
- Wolf Erlbruch: Ente, Tod und Tulpe. Miniausgabe. - © Verlag Antje Kunstmann
Wolf Erlbruch ist Illustrator und Kinderbuchautor, seinen Strich erkennt man auf den ersten Blick. Im März 2007 veröffentlichte er mit Ente, Tod und Tulpe ein Buch, das seitdem in mehreren Ausstattungen immer wieder neu aufgelegt wird, zuletzt im März 2010 in einer Miniausgabe, die man immer dabei haben kann. Und das lohnt sich auch, denn die Geschichte behandelt auf eine ganz besondere Weise ein Thema, dem wir uns gerne nicht stellen, dabei ist es unausweichlich: Das Leben besteht nicht nur aus Jubel, Trubel, Heiterkeit - auch Sterben und Tod sind Teile davon. Dies für sich anzuerkennen, wird leichter und tröstlicher mit Erlbruchs Buch.
Ente, Tod und Tulpe reichen aus, um ein großes Thema der Menschheit zu beschreiben
Die Protagonisten des Buches, Ente, Tod und Tulpe hatte Wolf Erlbruch ursprünglich als Lesezeichen erschaffen, erst Jahre später bekommen sie von ihm eine Geschichte auf den Leib geschrieben. Und diese schafft es, ein äußerst schwieriges Thema umfassend zu beleuchten und das auf nur 32 Seiten.
Wer vor dem Lesen des Buches geglaubt hat, dass zum Thema Tod und Sterben nun wirklich schon alles gesagt ist, der irrt. Mit einer minimalistischen Zeichensprache und einer recht kurz gehaltenen Geschichte, wird das Thema Sterben von Erlbruch ganz ohne Tabuisierung, Schuldzuweisung und Antwortreflex behandelt. Es zeigt das Sterben als unausweichlichen Teil des Lebens, der akzeptiert werden sollte und von der Ente auch wird. Sicherlich kommt ihr dabei zu Gute, dass der Tod bei Erlbruch keine besonders angsteinflößende Gestalt ist - er ist so groß wie die Ente, mit einem einfachen Kittel bekleidet und selbst der Totenschädel wirkt nicht abschreckend. Und er ist - und das verwundert zunächst am meisten - ein sehr freundlicher Geselle. Die Ente akzeptiert seine Gegenwart daher schnell und nutzt die Zeit mit dem Tod, um ihr Leben nochmal aus einer anderen Perspektive zu sehen und Abschied zu nehmen. Sie stellt die Fragen nach dem Warum, nach Himmel und Hölle und wie die Welt ohne sie aussehen wird. Erfreulicherweise gibt der Tod aber keine erklärende oder gar beschwichtigende Antwort auf diese Fragen, sondern macht klar, dass es nicht sein Geschäft ist, Befürchtungen und Vorstellungen zu schüren, zu bestätigen oder gar zu verneinen.
Die Freundschaft zwischen Ente und Tod rührt an, genau weil es eine so seltsame Kombination ist. Und diese Freundschaft lebt vom Miteinander - da wird zunächst geredet, dann das Leben miteinander geteilt, Gefühle werden gezeigt und über Wochen leben die beiden auch einfach nur bei- und miteinander. Das macht es sehr tröstlich, den Tod der Ente am Ende des Buches zwar erleben zu müssen, aber auch erleben zu können.
Ist es nun ein Kinderbuch oder doch ein Erwachsenenbuch?
Erschienen ist Ente, Tod und Tulpe im Kunstmann-Verlag als Kinderbuch, empfohlen ab einem Alter von sieben Jahren. Im Untertitel werden dann aber auch die Großen als potentielle Leser erwähnt. Im Buchladen findet man es, korrekterweise, an diversen Stellen. Es hat unbestreitbar seinen Platz in der Kunstabteilung, aber auch bei den philosophischen Büchern ist es gut aufgehoben, es gehört in die Kinderabteilung, aber auch in die Regale von Psychologie und Lebenshilfe. Denn all diese Themen werden mit der kurzen Geschichte angesprochen.
Kinder sollten dieses Buch eher nicht allein lesen, denn es bietet durch seine Sparsamkeit der Mittel viele freie Flächen für eigene Gedanken und Gefühle, was vom Autor auch so gewollt ist, aber je nach Kind auch Lesebegleitung erfordert. Die gemeinsame Auseinandersetzung mit den gestellten Fragen und das Nachdenken über eigene Vorstellungen kann Erwachsene und Kinder anhand des Buches aber eben auch in einen Dialog bringen. Tod und Abschied werden ja oft nur dann angesprochen, wenn es einen Todesfall in der näheren Umgebung gibt. Aber nicht jeder Erwachsene ist dann in der Lage, auf die kindlichen Bedürfnisse in dieser Zeit sinnvoll einzugehen.
So ist es im Grunde ein Buch für die ganze Familie - ein Denkanstoß für Gespräche mit den Kindern und eine Reflexionsmöglichkeit für Erwachsene. Kinder können Situationen, auf die sie vorbereitet sind, meist besser bewältigen, dazu kann das Buch genutzt werden. Aber auch, wenn geliebte Menschen sterben, ist dieses Buch sehr hilfreich. Denn es ist, bei aller Schwere des Themas, unglaublich tröstlich.
"Etwas war geschehen." - das fühlt man deutlich nach dem Lesen dieses Buches.
Wolf Erlbruch: Ente, Tod und Tulpe. Verlag Antje Kunstmann GmbH 2010. Miniausgabe. Gebunden, 32 Seiten. ISBN: 978-3-88897-657-5. Euro 9,90.
Bildnachweis: © Verlag Antje Kunstmann GmbH
