Wohnen im Boardinghaus

Ein Serviced Apartment ist eine günstige Alternative zum Hotelzimmer

Geschäftsreisende und Jobnomaden, die für längere Zeit fern der Heimat leben und arbeiten müssen, entdecken die Vorzüge der Boardinghaus-Suiten.

In Deutschland heißen die Unterkünfte für Langzeit-Gäste Boarding- oder Apartmenthäuser, Aparthotels, Residences oder All-Suite-Hotels. Sie punkten zumeist mit viel Komfort, großzügig geschnittenen Zimmern und Suiten und Übernachtungspreisen, die je nach Dauer des Aufenthalts variieren. In der Regel gilt: Je länger man bleibt, desto günstiger wird's. Einige Boardinghaus-Anbieter fordern deshalb von ihren Gästen eine Mindestaufenthaltsdauer. Der Gast findet in den Serviced Apartments, wie die Unterkünfte im angelsächsischen Raum offiziell heißen, eine Reihe von Annehmlichkeiten, die er von zu Hause kennt: eine voll ausgestattete Küche oder zumindest eine Küchenzeile, einen abgetrennten Wohn- und Arbeitsbereich, ein großes Bad, Unterhaltungselektronik sowie einen Abstell- manchmal gar einen Kellerraum. „Neben der Ausstattung spielt das Vorhalten von Serviceangeboten eine bedeutende Rolle im Geschäft mit den Serviced Apartments“, weiß Marktexperte Achim Georg, Inhaber des gleichnamigen Consultingbüros in Hamburg. So bieten die meisten Boardinghäuser gegen Gebühr auch Serviceleistungen wie Bringdienste, Einkäufe, Reinigung und Frühstück. Im Zimmerpreis enthalten sind in aller Regel eine wöchentliche Grundreinigung und ein wöchentlicher Wäschewechsel.

13.000 Serviced Apartments in Deutschland

Die Nachfrage nach den Apartments auf Zeit steigt. Häufig sind es Jobwechsler, Pendler und Geschäftsreisende, die für längere Zeit fern der Heimat leben und arbeiten müssen und denen ein herkömmliches Hotelszimmer auf Dauer zu eng und unpersönlich ist. In vielen renommierten Projektentwicklungen wie dem Beisheim Center am Potsdamer Platz in Berlin, dem Eurotheum in Frankfurt oder den Lenbachgärten in München wurden Serviced Apartments deshalb als unverzichtbarer Bestandteil berücksichtigt. Auch viele Hotelketten wie NH Hoteles, Marriott oder Lindner betreiben mittlerweile Boardinghäuser oder bieten Serviced Apartments an. Deutschlandweit soll es zur Zeit rund 13.000 Einheiten geben. Rund 75 Prozent des Apartmentangebotes, weiß Immobilienexperte Achim Georg, werde durch reine Boardinghäuser offeriert, der Rest entfalle auf Mischformen. Zumeist seien dies Hotelbetriebe, die ebenfalls vom Trend des Wohnens auf Zeit profitieren wollen und einen Teil ihrer Zimmer für den längerfristigen Aufenthalt eingerichtet haben.

Durchschnittlich 43 Euro pro Nacht

„Die Preisgestaltung eines Boardinghauses hängt wesentlich von der Aufenthaltsdauer des Gastes ab“, so Achim Georg. Nach seinen Ermittlungen – befragt wurden rund 200 Boardinghaus-Betreiber in fünf deutschen Großstädten - liegen die Listenpreise im Langzeitbereich (> 4 Wochen) ungefähr 35 bis 55 Prozent unter denen des Kurzzeitbereichs, nämlich bei durchschnittlich 43 Euro pro Nacht. Dennoch ist in deutschen Boardinghäusern bislang eher der kurzfristige Aufenthalt (1 bis 4 Wochen) die Regel. Grund: Anders als in den USA, wo Menschen aus beruflichen Gründen zum Teil jahrelang in Serviced Apartments leben, sind längerfristige Geschäftsreisen oder häufige Jobwechsel in Deutschland eher noch die Ausnahme.

Bekannte Anbieter von Serviced Apartments

Derag Hotel an Living

15 Häuser in Berlin, Bochum, Bonn, Düsseldorf, Frankfurt, Karlsruhe, München, Nürnberg, Weimar, Wien

Mindestaufenthalt: 5 Tage

Preisbeispiele: 91 Euro/Nacht im Einzel-Apartment (ab 5 Nächten), 68 Euro/Nacht im Derag Hotel Großer Kurfürst, Berlin (ab 15 Nächten)

Suitehotel

20 Häuser in Europa, davon vier in Deutschland (Hamburg, Berlin, Hannover, München)

Mindestaufenthalt: Bei vier Nächten gibt es eine Gratis-Übernachtung

Preisbeispiele: Je nach Hotel zwischen 81 Euro und 133 Euro/Nacht für eine oder zwei Personen Langzeitraten (ab 49 Euro/Nacht) gelten ab 30 aufeinander folgenden Nächten

Lindner Boardinghouses

Sechs Häuser in Deutschland (Düsseldorf, Frankfurt, Leipzig)

Mindestaufenthalt: Eine Woche in Düsseldorf, vier Wochen in Leipzig und Frankfurt

Preisbeispiele: 350 Euro/Woche im Lindner Boardinghouse Messe Residence, 3.100 Euro/Monat im Lindner Hotel & Residence Main Plaza (ab sieben Monaten Aufenthalt)

Karin Faulstroh, Karin Faulstroh

Karin Faulstroh - Wie man gute Artikel schreibt und die richtigen Fragen stellt, habe ich nach meinem Studium in einem kleinen Verlag in Hamburg-Altona ...

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