Wohnen wie ein richtiger Millionär oder Luxus für Hussler?

Marco Polo Tower mit Unilevergebäude - Thomas Franke
Marco Polo Tower mit Unilevergebäude - Thomas Franke
Der Artikel gibt einen Einblick über den Versuch, die teuersten Luxuswohnungen der Hansestadt Hamburg zu vermarkten.

Hamburg hat seit kurzem einen auffälligen Betonturm vorzuweisen, gebaut am Elbufer, unweit der milliardenschluckenden Elbphilharmonie. In der Presse angekündigt als exklusiver Wohnturm wo Millionäre ein- und ausgehen, wirkt der Turm der Behnisch Architekten auf den ersten Blick eigenwillig, aber nicht unbedingt exklusiv und erinnert eher an einen aufgestellten Eierschneider. Dass der Turm den Namen des venezianischen Händlers Marco Polo hat und direkt am Wasser steht, gibt ihm auch kein südländisches Flair. Der Bauherr hat sich auch in Marco Polo umbenannt, dahinter steckt ein Konsortium von Hochtief Projektentwicklung und DC Residential.

8 Millionen Euro für einen schwulen Edelpuff?

58 Wohnungen zwischen 55 und 380 Quadratmetern stehen zum Verkauf , angesiedelt zwischen 3500 und 11.500 Euro pro Quadratmeter. Die Ausbaukosten kommen dann noch oben drauf und verdoppeln den Kaufpreis, da der Käufer nur einen Rohbau erwirbt. Wer die Penthousewohnung im obersten Geschoss erwerben möchte, muss einen Kaufpreis von 8 Millionen Euro auf den Tisch legen. Um diese Luxusimmobilien zu vermarkten, hat man sich eine amerikanische Strategie abgeschaut. Man lässt durch Innendesigner den Rohbau ausgewählter Wohnungen komplett einrichten, so dass die Imagination der Besichtigenden inspiriert wird. So wie früher die Tupperwaren-Partys abgehalten wurden, organisiert man eine Immobilienverkaufs-Party, lädt potentielle Käuferinteressenten ein und hofft auf das Glücksgefühl der Geladenen durch Fingerfood, Champagnerlaune und gechillter Musik im Hintergrund. Das Innendesign der zu besichtigenden Wohnungen könnte unterschiedlicher nicht sein. Einige wirken wie Museumsräume, in denen man sich kaum zu bewegen traut, andere wiederum geben sich wie ein schwuler Edelpuff und andere versuchen mit Witz und Pfiffigkeit der Eleganz etwas entgegenzuhalten. Keines der Designs lädt wirklich zu einem lebendigen Lifestyle ein, wo man sich vorstellen kann, dass hier ungezwungen Kinder spielen oder ein trautes Familienleben stattfinden könne. Es wird eher ein Lifestyle von Erotik und Luxus verkauft. Ob so das Leben eines Millionärs aussieht, sei dahingestellt. Es wird eher der Eindruck erweckt, dass man hier mit Träumen spielt, entlehnt aus der Hollywoodschublade, mit der Konsequenz, ein Käuferklientel anzusprechen, die gern Millionär wären, es aber gar nicht sind.

Wohnlandschaft per Helikopter?

Wie steht es mit der Wohnqualität im Luxusdesignerturm? Wenn man den Marco Polo Tower betritt, kommt man in eine große Empfangshalle, wo der Concierge die Besucher und Bewohner freundlich empfängt. Man geht dann weiter zu den Fahrstühlen die trotz der Warnschilder "Strafgeldandrohung für unbefugte Nutzung" von den Baufirmen als Fördermittel genutzt werden. Dementsprechend dreckig sehen sie auch aus und das, obwohl schon 30 Prozent der Wohnungen bewohnt werden. Da kann man nur hoffen, dass sich das in Zukunft ändert. Viel wichtiger sind nicht mehr rückgängig zu machende Fehlplanungen. Es gibt keine Müllräume auf den Etagen und nur zwei wirklich sehr kleine Fahrstühle (man muss also als Millionär täglich vom 13. Stock seinen Müll ins Erdgeschoss transportieren). Die Fahrstühle sind so winzig ausgefallen, dass man eine normale Couch mit zwei Meter Länge nur über das Treppenhaus in die Wohnung bekommt und dies auch nur mit sehr viel Schwierigkeiten, da das Treppenhaus ebenfalls eng ausfällt. Gar nicht auszudenken, wenn jemand eine Wohnlandschaft wünscht, die heutzutage bei fast jedem Studenten in der Wohnung steht, diese müsste dann per Helikopter angeliefert werden.

