
- Wölfe in der Lausitz - Dieter Schütz
Seit 1990 steht der Wolf in ganz Deutschland unter strengem Naturschutz und beginnt nach und nach seine alten Reviere zurückzuerobern. Im Jahre 1998 wurden erstmals auf einem Truppenübungsplatz in Sachsen zwei Wölfe beobachtet. Den ersten Nachwuchs und damit auch das erste Wolfsrudel in Deutschland gab es im Jahr 2000. Mittlerweile leben neun Wolfsrudel vor allem an der sächsisch-brandenburgischen Landesgrenze, die auch regelmäßig Welpen aufziehen.
Die Lausitz bietet den idealen Lebensraum für Wölfe
Der Wolf ist sehr anpassungsfähig, benötigt vor allem Rückzugsmöglichkeiten und ausreichend Beutetiere. Ausgedehnte Heidegebiete, großflächige abgesperrte Bergbaufolgelandschaften und ausgediente Truppenübungsplätze bieten den Wölfen ideale Lebensbedingungen. Hier haben sie nicht nur Ruhe vor dem Menschen, sondern finden auch ausreichend Nahrung. Die Lausitz mit ihrer durch jahrelangen Bergbau ausgebeuteten Landschaft bietet dafür ideale Voraussetzungen. Hier gibt es überall rutschgefährdete Gebiete, in die kaum ein Mensch vordringt. So können sich ungestört weitere Wolfsrudel bilden.
Ein Wolfsrudel ist eine Gemeinschaft aus einem Elternpaar, das meist ein ganzes Leben zusammen bleibt, und ihren Welpen der letzten beiden Jahre mit einer Gesamtgröße zwischen fünf bis zehn Tieren. Die jungen Wölfe bleiben bis zu ihrer Geschlechtsreife, die sie im Laufe des zweiten Lebensjahres erreichen, bei den Eltern und wandern dann ab, um sich einen eigenen Partner und ein eigenes Revier zu suchen. Ein Rudel hat etwa fünf bis zehn Mitglieder und bewohnt ein Territorium von 250 bis 300 km², welches auch gegen Artgenossen verteidigt wird.
Der Wolf holt sich seine Nahrung aus der Natur
Hauptnahrung des Wolfes als Fleischfresser ist das Schalenwild. In Deutschland sind das vor allem Rotwild, Rehe und Wildschweine, im Notfall aber auch Hasen, Kaninchen, Vögel und Mäuse. Normalerweise erjagen Wölfe vor allem junges, unerfahrenes, altes, krankes oder schwaches Wild und betreiben damit natürliche Auslese in der Wildpopulation. Ein erwachsener Wolf braucht täglich etwa 2 bis 3 Kilogramm Fleisch. Die Nahrungsaufnahme erfolgt nicht regelmäßig, sondern er kann an einem Tag bis zu etwa 10 Kilogramm fressen, hält dann aber auch mehrere Tage ohne Nahrung aus. Da ein Wolf leichte Beute bevorzugt, kam es in den letzten Monaten immer mal wieder zu Übergriffen auf Haus- und Weidetiere, was in der Lokalpresse immer wieder zu ausgedehnten Erörterungen führte.
Tierhalter sind deshalb aufgefordert, nötige Maßnahmen zum Schutz ihrer Tiere zu ergreifen. Ein rundum geschlossener Elektrozaun ist meist unerlässlich. Dann bekommen die geschädigten Viehhalter bei Verlust von Tieren durch Wölfe eine Entschädigung. Oftmals wollen die Tierhalter aber gar nicht wahrhaben, dass der Wolf nicht nur eine vorübergehende Erscheinung ist und sie in Zukunft mit ihm leben müssen. Sie investieren erst in die nötigen Schutzmaßnahmen, wenn es bereits zu Übergriffen gekommen ist. Der Wolf kann nämlich nicht unterscheiden, welche Tiere er jagen darf und welche nicht. Er geht nur seinen natürlichen Instinkten nach. Der Mensch muss akzeptieren, dass der streng unter Naturschutz stehende Wolf in Zukunft ein Teil des Lebens sein wird.
Ansiedlung der Wölfe bietet immer wieder Stoff für Diskussionen
Für die Menschen stellen sich durch die Ansiedlung der Wölfe noch ganz andere Fragen. Da es sich bei den in Deutschland ansässigen Wölfen um polnische Einwanderer handelt ist das besiedelte Gebiet vor allem auf den Osten Deutschlands begrenzt. Aber mit der Vergrößerung der Population vergrößert sich natürlich auch deren Wirkungskreis. Spätestens dann steht nicht mehr nur zur Debatte, ob der Wolf für Nutz- und Heimtiere gefährlich werden kann, sondern auch, ob die Sicherheit der Menschen darunter leiden könnte. Ebenfalls stellt sich immer wieder die Frage, ob die Wölfe Einfluss auf die Anzahl der jagdlich nutzbaren Wildtiere hat.
In den Köpfen der Menschen existieren vom Wolf vor allem märchenhafte und mythische Bilder. Nahezu jedes Kind ist mit dem Rotkäppchen aufgewachsen und bekommt so schon in den Kindheitstagen den Eindruck vom bösen Wolf vermittelt. Dieses Bild muss für ein zukünftiges Zusammenleben unbedingt korrigiert werden.
Seit der Wolf zur Jahrtausendwende wieder Einzug in Deutschland gehalten hat, sind keine Übergriffe auf Menschen bekannt geworden. Der Wolf ist von Natur aus menschenscheu und wenn man einem Tier in freier Wildbahn begegnen sollte, gelten die allgemeinen Verhaltensregeln wie bei allen anderen Wildtieren. Der Naturschutzbund Deutschlands (NABU) hat Leitlinien zu einem konfliktarmen Zusammenleben und zum Schutz des Wolfes erarbeitet. Die Beschaffung sachgerechter Informationen in Naturschutzstationen, Presse und Internet könnten so manchen bösen Vorurteilen entgegen wirken.
Für umfassende Informationen rund um den Wolf empfiehlt sich die Internetseite der Wolfsregion Lausitz.
Quellenangaben:
- www.wolfsregion-lausitz .de
- www.nabu.de
- Lausitzer Rundschau vom 08./09. 01.2011,13.07.2011 und vom 17.10.2011
