ghana wird der Druck womöglich noch steigen, und zwar für alle Spieler. Denn nur ein Sieg wird die Deutsche Mannschaft sicher ins Achtelfinale bringen. Derzeit jedenfalls strotzen die „Black Stars“ vor Selbstbewusstsein; der Auftaktsieg gegen Serbien hat den viermaligen Afrikameister beflügelt. Hinzu kommt, dass das drohende WM-Aus für Südafrika und Nigeria die Ghanaer zum Hoffnungsträger für den gesamten Kontinent werden ließ. Für den Coach Milovan Rajevac jedenfalls war es schwer genug, seine Spieler auf den Boden der Tatsachen zurück zu holen.

Ghanas Unentschieden gegen Australien

Am heutigen Sonnabend (19. Juni) ging es zunächst gegen die Australier. Mit 1:1 trennten sich die Teams zur Halbzeitpause, nachdem die Ghanaer die erste Hälfte des Spiels durchaus dominiert hatten. Zudem standen die Australier nach einer Roten Karte nur noch mit zehn Spielern auf dem Platz. Doch in der zweiten Hälfte spielten die Australier trotz Unterzahl wie entfesselt auf. Australien zeigte eine imponierende Leistung und schaffte es, die "Black Stars" in einem echten Kampfspiel in die Defensive zu drängen. Letztlich aber fiel kein weiteres Tor, und die Partie endete unentschieden. Damit genügt Ghana im Spiel gegen Deutschland am Mittwoch, 23. Juni, ein Unentschieden, um ins Achtelfinale zu gelangen.

Ghana – Deutschland: ein Schicksalsspiel

Für Deutschland jedenfalls steht am Mittwoch in Johannesburg ein Schicksalsspiel an. Denn gegen die ambitionierte Mannschaft aus Ghana, hinter der das Stadion wie ein Mann stehen wird, muss ein Sieg her, um sicher weiter zu kommen. Gefordert ist das gesamte Team um Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm. Dass es den Deutschen an fußballerischen Qualitäten nicht mangelt, hat das Team längst unter Beweis gestellt. Die eigentliche Herausforderung liegt wohl darin, dem psychischen Druck standzuhalten; niemand würde ein Ausscheiden der deutschen Mannschaft in der Vorrunde verzeihen.

Dr. Richard Sautmann, Dr. Richard Sautmann

Richard Sautmann - Dr. Richard Sautmann, von Beruf Historiker und freiberuflicher Autor. Nach dem Magisterstudium an der Universität Oldenburg und ...

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