
- Titel Wörterbuch der Fischnamen - Autorinnen/Verlag
Das Wörterbuch der Fischnamen von Irina und Olga Burmistrova kommt in einem schlichten Paperback-Layout daher. Der Inhalt ist ebenso schlicht. Es gibt keinen Innentitel. Nur ein knappes Impressum mit Hersteller- und Verlagsangabe. Das Erscheinungsjahr ist nicht angegeben. Die Pflichtangaben über die bibliografischen Informationen der Deutschen Nationalbibliothek fehlen. Es gibt kein Inhaltsverzeichnis, kein Vorwort, Nachwort oder Register. Das Buch beginnt einfach mit einer Wörterliste Russisch-Deutsch von Fischnamen.
Ein Wörterbuch, das kein Wörterbuch ist
Der Untertitel lautet Deutsch-Englisch-Russisch. Das erfordert sechs Wörterbuch-Eingänge:
- Russisch – Deutsch
- Deutsch – Russisch
- Russisch – Englisch
- Englisch – Russisch
- Deutsch – Englisch
- Englisch – Deutsch
Die Abschnitte gibt es auch für die Fischnamen. Allerdings ist nirgendwo zu erkennen, wo sie beginnen oder enden, wenn man vom Beginn Russisch – Deutsch und dem Ende von Englisch – Deutsch absieht.
Das erste Wörterbuch Russisch – Deutsch beginnt ohne Überschrift auf Seite 5, das Zweite auf Seite 33, da Dritte auf Seite 61, das Vierte auf Seite 89, das Fünfte auf Seite 117 und das sechste und Letzte auf Seite 145. Um das Wörterbuch benutzen zu können, muss sich der Besitzer selbst kleine Fähnchen einkleben, um sich nicht ständig zu verblättern.
Wörterbuch mit Fischnamen
Nach dem Text auf dem Rückentitel richtet sich dieses Wörterbuch der Fischnamen „an alle Liebhaber der bunten Fischwelt“: Aquarianer, Taucher, Angler und Fischer; „aber auch an die vielen Fischbegeisterten“, meinen die Autorinnen, von denen eine mit einem netten Passfoto auf dem Buchrücken abgebildet ist. Mag das Bild begeistern – das Wörterbuch der Fischnamen tut es nicht.
Zwar sind pro Sprache tausend Fischnamen alphabetisch gelistet – aber nur umgangssprachliche Namen und Bezeichnungen der jeweiligen Landessprache. Es gibt keine wissenschaftlichen Fischnamen im Sinne der zoologischen Nomenklatur.
Es sind ausschließlich landessprachliche Bezeichnungen verzeichnet. Diese als Namen zu bezeichnen, ist mutig, da man sie so gut wie gar nicht einzelnen Fischarten zuordnen kann. Bezeichnungen für Fische – und für andere Tiere und Pflanzen auch – sind meist schon von Landstrich zu Landstrich innerhalb einer Sprache (mit verschiedenen Dialekten) bis zur Unidentifizierbarkeit der Art unterschiedlich.
So ist auf Russisch ein Dornauge aus der Schmerlenfamilie Cobitidae mit Acanthophthalmus myersi bezeichnet. Auf Englisch heißt sie angeblich „slimy loach“ oder „slimy Meyrsi“. Fehlerquelle eins: Alle Schmerlen sind schleimig. Fehlerquelle zwei: Die Art mit dem nomenklatorisch korrekten Namen Pangio myersi ist nach den kalifornischen Ichthyologen George Sprague Myers benannt (nicht Meyrs). Der Orinico eartheater (ein Vertreter der Gattung Biotodoma) ist im Teil Russisch – Englisch vertippt; richtig wäre Orinoco eartheater (nach dem Rio Orinoco oder Orinoko-Fluss in Südamerika). Es finden sich weitere solcher Fälle: Karfunkelsalmler versus Karfunkensalmler, Glagwels versus Glaswels.
Auffällig: Im Zeitalter der elektronischen Datenverarbeitung hätte man angenommen, die Wörterlisten seien in einer Tabelle erfasst und für das Layout umgesetzt worden. Das ist nicht der Fall, wie Druckfehler zeigen: der Cobbler oder „estuary catfish“ aus dem Wörterbuch Englisch – Russisch findet sich als „cobler“ und als „eatury catfish“ im Wörterbuch Deutsch – Englisch unter „Ästuar-Wels“ wieder. Welche Art auch immer damit gemeint sein soll. Das größte Manko dieses Wörterbuchs der Fischnamen ist die zoologische Namenlosigkeit. Aber selbst, wenn diese aufgeführt wären, wären sie aufgrund der vor allem populärliterarischen Quellen, die auf dem Rückentitel genannt sind, nicht zuverlässig. Der Chromosomen Felsenspringer (ein Schlammspringer?) ist die kuriose Folge, wenn man solche Quellen benutzt.
Nutzloses Wörterbuch von Fischnamen
Ohne wissenschaftliche Fischnamen im Sinne der zoologischen Nomenklatur ist das Wörterbuch für die angesprochenen Zielgruppen weitgehend nutzlos. Für Wissenschaftler, Biologen, Zoologen oder Ichthyologen (Fischkundler) erst recht. Summa summarum nützt dieses Wörterbuch der Fischnamen niemandem.
Burmistrova, Irina & Olga Burmistrova: Wörterbuch der Fischnamen. Deutsch - Englisch - Russisch. Books on Demand, Norderstedt 2011. ISBN 978-3-8423-5902-4. 192 Seiten., Paperback. 9,90 €
