Wo der Elch begraben liegt - ein Roman von Carin Hjulström

C. Hjulström - Wo der Elch begraben liegt  Cover - HildenDesign
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Die Journalistikstudentin Frida bekommt einen Praktikumsplatz bei einer winzigen Zeitung in Smaland. Mit ihren Ideen mischt sie den Ort kräftig auf. Witzig!

Frida traut ihren Ohren kaum, als sie hört, was für einen Praktikumsplatz ihr Professor für sie vorgesehen hat: In der Redaktion einer winzigen Tageszeitung mitten im Nirgendwo eines wenig bebauten schwedischen Landstrichs soll sie ein komplettes Semester verbringen. Und das, wo sie von den großen Zeitungen in Stockholm geträumt hatte! Es war so ungerecht! Vor allem, weil es offenbar nur sie selbst so schlimm getroffen hatte; alle anderen haben Plätze bekommen, mit denen sich irgendetwas anfangen ließ. Vor allem Peter. Peter, der heimlich mit ihr zusammen war. Warum das heimlich sein musste, verstand Frida zwar nicht so ganz, aber Peter hatte sicherlich Recht. Er hatte immer Recht. Und nun hatte er einen Platz bei einer der beiden großen Tageszeitungen in Stockholm bekommen, und sie selbst muss ins Niemandsland, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen.

Das Kaff im Nirgendwo

Frida erfährt in der Redaktion der Tageszeitung, dass alles etwas anders kommt als erwartet: Statt ordentlich an die Arbeit herangeführt zu werden, wie sie es gedacht hatte und wie es in einem Praktikum normal wäre, wird sie die Lokalreporterin für das Dorf Bruseryd ersetzen müssen. Das heißt, sie muss sich ganz allein und ohne Unterstützung täglich einen Artikel über dieses Nest mit nicht einmal hundert Seelen aus den Fingern saugen. Nur wie? Hier gibt es so ungefähr gar nichts Interessantes, keine Läden, keine Infrastruktur, kaum junge Leute und ganz bestimmt keinen Knüller für einen aufstrebenden Stern am Journalistenhimmel.

Frida ist mehr als niedergeschlagen. Peter scheint die räumliche Trennung zu begrüßen, ihre Mutter ist unerträglich, ihr Vater mit der neuen Familie weit fort, und ihre beste Freundin Cilla hat alle Hände voll zu tun mit ihren eigenen Problemen. Da ist es fast schon ein Lichtblick, dass ein kleines Aussiedlermädchen, das sie im Zug getroffen hat, ihr ab und zu SMS schreibt.

Die explosive Idee

Frida tut ihr Bestes, um irgendwie an Themen für ihre Arbeit zu kommen. Der nette Junge, der in selbst gewählter Einsamkeit den Kiosk betreibt, gab schon einmal eine ganz gute Geschichte ab. Aber was dann? Gibt es noch Menschen, über die sie hier schreiben kann, ohne jemandem auf die Zehen zu treten?

Mehr nebenbei findet die Praktikantin heraus, dass Bruseryd in der neuen Karte im Telefonbuch nicht mehr auf der Karte stehen soll, weil es zu klein ist. Sie interviewt dazu die paar Dorfbewohner, die sie auf die Schnelle finden kann, und schreibt rasch eine Story zusammen. Abgesehen von allgemeinem Geschimpfe auf "die da oben" und der Konstatierung, dass man da wohl nicht viel tun könne, hat sie nicht viel Feedback bekommen, und so schreibt sie, dass es den Meisten egal zu sein scheine. Was sie damit auslöst, kann sie aber nicht ahnen. Einen solchen Aufruhr hat das Dorf schon lange nicht mehr erlebt - und aus dem aufwirbelnden Staub erhebt sich eine ganz außerordentliche Idee...

Schön belebte, entzückende Geschichte

Frida klingt nach einem bekannten Mädchentyp von Anfang zwanzig: Ein bisschen unsicher, sehr hoffnungsvoll, mehrfach enttäuscht, zweifelnd, dann wieder bissig - sie ist nicht völlig unbelastet, wie sie da in dieses Kaff stolpert und erst einmal aneckt. Aber sowohl sie auch als ihre Freundin Cilla mit dem Kontinuitätsproblem und dem Faible für altere Männer sind überzeugend gezeichnet, und das setzt sich auch bei den Einwohnern Bruseryds fort: Der Redaktionschef mit den zerbrochenen Träumen, dem Hang zur Flasche und dem Herzen aus Gold geht dem Leser nahe, und eine Frau wie die Hauswirtin Fridas hätte man gern als Oma.

Dass es noch das eine oder andere traurige Schicksal gibt, von denen die junge Praktikantin glücklicherweise das eine oder andere wieder ins Lot bringen kann, ist natürlich ein wenig märchenhaft, aber es ist eben eine schön erzählte Geschichte, und ein bisschen Märchen ist da nicht fehl am Platze. Und wie dieser kleine Ort, der eigentlich langsam vor sich hin starb, sich plötzlich empört und gewaltsam die Talfahrt aufzuhalten versucht, das ist zum Schreien komisch und sehr, sehr gut gemacht. Man kann sich das Ganze gut verfilmt vorstellen; dann hätte es leise Anklänge an einen gewissen Film mit Hugh Grant.

Fazit: Dieser Roman macht Spaß. Er ist kein tief ergreifendes Opus, aber er ist nett und ulkig und gefällig geschrieben. Daumen hoch!

Carin Hjulström: Wo der Elch begraben liegt. Blanvalet, Juni 2011. Taschenbuch, 416 Seiten. Euro 8,99

Kirsten Braselmann - Lesen ist mein Hobby, meine Leidenschaft. Ich habe Literaturwissenschaft studiert und verfasse seit Jahren Buchrezensionen, vor allem im ...

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