Wenn Sie die Tiefgarage nutzen wollen benötigen Sie einen zusätzlichen Chip, ihr Wohnungsschlüssel der auch für ihren eigenen Keller passt, passt leider nicht bei den Kellerräumen die zur Tiefgarage führen. Für den Briefkasten bekommen Sie auch einen extra Schlüssel, so dass insgesamt drei Schlüssel notwendig sind. In hochpreisigen Immobilien ist heutzutage Standard, alles mit ein- und demselben Schlüssel abzudecken.

Ein Gebäude am Wasser zu bauen hätte vielleicht auch Fliegen-und Mückennetze an den Balkontüren berücksichtigen sollen. Und die Beleuchtung der Balkonterassen einzig und allein über kleine Designerlampenschläuche am Geländer vorzunehmen, gibt zwar ein interessantes Licht für Leute, die von unten auf den Turm schauen, ist aber unzweckmäßig für den Bewohner.

Weltniveau oder Luxusfake?

Wenn man den Lifestyle des Klientels kennen würde der für diese Preisklasse angedacht ist, wäre hier sicher etwas mehr Umsicht in der Architektur und dem Service zu erwarten gewesen. In den USA und Kanada steht ein Conciergedienst für die teuersten Wohnungen einer Weltstadt rund um die Uhr zur Verfügung. Der Concierge des Marco Polo Towers geht täglich um 16 Uhr nach Hause, Sonntags bleibt er gleich den ganzen Tag daheim. Das ist auch nicht wettzumachen mit der Kompetenz der beiden wirklichen sehr umsichtigen und sich abwechselnden Concierges Peter Zahn und Dirk Bossmann, die u.a. jahrzehntelange Erfahrung aus dem Park Hyatt und Atlantic Kempinski Hotel einbringen. Aber was nutzt ein Conciergedienst als Sicherheitssegment, wenn die Tür auf der Rückseite des Turms Tag und Nacht unverschlossen ist und jeder beliebige Passant in das Haus gelangen kann. Kein amerikanischer Millionär, der Wert auf Security legt, würde auch nur einen Fuß in den Turm setzen.

Juwelenhändler als Namenspatron

Die Architekten begründen ihre Namensgebung durch die asymmetrisch verdrehte Form und das Zusammenspiel organisch geschwungener Terrassen, die an die abenteuerlichen Reisen Marco Polos erinnern sollen. Als Polo 1295 von seiner Orientreise zurückkehrte, brachte er Edelsteine und viel Erfahrungen mit. Wer einen preisverdächtigen Betonturm für Millionäre in eine Weltstadt baut, braucht auch Erfahrungen und hätte doch vorher eine Reise tun sollen, um zu schauen, wie solche Projekte in andern Weltstädten schon hervorragend funktionieren. Als Edelstein konzeptioniert bleibt nun doch nur ein Betonturm, der nur schwer Weltruhm erlangen wird. Glücklicherweise gibt's noch genügend Millionäre in der Hansestadt, die nicht nach amerikanischem Millionärs-Lifestyle leben und die sich mit einer neuen Hussler Brutstätte zufriedenstellen lassen.

Abschliessend sei noch das Highlight des Marco Polo Towers erwähnt - seine Webseite. Wer hier mal schaut, bekommt eine Idee, wie das Konzept hätte sein sollen.

Wer Interesse daran hat, das Wohngefühl von Hamburgs teuersten Wohnungen kennenzulernen, der sollte sich beeilen, um den momentan noch sehr schönen freien Blick auf die Elbe und die Elbphilharmonie zu sichern. Den Hafengeburtstag oder Jahreswechsel von der Terrasse zu genießen ist schon ein atemberaubendes Erlebnis. All dies wird ab 2012 nur noch eingeschränkt möglich sein, denn dann baut man direkt in die Sichtachse einen weiteren siebengeschossigen Betonklotz. Da bleibt dann nur die Hoffnung, dass die Millionäre die Weitsicht für die wirklich wichtigen Dinge im Leben nicht vergessen.