Wer erinnert sich nicht gern an die Kindheit, in der man in der dunklen Weihnachtszeit voll freudiger oder auch furchtsamer Erwartung dem Besuch eines würdigen alten Herrn mit dem langen Bart und beeindruckendem Outfit entgegensah. Die vorweihnachtlichen Traditionen sind von Land zu Land recht unterschiedlich. Ob Sinterklaas, Väterchen Frost oder Père Noël, sie gehören mit ihren landestypischen Bräuchen für Kinder wie für Erwachsene zum Zauber der Weihnachtszeit. Die eher irdisch ausgerichtete Figur des Weihnachtsmanns ersetzt diese alten Traditionen zunehmend und bestimmt heute vielerorts das öffentliche Bild von Weihnachten, stets begleitet von seinen flinken Rentieren und fleißigen Weihnachtswichteln als treuen Helfern.

Es muss doch was dran sein an all den Geschichten vom Weihnachtsmann und seinen Wichteln. Selbst wenn man das Alter, in dem man an den Weihnachtsmann glaubt, längst hinter sich hat, möchte man den Kindheitstraum doch gern einmal wiedererleben. Wer den Weihnachtsmann persönlich treffen will, muss sich auf die Weite Reise ins finnische Lappland begeben. Dort, hoch im Norden, direkt am Polarkreis, liegt sein Weihnachtsdorf Joulupukki am Korvatunturi, wo sommers wie winters weihnachtliche Atmosphäre herrscht.

Über die finnische Seenplatte zum Polarkreis

Bei der Anreise über Finnland verläuft die Strecke von Helsinki aus über die E75 beziehungsweise E 4 in Richtung Jyväskyla. Eine Reihe sehenswerter Stationen auf dem Weg, wie die Künstlerkolonie am Tuusunlan-See, laden zu Abstechern ein. Die Fahrt vorbei an der finnischen Seenplatte stimmt auf die raue Landschaft Lapplands ein. Die lange Anreise über schnurgerade, endlose Straßen durch die weiten finnischen Wälder ist ein Genuss. Nach etwa 1000 Kilometern gelangt man nach Napapiiri am Korvatunturi, dem Berg, auf dem der Joulupukki mit seiner Frau, seinen Kindern und einer Unzahl von Weihnachtswichteln wohnt. Etwas unvermittelt biegt man etwa acht Kilometer hinter Rovaniemi von der E 4 in die kleine Häuseransammlung des Weihnachtsdorfes ein.

Mit einem großen Schritt über den Polarkreis

Quer durch das Dörfchen führt eine lange, weiße Linie. Sie zeigt an, dass man am Polarkreis angekommen ist. Mit einem großen Schritt schreitet man über die lange Linie und, mit dem entsprechenden Zertifikat ausgestattet, ist man jetzt ganz offiziell Polarkreis-Entdecker. Ein Holzpfahl mit Wegweisern in viele Richtungen zeigt die Entfernungen nach London, Paris, Moskau und anderen Städten an. Bis Berlin sind es beispielsweise genau 1789 Kilometer.

Den Weihnachtsmann und seine Wichtelmänner arbeiten sehen

Die Ohren sind es zuerst, die das weihnachtliche Ambiente wahrnehmen. Mit „Jingle Bells“, „Leise rieselt der Schnee“, „I wish you a merry Christmas“ und ähnlichen Klängen werden die Besucher empfangen. Dann wendet man sich den rustikalen Lappen-Blockhäusern zu, die rund um das Jahr im weihnachtlichen Glanz erstrahlen.

