Wolf Wondratschek: Das Geschenk – eine Lesung in München

Wolf Wondratschek-Lesung in München - Mieth
Wolf Wondratschek-Lesung in München - Mieth
Wolf Wondratschek las am 9. Juni 2011 aus seinem neuen Buch "Das Geschenk" in der Münchner Buchhandlung Lehmkuhl. Es war wieder ausverkauft.

Wolf Wondratschek umarmt viele Gäste, die zur Schwabinger Lesung gekommen sind. Am Mikrofon angekommen, funktioniert es nicht: „Ich bevorzuge: ohne Mikrofon, die Kinder des Olymp, die auf der Treppe sitzen, die nach oben führt, werde ich auch ohne Mikrofon erreichen.“ Und: „Es sind so viele Leute, die meine Bücher kennen, so geht die Lesung auch ohne Mikrofon.“ Wolf Wondratschek is back! Der über Jahrzehnte bekannte Schriftsteller beginnt seine Geschichte zu erzählen, während hinter ihm ein Bücherturm umstürzt. Ein Zeichen? Er sei von 20 Jahren nach München gekommen und ständiger Gast des Café Capri gewesen. Die Buchhandlung Lehmkuhl lag daneben. „Ich wollte mich damals nicht viel bewegen, wurde Stammkunde von Lehmkuhl, wollte sehen, wo meine Bücher stehen." Der damalige Chef schien sie versteckt zu haben: „War Lyrik nicht angesagt? Ich war nicht Lieblingsautor.“ Der Schriftsteller beschreibt das Labyrinth, wohin man gehen musste, dorthin, wo Wondratscheks Gedichte standen. Während seine Literatur in New Yorker und Pariser Buchhandlungen „zum Greifen nah lag“, wurde sie hier in der Heimat an „einen Platz für Putzmittel“ verbannt. Erst als Wondratschek auflagenstarker Autor wurde und sich selbst verlegte, kam die Wende. „Ich folgte der Einladung der literarischen Bücherstube Lehmkuhl und las dort meine Gedichte.“ Die Lyrik ist jetzt „nach oben gewandert“, in der Buchhandlung und der Rangordnung. Unten ist es voll und es wird stickig werden. „Ich wollte nie in einer Stadt lesen, in der ich wohnte. Sind Bücher Stapelware, spielen sie etwas ein?" Was den Autor umtreibt, war am 9. Juni 2011 zu hören.

Rauchen verboten – das macht mir große Sorgen

Rauchen – diesen Text muss ich jetzt lesen." Der Schriftsteller erzählt von Komponist Anton Webern: „Im Haus wird nicht geraucht“, sagte seine Frau, schickte ihren Mann vor die Tür. Und im Jahr 1945 trug sich dann diese Geschichte zu. Als Webern draußen seine Zigarre, ein Beutestück illegaler Geschäfte, entzündete, wurde er erschossen. Als der amerikanische Schütze erfuhr, wen er da getötet hatte, nahm dieser sich später wegen der Gram um den Getöteten selbst das Leben. In der Hommage an das Rauchen leitet Wolf Wondratschek zum Kettenraucher Bernstein über, der ohne Zigarette explodiert wäre, führt hin zu dem angenehm-ruhigen Raucher George Tabori und erreicht später seine eigene Caféhausgeschichte. „In Caféhäusern, wo sich der Geist wie die Rauchschwaden bewegt und Robert Musil sagte, das Leben sei etwas Unangenehmes, mit der Zigarette komme man darüber hinweg", ist dieser Raum heute für Raucher verbotene Zone. "Hier kann heute kein Literat mehr, wie der hundertjährige Leopold Hawelka, die Zeit mit der Zigarette nutzlos verstreichen lassen.“ Stattdessen werden Bonbons und Kaugummi gereicht. Der Hotelchef des Imperial, Herr Moser, aber sagt: „Herr Wondratschek, Sie dürfen rauchen.“ Und der Autor antwortet: „Das ist gut.“ Der Schriftsteller hat drei Freunde: Kaffee, Zigaretten, eine Schreibmaschine. So entstehen Sätze, wie dieser: „Meine Existenz ist ein Glücksfall, eingetaucht in kosmische Stille." „Wo kann man diesen Text finden?“ fragt sofort eine begeisterte Zuhörerin. In der FAZ am Sonntag.

Das Geschenk – der neue Roman von Wolf Wondratschek

Der alte Held ist der neue Held. „Chuck“ aus Wondratscheks berühmtem Gedichtband "Chuck's Zimmer" aus dem Jahr 1974, ist heute 62 Jahre alt und hat sich selbst ein Geschenk gemacht. Doch dieses Geschenk, sein 14-jähriger Sohn, zeigt die gleichen Symptome, die den Vater einst zum Rebellen werden ließen. Der Junge möchte mit der Elternwelt nichts zu tun haben, motzt, hört nicht zu. Wiederholen sich die Geschichten in Generationen? Der Sohn bleibt trotz aller Verzweiflung des Vaters "Geschenk". In Wondratscheks neuer Erzählung zeigt Chuck viel Gefühl. In den frühen 68er Jahren überwog die Unabhängigkeit. Wolf Wondratschek beschreibt seinen Held: „Kann man sich diesen Mann in der Umarmung mit einer Frau vorstellen?“ Chuck ist ein Mann der Bücher. „Sein Vertrauen in die Literatur war grenzenlos, Puschkins Tatjana labte sich an den Romanen, Nabokov, Tolstoi und wie der es liebte, mit der Hand über eine Buchseite zu streichen." Frau war gleich Buch. „Wenn ich einer in die Augen schaue, sehe ich Rechtschreibfehler und Kommas“, lässt der Schriftsteller Wolf Wondratschek seinen Helden sagen. Vor dem Signieren der frischen Bücher gibt es noch ein Zitat mit auf den Weg: „Und doch dachte Chuck mit Wehmut an diese Bücher, die nie gelesen und gefressen worden sind." Sogleich werden die Bücher dem hungrigen Publikum gereicht und Wolf Wondratschek beschreibt mit persönlichen Widmungen die ersten Seiten.

Fotostudio München, All eyes on you

Katti Mieth - Nach dem Studium Wirtschafts-und Gesellschaftskommunikation in Berlin lernte ich die Agenturarbeit kennen, wurde in den 80er Jahren ...

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