Wohnmobilreise nach Irland

Campingplätze, Touren, Ausflüge: unterwegs auf dem Ring of Kerry

Irlandreise - Volker Hammermeister
Irlandreise - Volker Hammermeister
Sie kennen dieses Bild von der grünen Insel mit den saftigen Wiesen, den wippenden Moorlandschaften, den goldgelben Stränden? Es stimmt.

Denn gerade eben war der Blick vom Stellplatz hinter der Düne in die Bucht von Cahersiveen im Süden von Irland noch frei und der Blick folgte einer Yacht, die an einer überwucherten Ruine vorbei Richtung Norden segelte. Dann zog am Horizont ein gewaltiger Schauer vom Doulus Head zur Valencia Island, in dem sich das Abendlicht brach. Eine unwirkliche Welt im dunstigen Zwielicht, denn es fiel bei ablandigem Wind kein einziger Tropfen. Und ein paar Minuten später war der Spuk wieder vorbei. Die Sonne kam noch einmal hervor. Und die Natur wirkte wie frisch geputzt. Saftiges Grün stand im Kontrast zu grauem Fels und blauem Meer. Rote Fuchsienhecken säumten den Weg, unterbrochen von orange leuchtenden Mombretien. Violette Erika und gelber Ginster setzten freche Farbkleckse.

Spontane Jam-Sessions in Cahersiveen

Dabei war dieses Schauspiel nur das Präludium der Abendveranstaltung. Die Rede ist von dem Campingplatz „Mannix Point“, wo der ehemalige Lehrer Mortimer Moriaty mit einem Charakterschädel wie Kojak liebevoll und nachdrücklich nach dem rechten sieht, immer umgeben von einer würzigen Tabakwolke aus seiner Pfeife. Zu den Besonderheiten hier zählt aber nicht nur die dezente Klassikmusik beim Duschen. Denn heute wird der Aufenthaltsraum brechend voll sein, weil im August während des großen Cahersiveen Festival of Music & the Arts einige der Künstler auf dem Platz übernachten. Dann gehören spontane Jam-Sessions zum Programm. Und wenn dann später die Flasche Tullamore Dew kreist, verrät der Chef, dass er eigentlich Muircheartach Seosamh Breandan O'Muircheartaigh heißt.

Ein paar Regenschauer täglich auf dem Ring of Kerry gehören dazu

Ausflüge werden in Irland am besten unabhängig vom Wetter geplant. Ein paar Regenschauer täglich gelten als normal. Und der Wetterbericht kennt eigentlich nur zwei Varianten: entweder „Sonne mit Regen“ oder „Regen mit Sonne“. Als besonders schön gilt im Süden Irlands der Ring of Kerry, ein knapp 200 Kilometer langer Rundkurs, der traditionell in Killorglin beginnt und in Kenmare endet. Doch scheint das Kriterium für die Attraktivität der Cash & Kerry-Route die gute Befahrbarkeit der Straße zu sein. Denn richtig schön wird es eigentlich erst dort, wo Busse eigentlich nicht kutschieren dürfen, etwa auf dem Skellig Ring, der südlich von Caherseveen über Portmagee Richtung Waterville führt.

Steigungen von mindestens 18 Prozent weisen untermotorisierte Fahrzeuge sofort in ihre Schranken. Die Außenspiegel rasieren die Hecken, wohlgemerkt auf beiden Seiten. Ein paar hundert Meter Rückwärtsfahren droht bei Gegenverkehr. Als Belohnung sind aber phantastische Panoramen garantiert: Da hinten im blauen Dunst liegt irgendwo Amerika. Und die nächste Kurve gibt den Blick frei auf das letzte Festland vor Manhattan, die bizarren Felsspitzen der Skellig Rocks.

Sturmzerzauste Einsamkeit der Skelligs

Knapp eine Stunde dauert der Ritt im kabbeligen Wellenmeer zu den fast 20 Kilometer entfernten Inseln. Immer wieder verschwindet die Nuss-Schale mit ihren zwölf Passagieren zwischen den Wasserbergen. Die einzigen Konstanten sind ein 300-PS-Diesel, der beruhigend vor sich hin tuckert und der seelenruhige Kapitän, der seine bleichen Gäste freundlich anlächelt: „Everything’s okay?“ In diesen Gewässern ist immerhin die spanische Armada mit Mann und Maus untergegangen.

Auf den Inseln siedelte einst eine Handvoll Mönche, die in strenger Klausur das Himmelreich auf Erden herbeisehnten. Sie zogen sich in die sturmzerzauste Einsamkeit der Skelligs zurück und lebten von Kräutern, Vogeleiern und dem Regenwasser, das sie auf dem quellenlosen Eiland sammelten. Doch waren sie immer noch ein attraktives Ziel für die Wikinger, die im neunten Jahrhundert mit schwieligen Fäusten und schartigen Streitäxten alle nordischen Küsten tyrannisierten. Auch die Skelligs wurden mehrmals überrannt, die wehrlosen Mönche umgebracht oder als Geisel für Lösegeld verschleppt. Der Anlage konnte dieser schaurige Besuch nichts anhaben. Noch immer führen 670 Stufen hinauf zu den faszinierenden steinernen Bienenkorb-Hütten der Gottesdiener, deren Dächer bis heute keinen Regentropfen durchlassen.

Höhenbarrieren an allen Aussichtspunkten in Irland

Apropos Unterkunft: Freies Stehen mit dem Wohnmobil ist in Irland verboten. Aus Angst vor dem fahrenden Volk, den Tinkern, hat praktisch jeder schöne Parkplatz eine Höhenbarriere. Das gilt auch für Aussichtspunkte. Nur, wer den Landbesitzer um Erlaubnis fragt, darf auf privatem Gelände frei stehen. Dieser Aufwand lohnt sich kaum für eine Nacht.

Die Alternative sind Campingplätze. Doch selbst preisgekrönte Anlagen bieten nicht den Komfort, den man vom Kontinent her gewöhnt ist. Das betrifft weniger die eigentlichen Parzellen, die häufig sehr schön und witterungsgerecht eingerichtet sind und beispielsweise über geschotterte Parzellen, so genannte Hard-Stands, verfügen. Aber Einzel-Waschkabinen etwa sind völlig unbekannt, erst recht Miet-Badezimmer, auch Angebote wie eigene Restaurants oder Hallenbäder.

Aber was nützt die beste Einrichtung, wenn die Stimmung fehlt? Und Mortimer kann es mit jedem Minigolf-Platz, Bistro oder Abenteuer-Spielplatz locker aufnehmen.

Auswahl an irischen Campingplätzen

Cahersiveen, County Kerry: Der Camping „Mannix Point“ bietet 42 Stellplätze. Sie sind geschottert, eben und liegen teilweise direkt am Meer.

Blarney, County Cork: Der Caravan & Camping Park liegt drei Kilometer oberhalb von Blarney auf einem ehemaligen Bauernhof. Prima Burg-Blick. Info: Telefon 00 35 32 14 51 65 19.

Ballylickey, County Cork: Der Campingplatz „Eagle Point“ liegt weitläufig lang gestreckt auf einer eigenen Landzunge mit vielen kleinen Badebuchten.

Fethard-on-Sea, County Wexford: Zwei Kilometer sind es bis zum Strand vom Campingplatz „Ocean Island“, der mit 42 Stellplätzen aufwartet. Info: Telefon 0 03 53 51 39 71 48.

Volker Hammermeister, Volker Hammermeister

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