In der Wiener Schatzkammer funkelt es nach wie vor recht kräftig. Obwohl wichtige Teile der österreichischen Kronjuwelen seit November 1918 fehlen. Sie wurden von den Getreuen des letzten Kaisers Karl in einer Nacht- und Nebelaktion auf Befehl des Ex-Kaisers ins Exil mitgenommen. Darunter befanden sich so berühmte und wertvolle Stücke, wie die Hauskrone der Habsburger, die auf Kaiserin Maria Theresia zurückgeht, ihre Smaragd-Armbanduhr, ein Kuriosum, der Rubinschmuck von Königin Marie Antoinette, die siebenreihige Perlenkette Kaiserin Zitas, mit nussgroßen Perlen und mehrere andere ebenfalls berühmte Diamanten, wie der "Badener" und nicht zuletzt der "Florentiner", ein gelber riesiger Diamant, der seit Franz Stephan von Lothringen, dem Ehemann Kaiserin Maria Theresias sich in Habsburger Besitz befand.
Habsburger Privateigentum oder der Republik gestohlen
Juristen und Historiker streiten fast hundert Jahre nach Errichtung der Republik, wem nun die verschwundenen Juwelen denn wirklich gehören. Den Habsburgern oder doch der Republik. Der Streit ist fiktiv, die Juwelen sind seit den Zwanziger-Jahren des vorigen Jahrhunderts nie wieder aufgetaucht. Nur die Hauskrone, die einst Kaiserin Maria Theresia anfertigen ließ, befindet sich wieder in der Wiener Schatzkammer und kann dortselbst nach wie vor bewundert werden.
Barbarische Aktion als Geldbeschaffung für Restaurationsversuche
Der Juwelier Alphonse Sondheimer war entsetzt, als er über einen Mittelsmann Ex-Kaiser Karls in Bern dazu gezwungen wurde, die Habsburger Juwelen barbarisch zu zerstückeln, aus den Fassungen zu brechen, um sie so unkenntlich zu machen. Als er unter den ihm vorgelegten Stücken den berühmt- berüchtigten Florentiner erkannte, der ihm in einer Hutagraffe gefasst vorgelegt wurde, kamen ihm Bedenken. Zumal der Preis, den das Ex-Kaiserhaus dafür verlangte, exorbitant hoch war. Die exilierten Habsburger brauchten die Millionen, um lang geplante Restaurationsversuche in Ungarn durchzuführen. Der Handel wurde geschlossen. Die Rückkehr der Habsburger verhindert. Kaiser Karl und Kaiserin Zita, samt der Kinderschar, wurden nach Madeira expediert. Kaiser Karl starb hier im Jahr 1921.
War es der Florentiner, der bei Christies versteigert werden sollte?
Die Sensation war perfekt, als dem als sehr seriös bekannten Auktionshaus Christies in den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts von einem anonymen Anbieter ein gelber Diamant von außerordentlicher Größe angeboten wurde. Experten des Autkionshauses sind heute noch überzeugt, hier für einige Zeit den Florentiner an der Hand gehabt zu haben. Kurz vor der Versteigerung wurde der Stein jedoch ohne Angabe von Gründen zurückgezogen und ist bis heute nicht mehr aufgetaucht. Zur Legende wurde er schon vorher.
Letzte Trägerin war Kaiserin Sisi
Die Letzte, die den Florentiner getragen hat, war die unglückliche Kaiserin Sisi, zwar nur einmal und das widerwillig. Ihr gefiel die Farbe nicht und auch nicht die Fassung, die extra neu angefertigt wurde. Dann blieb der Stein, der einmal Karl dem Kühnen gehörte, in der kaiserlichen Schatzkammer und wurde erst nach Ende der Monarchie für kurze Zeit hervorgeholt.. Natürlich gibt es, wie für jeden berühmten Stein, auch eine Legende dazu. Er soll seinen Besitzern und Trägern nur Unglück bringen.
Immerhin wurde Kaiserin Elisabeth in Genf rein zufällig von einem Anarchisten namens Luigi Lucceni mittels einer Feile ermordet.
Otto von Habsburg, der jetzige Chef des Hauses dazu befragt: "Ich habe den Florentiner leider nie gesehen, schließlich war ich damals ein achtjähriges Kind." Zur Frage wem die verschwundenen oder doch gestohlenen Juwelen nun gehören, gibt es keine Äußerung aus dem Hause Habsburg.
