Appenzell - Wo man Silvester zwei Mal feiert

Die schönen Kläuse - Sabine Bordihn
Die schönen Kläuse - Sabine Bordihn
Die Traditions- / Brauchtumspflege im Kanton Appenzell hat einen großen Stellenwert und ist aus dem Leben der Einheimischen nicht mehr wegzudenken.

Der Schweizer Kanton Appenzell ist reich an Traditionen, und in vielen Gemeinden lebt man sie auf sehr eindrucksvolle Weise.

So wird beispielsweise besonders im Außerrhodischen zwei Mal Silvester gefeiert, nämlich am 31. Dezember wie allerorts und nochmals am 13. Januar nach demJulianischen Kalender.

Silvesterchlausen oder" Alter Silvester"

Es ist ein wunderschöner Winterbrauch im Appenzellerland, der alljährlich nicht nur zahlreiche Touristen anlockt. Wo der wahrhaftige Ursprung dieses Brauchs zu suchen ist, kann nur schwer ergründet werden. Es gibt dafür verschiedene Theorien.Eine besagt, dass der Kaiser Julius Cäsar im Jahre 46 v.Chr. den Julianischen Kalender einführte. Scheinbar war dieser aber gegenüber dem Sonnenjahr zu lang. Papst Gregor korrigierte im Jahre 1582 diese Abweichung, die damals 13 Tage betrug. Allerdings fügte sich Appenzell Außerrhoden diesem Kalenderwechsel erst 1798.

"Schöni", "Wüeschti" und andere Chläuse

Es gibt drei Arten von Kläusen: die „wüeschte“ (wüst/zerzaust), die „schöni“ und die Wald- oder Naturkläuse. Sie treten alle fast ausschließlich in Gruppen auf. Von den Einheimischen werden sie liebevoll „Schuppel“ genannt. Schon in den sehr frühen Morgenstunden des 13. Januars sind bereits viele Klausschuppel unterwegs zum Frühklausen, allerdings beginnt das eigentliche Silvesterklausen erst in der Morgendämmerung. Die schönen Kläuse mit ihren zauberhaft und kunstvoll gestalteten Hauben und Hüten sind sicher die attraktivsten. Der bis ins kleinste Detail ausgearbeitete Kopfschmuck mit Motiven und Themen aus der Alpfahrt oder Viehausstellung wird von ihnen tanzend und springender Weise den ganzen Tag getragen. Die auf Brust und Rücken befindlichen Schellen, Klauserollen und Glocken sowie die spontanen Gesänge (das Zäuren/Jodelgesang) der unter den Trachtgewändern steckenden Männer erzeugen überall das Gefühl, an diesem Tag überhaupt erst das neue Jahr gebührend begrüßen zu können.Die wüsten und Wald-/Natur-Kläuse sehen eher furchterregend aus, weil ihre Kleidung aus Materialien des Waldes hergestellt ist und sie oft auch noch eine grässliche Maske tragen.

Intensive Stimmung

Teilweise sind es mehr als 10 Glocken pro Mann, zum Teil ist es aber nur eine, die dann jedoch riesig zu sein scheint. Die Schellen werden mit vollem Körpereinsatz geschüttelt und geschwenkt. Ein markerschütternder Lärm hüllt die neugierigen Menschen ein. Doch dann verstummen die Männer plötzlich, stehen im Kreis und die dunklen Gestalten fangen an zu zäueren. Die Stimmung ist sehr intensiv. Jeder Gesang wird, nachdem er beendet ist, wieder mit jenem unsäglichen Lärm verabschiedet, sodass es einem scheinbaren Wechsel zwischen Aggression und Feinheit gleichkommt.

Das Datum des „alten Silvester“ ist ein Überbleibsel des einstmals kategorischen Widerstandes gegen die Gregorianische Kalenderreform. Jedoch wurde damit ein außergewöhnlicher Brauch überliefert, der aus der Traditionspflege des Kantons Appenzells nicht mehr wegzudenken ist.

Sabine Bordihn, Sabine Bordihn

Sabine Bordihn - Ich habe nicht sehr viele Hobbies, denn mein Hauptberuf fordert mich in umfangreichem Maße. Jedoch zählt das Schreiben und die ...

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