Wo ist er denn nun, der Weihnachtsmann? Aha, da ist das berühmte Hauptpostamt, wo man viele schöne Postkarten kaufen kann, die man – versehen mit einer Sonderbriefmarke - schon lange vor dem Fest als Weihnachtspost an die Lieben aufgeben kann. Sie kommt garantiert rechtzeitig zum Fest an. Wenn man den Weihnachtsmann recht nett bittet, schreibt er sogar eigenhändig einen Brief an den lieben Menschen, der endlich einmal Post von ihm erhalten soll. Natürlich helfen die fleißigen Wichtel beim Einpacken der Geschenke und beim Weihnachtspostversand. Ach ja, und als Beweis für die ganz Ungläubigen kann man sich auch noch mit dem Joulupukki höchstpersönlich fotografieren lassen. Sonst glaubt womöglich niemand, dass man ihn tatsächlich getroffen hat.

Weihnachtsflair und handwerkliche Kunst inmitten von Lapplands Wäldern

Das Hauptpostamt des Weihnachtsmanns hat natürlich noch allerlei anderes zu bieten. So gibt es einen riesigen Adventskalender, festlich geschmückte Weihnachtsbäume, kleine Weihnachtswichtel toben auf Seilgehängen. Riesen-Plüschelche empfangen die kleinen und großen Besucher am Eingang verschiedener Souvenir-Läden. Dort kann man zu jeder Jahreszeit landestypische Mitbringsel oder Geschenke für Weihnachten in großer Auswahl erstehen. Neben – zugegeben – echtem Kitsch und reichlich Tourismus-Kram entdecken aufmerksame Besucher eine Reihe schöner Motive aus Lappland, unter anderem als Handwerkskunst, zu nordischen Strickmotiven oder in feinem Silberschmuck verarbeitet.

Am Anfang war ein Haus für Eleanor Roosevelt

Das Weihnachtsmann-Dorf gibt es übrigens bereits seit den Fünfziger Jahren. Das erste Gebäude wurde zu Ehren der früheren US-amerikanischen First Lady Eleanor Roosevelt erbaut. Im Jahr 1950 stattete sie Rovaniemi einen Besuch ab. Das kleine Holzhaus ist noch heute eine der zentralen Sehenswürdigkeiten im Santaclause-Village. Im Laufe vieler Jahre kamen das zentrale Weihnachtsmann-Postamt und mehrere langgestreckte Blockhäuser mit Showrrooms und Handwerksstuben hinzu. Aber auch die typischen Lappen-Blockhäuser im achteckigen Zeltstil sind hübsch anzusehen. Gleich nebenan ist ein kleiner Rentierpark mit Lappenzelten, den man gegen Eintritt besuchen kann.

Weihnachtsausstellung und Santa Park

Ganz in der Nähe wurden neue Tourismus-Attraktionen rund um Joulupukki, seine Frau Joulumouri und die kleinen Weihnachtswichtel geschaffen. Eine Weihnachtsausstellung präsentiert historische Festtagsbräuche aus vielen Ländern. Gegen einen geringen Eintritt von ein paar Euro (Finnland gehört zur Eurozone, da braucht man nicht Geld zu tauschen) kann man seltenen Weihnachtsschmuck und nostalgische Videos anschauen. Von Lappland und Finnland über Russland, Japan, einige europäische Länder und auch die USA reicht die Bandbreite der kulturell unterschiedlichen Bräuche, die in der Weihnachtsausstellung präsentiert werden.

Der unterirdische Santa Park ist eine märchenhafte Zauberwelt, in der es unter anderem eine Elfenschule und eine Eisgalerie, Schlittenfahrten und Weihnachtsbäckerei sowie eine Santa-Park-Show gibt.

Joulupukki beginnt seine Weihnachtsreise Ende November

Übrigens: Ende November verlässt Joulupukki seine Heimat in Lappland und macht sich im Rentierschlitten auf die Reise nach Helsinki, wo er von den Kindern Finnlands schon sehnsüchtig erwartet wird. Mit seiner Anreise beginnt offiziell die Vorweihnachtszeit. In Mitteleuropa entspricht das etwa der Adventszeit. Also dann: gute Reise, Joulupukki, und bring den kleinen und großen Kindern was Schönes mit!

Weitere Informationen:

Der Weihnachtsmann wohnt in Finnland

Der Polarkreis – Napapiiri