Woher kommt das schwarze Schaf? Noch eine Zitatensammlung

Cover - Deutscher Taschenbuch Verlag
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Von Aar bis Zypresse - Wolfgang Seidel hat sich erneut auf Spurensuche begeben und Sprüche und Redewendungen auf ihre Herkunft abgeklopft.

Wer hätte gedacht, dass der Lack etwas mit dem Lachs zu tun hat? Das eine kommt auf die Wände, das andere in den Magen. Und dennoch gibt es eine Verbindung, auf die die phonetisch Ähnlichkeit zurückzuführen ist: Mit Lack bezeichnete man einst ausschließlich eine rote Farbe. Und Elemente von dieser Tönung finden sich zweifelsfrei im Fleisch dieses Speisefischs.

Und da wir gerade von Essen reden: "Ausgekocht" hat wider Erwarten nichts mit den Tätigkeiten in der Küche zu tun. Es kommt nämlich vom jiddischen Wort "chochem", was soviel wie klug und gescheit bedeutet. Erst im Hochdeutschen hat alles, was "ausgekocht" ist, den negativen Beigeschmack erhalten.

Einseifen? Nein danke!

Wie überhaupt vieles, was im allgemeinen Sprachgebrauch ziemlich deutsch zu sein scheint, eben aus dem Jiddischen und Rotwelsch, der Gauner- und Vagabundensprache des Mittelalters, stammt. Dass jemand, der eingeseift wird, nicht unbedingt sauberer aus der Aktion hervorgeht, ist zwar gemeinhin bekannt. Denn eigentlich will man mit dem "Einseifen" jemanden so manipulieren, dass er genau das tut, was der "Einseifer" gerne möchte. Dabei hat der Begriff viel unappetitlichere Wurzeln: "Besefeln" bedeutet im Jiddischen "mit Kot beschmieren". Spätestens da hört der Spaß – und vor allem die Sauberkeit – auf…

Wolfgang Seidel hat wieder zugeschlagen. Was die deutsche Sprache angeht – da lässt der ehemalige Lektor, der mittlerweile als Übersetzer und Autor arbeitet, keinen Stein auf dem anderen. Fünf Bände hat er inzwischen veröffentlicht, in denen er die Herkunft von geläufigen Sprüchen, Redewendungen und Idiomen unter die Lupe nimmt, die sich so nahtlos in die Sprache eingeschlichen haben, dass man sich kaum Gedanken über ihre Wurzeln macht. Seidels jüngster Streich ist gerade als Taschenbuchausgabe im dtv-Verlag erschienen und stellt die Frage: "Woher kommt das schwarze Schaf?"

Amüsante Wissensvermehrung

Es ist, wie auch die Vorgängerbände, ein Buch, das einen ebenso viel lehrt wie gut amüsiert. Manches freilich kann man auch in jedem Konversationslexikon finden, hätte also nicht unbedingt Eingang finden müssen in dieses linguistische Kuriositätenkabinett. Dazu gehören etwa die Wortzusammenstellung unter dem Stichwort "Kultur & Medien" oder die Begriffe aus Wissenschaft und Technik. Manche Ausdrücke werden nur beschrieben, ohne ihre Herkunft zu erläutern, etwa die "Schwarze Liste" (die gar nichts mit der entsprechenden Farbe zu tun hat). Und die "blaue Stunde" sucht man gleich ganz vergebens.

Dafür erfährt der wissbegierige Leser jedoch, was es mit dem "Hängen und Würgen" sowie "Haut und Haar" auf sich hat. Soviel sei verraten: Beides ist für den, den es trifft, nicht angenehm.

Moses und das schwarze Schaf

Und woher kommt nun das schwarze Schaf? Das hat einen verblüffend einfachen Grund. Schwarze Schafe waren bei den Schäfern nicht beliebt, weil deren Wolle nicht zu verwerten war. Deshalb wurden sie aussortiert. Das wurde dann – übrigens direkt aus der Bibel, was man im ersten Buch Mose nachlesen kann – auf den Menschen übertragen, der sich nicht in die Gemeinschaft einfügen will, sowohl im positiven als auch im negativen Sinn.

Wolfgang Seidel, Woher kommt das schwarze Schaf? Was hinter unseren Wörtern steckt. Deutscher Taschenbuch Verlag 2011, 272 Seiten, 9,90 Euro.