Wolf Wondratscheck mit neuem Buch "Das Geschenk" in München

Wolf Wondratschek-Lesung in München - Mieth
Wolf Wondratschek-Lesung in München - Mieth
Schriftsteller Wolf Wondratschek stellte sein neues Buch "Das Geschenk" am 9. Juni 2011 in der Schwabinger Buchhandlung vor. Die Lesung war ausverkauft.

Das neue Buch "Das Geschenk" knüpft an die berühmte Geschichte aus dem Jahr 1974 an. Der Schriftsteller Wolf Wondratschek stellte es in der Lesung am 9. Juni 2011 in der Schwabinger Buchhandlung Lehmkuhl vor. Sein alter Held „Chuck" ist zugleich auch sein neuer Held, nur ist dieser reifer geworden und hat sich selbst ein Geschenk gemacht. Einen Sohn. "Chuck war Kopf- und Papiermensch, aber auch Handwerker. Mit den Händen denken können, wäre ihm am liebsten." Wolf Wondratschek stellt in kleinen Episoden seinen Helden und andere Beispiele von Büchermenschen vor. Etwa den Tennisspieler, der in einem Buch liest, anstatt in seiner Pause eine Banane zu essen: „Er saß dort und las!“. „Nabokov, dessen Bücher er selbst richtig dirigierte, habe er im Stehen gelesen, bis Muskelkater in den Beinen, im Rücken, ja, sogar in den Armen auftrat.“ Daraus folgt: Poesie, Bleistifte und das Schreiben gehören zusammen.

Dann geht es um eine Geschichte, um einen Auftrag zum Schreiben. „Wer dafür zahlt, ist ein Pharmakonzern, für die Medikamente, werden die Krankheiten geschaffen.“ Wondratschek leitet seine Zuhörer in der akzentuierten Lesung zu seinem Helden Chuck. Der kannte eine, die war Urologin in einem Vorort Münchens. Einen Becher Urin in der Hand, begrüsste sie ihn in der Praxis. Sie war ein „knöpfesprengendes Weibsbild, brachte ein ganzes Männergefängnis zum Vibrieren. Wäre sie wenigstens hässlich gewesen.“ Und: "Viel konnte sie nicht anhaben unter dem bis zum Brustbein aufgeknöpften Arztkittel. Eine Frau, deren Schönheit zur Reise in die Poesie führte.“ Der Held des Buches hatte indes Fragen zu seinem Harnstrahl zu beantworten, während „glühende Klumpen seiner Gedanken in der Vorstellung über diese Frau durch seinen Kopf kreisten.“

Eingestreute Begriffe wie „Glotzen“ wechselt der Schriftsteller mit Lyrik ab

Wolf Wondratschek, Meister der poetischen Formulierungen, beschreibt die Szene in der Praxis: "Chuck sagte, mit den Augen tanzen können – sie verstand nicht.“ In der Schilderung dessen, "was wäre, wenn Chuck und diese Urologin zusammenkämen und der Beschreibung seines Helden, der sich auszieht und dabei Knopf für Knopf sein Hemd öffnet", lässt Wolf Wondratschek die heiße Szene von ihren Worten unterbrechen: “Wenn ich jetzt noch um ein Ejakulat bitten dürfte.“ Chuck, der fast seinen Kaugummi verschluckt hätte, war ratlos. Während die Urologin auf eine Tür zeigte, sagte sie: „Männer gehen da rein und machen es. Es liegen Zeitschriften aus.“ In der Schilderung dessen, ob er sie nicht doch packen, und sie indes ins Nebenzimmer verfrachten sollte, lässt Wondratschek seinen Helden sagen: „Und Sie halten sich da raus?“ Als Drehbuchautor wäre Chuck mit der Dramaturgie zufrieden, „aber hier im Behandlungszimmer standen sich jetzt zwei Feinde gegenüber – ein Mann und eine Frau. „Nun,“ sagte die Urologin, „nun“, sagte Chuck. Mehr war nicht, mehr stand nicht im Manuskript. „Er erhoffe, dass ihm gnädige Engel bei der Verrichtung seiner Arbeit zur Hand gingen.“

Gesund leben – ein Gedicht und eine Geschichte vom Fußball

„Ein Gedicht, ich weiß nicht, ob es gut ist. Ich lese es mal vor.“ Der Autor liest, das Publikum lacht. „Kein Zucker – überhaupt kein Zucker – rauchen ja, aber kein Zucker! Diese Frau – ja. Aber Hände weg vom Zucker!“ „Und weil wir hier in München sind, einen Text über den Fußballer Georg 'Katsche' Schwarzenbeck.“ Der war zuständig für alles Künstlerische: „Er traf, was rund ist, wirbelte herum, greift zu einem Buch.“ In dieser Lesung ist das Buch der Protagonist. Und die Zuhörer wollen noch mehr hören. Wolf Wondratschek muss dennoch zum Ende kommen. Das zweite Abschiedsstück beginnt mit den Worten „an die Liebe erinnern.“ „Lass dich fallen, lass dich in alle Himmelsrichtungen zu Boden fallen. Sie sehen, wie geschickt ich das mache, ich lese aus meinen Büchern, nicht aus dem Manuskript, damit Sie sagen, das ist in diesem Buch drin, das will ich haben."

Spaghetti, das ist ein Teller Freude, ein Teller Trost – Hommage an Italien zum Abschluss

Kapern oder grüner Pfeffer. „Das ganze Land ist eine Vision dieser Freude, hat meine Seele beruhigt und meine Sinne gereizt. Himmelschreiende Zufriedenheit steigt auf. Spaghetti – bin ich satt, mein Gott, bin ich satt.“ In beständigem Wechsel aus Lyrik und knapp formuliertem Ausdruck eilen die Texte mit sonorig-rauchiger Stimme Wolf Wondratscheks voran. Zu guter Letzt „Kleist“. Ausdruck Kleists war „Ach“. Wondratschek fand vier Möglichkeiten des „Achs“. „Ach, am Abend ein Wind, ach, die Hand im Haar eines Mädchens.“ Der Schriftsteller Wolf Wondratscheck entlässt seine Zuhörer mit persönlichen Widmungen in zahlreichen frischen Büchern, die ihm die treue Münchner Leserschaft in der Buchhandlung Lehmkul herüberreicht.

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Katti Mieth - Nach dem Studium Wirtschafts-und Gesellschaftskommunikation in Berlin lernte ich die Agenturarbeit kennen, wurde in den 80er Jahren ...

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