Wohnraumanpassung für Menschen mit Demenz

Dementen zu Hause Orientierung geben und Sicherheit schaffen

80 Prozent aller Demenzkranken leben zu Hause. Praktische Wohntipps, damit sie dort gut zurechtkommen, sich wohl fühlen und möglichst gefahrlos leben können.

Für Angehörige ist es jeden Tag eine Herausforderung, mit den krankheitsbedingten Verhaltenweisen eines Menschen mit Demenz klarzukommen. Sich selbst immer mehr zu verlieren, verunsichert und ängstigt demente Menschen, macht sie abwechselnd traurig und passiv oder unruhig und aggressiv. Die richtige Gestaltung der Wohnung hilft dabei, ihnen Orientierung zu geben, ihre Ängste abzubauen und für Sicherheit zu sorgen.

Die eigene Wohnung als Gedächtnisstütze für Demenzkranke

Weil der Aktionsradius immer kleiner wird, gewinnt die eigene Wohnung immer mehr an Bedeutung: Sie ist so vertraut, dass sie einem Menschen mit Demenz noch lange als Gedächtnisstütze dienen kann. Dies lässt sich erreichen, indem man regelrechte Erinnerungsecken darin schafft:

  • Familienbilder und Porträts der engsten Angehörigen aus unterschiedlichen Lebensphasen
  • Erinnerungs- oder Sammelstücke, alte Briefe, Poesiealben, Fotoalben, Bildbände
  • Dinge, an denen der Demenzkranke sein Leben sehr hing oder mit denen er täglich zu tun hatte – sie sind auch Stichwortgeber bei der so genannten Biographiearbeit.

Sind solche Plätze mit einem Stuhl oder Sessel ausgestattet, lädt dieser zum Verweilen ein, zum Erinnern und Erzählen. Sie geben ein Stück Geborgenheit und Sicherheit und können so für die ruhelosen Wanderer und Suchenden ein Haltepunkt oder ein Rastplatz sein. Auch der gemütliche Sessel am Fenster mit Blick auf das Geschehen vor dem Haus ist so eine einladende „Station“. Ebenfalls ein probates Mittel gegen „Weglauftendenzen“ sind auffällige Aktivitätszonen wie etwa ein Tisch, auf dem Wäsche zum Zusammenlegen wartet oder ein Bügelbrett, ein Tablett mit Dingen zum Sortieren oder zum Be-greifen.

Hilfen zur räumlichen und zeitlichen Orientierung schaffen

Die Orientierung innerhalb der Wohnung kann erleichtert werden, in dem man Türen gut verständlich kennzeichnet, einfach offen stehen lässt oder ganz entfernt. Der Inhalt von Schränken muss nicht immer und immer wieder durchwühlt oder untersucht werden, wenn man große Fotos vom Inhalt macht und außen befestigt oder - wenn es praktikabel - ist die Türen aushängt. Jahreszeitliche Dekorationen, große Uhren mit arabischen Zahlen und Abreißkalender helfen bei der zeitlichen Orientierung.

Untersuchungen haben gezeigt, dass eine optimale, blendfreie, also indirekte und warme Ausleuchtung aller Bereiche mit einer Lichtstärke von 500 Lux sich positiv auf das Wohlbefinden von demenzkranken Menschen auswirkt. Außerdem sorgt eine gute Wohnraumbeleuchtung im Alter grundsätzlich für die nötige Trittsicherheit.

Seniorengerechte Wohnungsanpassung ist der erste Schritt

Bei allen Anpassungen sollten Angehörige immer darauf achten, dass möglichst behutsam und unauffällig verändert wird. So lassen sich die Anlässe für Irritationen, Unruhe und Angst beim dementen Familienmitglied reduzieren. Seine/ihre schwindenden Alltagskompetenzen machen es aber trotzdem nötig, die Wohnung, Küchentechnik und sanitäre Anlagen sicher zu machen. Dazu gehört, die Wohnung grundsätzlich seniorengerecht zu gestalten:

