Woher stammt das Wort Ostern?

Die drei Theorien zur Sprachgeschichte des christlichen Festes

Ostern - Wortgeschichte des christlichen Fests - http://www.everystockphoto.com/photo.php?imageId=2
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Jürgen Udolph präsentierte als erster einen einleuchtenden Mix aus drei gängigen Theorien zur Wortgeschichte des christlichen Fests Ostern.

Die Sprachgeschichte eines Wortes zeigt, dass diese niemals linear verläuft, sondern auf vielerlei Entwicklungen und Einflüsse zurückzuführen ist. So auch bei einem der sprachwissenschaftlich kniffeligsten Worte: Ostern.

Das Fest Ostern hat für Christen eine ganz besondere Bedeutung und verkörpert die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Zusammen mit Pfingsten und Weihnachten ist Ostern eines der drei großen christlichen Feste.

Pessach und Ostern

In den meisten europäischen Sprachen wird das christliche Ostern als „Pessach“, nach dem höchsten Fest der Juden, bezeichnet. Damit wird an die Herkunft und verbleibende Verwandtschaft der Zentraldaten beider Religionen erinnert. Das deutsche Wort „Ostern“ und das englische „easter“ bilden hierbei Ausnahmen. Hierzu gibt es bisher drei Theorien zur Wortklärung.

Die Göttin-Ostara-Theorie

Ausgehend von dem angelsächsischen Benediktinermönch, Beda Venerabilis, der im 8. Jahrhundert Theologe und Geschichtsschreiber war, geht diese Theorie auf eine angebliche germanische Göttin Ostara zurück. Diese „Göttin des strahlenden Morgens“ (des aufsteigenden Lichts) soll der Ursprung für die Ableitung Ostern von ostara und im Englischen eostra gewesen sein.

Dagegen spricht, dass Beda viele germanische Götternamen erfunden hat – so auch diesen. Ihren Namen leitete der Mönch vom Wort für den Monat April ab und kam im Althochdeutschen dann auf ostarmonath. Ferner ist die Ostara-Göttin lediglich bei Beda bezeugt. Außerdem gibt es keine überlieferten germanischen Monatsnamen, die von Götternamen abstammen.

Unbestritten ist aber auch, dass auf die Osterzeit ein heidnisches Frühlingsfest fiel. Allerdings ist dies durch die Strategie der Christianisierung der Heiden durch die Kirche zurückzuführen: Heidnische Riten wurden somit durch die christlichen Feierlichkeiten überlagert und „ausgerottet“.

Die Morgenröte-Theorie

Nach dem Sprachwissenschaftler Johann Knobloch stellt Ostern ein Bedeutungslehnwort dar und geht vom Althochdeutschen ostarun auf das lateinische albae (der lateinisch christliche Terminus für die Osterwoche) zurück.

Von der Göttinnen-Theorie nimmt Knobloch Abstand und folgt der Morgenröte-Etymologie. Knobloch vermutet, dass der feierliche Taufakt bei Tagesanbruch vollzogen wurde und daher dem Fest seinen Namen gab. Unter anderem wurde albae von den frühfränkischen Gemeinden zu Morgenröte.

Dagegen spricht aber, dass das französische Wort aube Bedeutung beinhaltet, die den Morgenröten nicht entsprechen, sondern eher dem Taufvorgang, wie: gereinigt sein, unschuldig, ein unschuldig getaufter Mensch, aber auch Totenhemd.

Der wichtigste Akt des Festes, das Taufen, sollte daher eigentlich im Mittelpunkt der Sprachgeschichte Osterns stehen.

Die ausa-Theorie oder die Schöpf-Theorie

Der Sprachwissenschaftler Siegfried Gutenbrunner bringt das christliche Fest Ostern mit dem germanischen Schöpf- und Begießungsritus zusammen. Dadurch bezieht er Ostern auf das altnordische Wort ausa (schöpfen). Durch diesen wichtigen Schritt weist Gutenbrunner als erster die Morgenröte-Theorie zurück. Leider geht Gutenbrunner nicht auf die Verbindung von ausa und dem Neugeborenenritus, sowie auf die Namensgebung germanischer Stämme ein.

Diesen entscheidenden Ansatz griff Jürgen Udolpf, Deutschlands einziger Professor für Onomastik (Namensforschung), auf und erstellte durch einen Mix der jeweiligen Ansätze die entscheidende Weiterentwicklung in der Namensforschung des Worts Ostern dar.

Udolphs Erklärungs-Mix

Nach Udolph müssen daher einmal der Monat April sowie der einstige Zeitraum heidnischer Frühlingsfeste eine Rolle spielen. Ebenfalls wichtig bei der Erklärung von Ostern muss aber auch die Taufe als zentrales Ereignis des christlichen Festes sein und nicht als Randereignis in der Nacht oder im Morgengrauen. Des Weiteren bietet die ausa-Theorie und damit die Schöpf-Semantik neue Perspektiven der Worterklärung. Als reine Erfindung kann in diesem Zusammenhang Bedas Theorie und die erfundene Göttin Ostara gesehen werden.

Quelle: Jürgen Udolph: Ostern. Geschichte eines Wortes. Universitätsverlag C. Winter, Heidelberg 1999.