  • Stolperfallen beseitigen: Türschwellen, Schienen, Leisten, Kabel, Leitungen, Übergänge zwischen unterschiedlichen Bodenbelägen, Teppichen und Läufern
  • Glatte Flächen durch griffige, trittsichere, aber vor allem blendfreie Beläge ersetzen. Blendungen und Spiegelungen auf dem Boden können demente Menschen verunsichern und panische Angst auslösen, ebenso kontrastreiche Muster, Striche oder Balken (Türschwelle). Sie sorgen oft dafür, dass die Betroffenen an dieser Stelle halten und den „Balken“ nicht überschreiten. Offene Treppen, durch deren Stufen man nach unten sieht, können Ängste auslösen und damit eine Totalverweigerung – da genügt es, den Durchblick zu verhindern (Tücher oder Pappen).
  • Handläufe, Griffe und Haltestangen anbringen und dabei auf gute Kontraste achten: Rote Griffe an hellen Badfliesen, heller Handlauf vor dunkler Wand.
  • Elektrogeräte (Kaffeemaschine) mit einer Zeitschaltuhr versehen und mit Steckdosensicherungen den Einsatz von Elektrogeräten (Toaster) erschweren, Herd mit Abschaltautomatik anschaffen.
  • Überlaufschutz an Wanne und Waschbecken sowie Rauchmelder anbringen, um Angehörige zu alarmieren. Der Warnton kann allerdings Panikreaktionen bei Demenzkranken auslösen.
  • Schwerentflammbare Bettwäsche für rauchende Demenzkranke anschaffen, Babyphon und Nachtlichter im Schlafzimmer installieren.
  • Hilfsmittel wie Treppenlifte, Badewannenlifter oder Rollatoren nur einsetzen, wenn die Anwendung klar ist und keine Ängste auslöst.
  • Ein farbiger Toilettensitz hilft, das WC zu erkennen, eingefärbtes Toilettenwasser verhindert eine Verwechslung mit dem Waschbecken. Keinen Abfalleimer im Bad aufstellen, es besteht Verwechslungsgefahr mit WC.
  • Spiegel und Fernsehgeräte im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit verhängen oder entfernen, weil Demente ihr Spiegelbild oder Personen im TV-Gerät als fremde und bedrohliche Eindringlinge wahrnehmen. In den ersten beiden Phasen der Krankheit aber empfehlenswert: Filme für Demenzkranke.
  • Putzmittel, Hygieneartikel, Medikamente, Scheren und Messer sorgfältig wegschließen

Angehörige von Dementen brauchen eigene Bereiche in der Wohnung

Wenn Angehörige zusammen mit einem demenzkranken Menschen wohnen, gibt es möglicherweise auch Bereiche, die dieser nicht betreten soll. Da helfen einfache Tricks: Der bereits erwähnte breite, kontrastreiche, dunkle Balken kann demente Menschen stoppen. Außerdem muss alles, was interessant ist, im Hellen liegen. Alles, was nicht interessieren soll, wird im dunklen Bereich platziert: Der PC-Arbeitsplatz verschwindet hinter einem dunklen Vorhang, die Eingangstür zum getrennten Schlafzimmer wird verkleidet mit Tapete oder hinter einem dunklen Vorhang „versteckt“.

Hängen besonders ansprechende Bilder - gut beleuchtet - neben dem dunkel gehaltenen Wohnungseingang, wird die Aufmerksamkeit von der Tür abgelenkt. Die Betroffenen dürfen allerdings nicht das Gefühl bekommen, eingesperrt zu sein. Denn das kann wiederum zu nachhaltigen Panikattacken führen. Wer aber trotzdem wissen möchte, ob gerade jemand durch die Wohnungstür nach draußen verschwindet, sollte ein Glockenspiel dort anbringen, das alarmiert, sobald die Tür sich öffnet.

Weil die fortschreitende Krankheit immer mehr die Fähigkeiten der Betroffenen einschränkt, müssen Angehörige laufend überpüfen, ob die Anpassungsmaßnahmen tatsächlich noch sinnvoll sind oder „nachjustiert“ werden, müssen, damit der demente Mensch weiterhin damit zurechtkommt.

Marion Seigel, (Foto: Martin Seigel)

Marion Seigel - Marion Seigel ist Fachjournalistin, PR-Beraterin und Referentin - sie betreibt das journalistische Handwerk, ...

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