Wolfsschanze: Führerhauptquartier im Zweiten Weltkrieg

Bunker in Wolfsschanze - Harald Rossa
Bunker in Wolfsschanze - Harald Rossa
Die Wolfsschanze bei Rastenburg war für rund 3 Jahre die Machtzentrale des NS-Regimes. Hier wurde am 20. Juli 1944 ein Attentat auf Adolf Hitler verübt.

Vor dem Angriff des Deutschen Reiches auf die Sowjetunion, als „Unternehmen Barbarossa“ bezeichnet, im April 1941 ließ Adolf Hitler in Ostpreußen mehrere befestigte Kommandozentralen errichten. Dazu gehörten die Bunkerstadt für das Oberkommando des Heeres (OKH) im Mauerwald (Mamerki) am Mauersee (Jezioro Mamerki), die Bunker des Oberkommandos der Luftwaffe (OKL) beim Goldapersee in der Rominter Heide, die Feldkommandostelle Hochwald des Reichsführers SS bei Grossgarten (Pozezdrze) und schließlich das Führerhauptquertier Wolfsschanze im Forst Görlitz bei Rastenburg (Ketrzyn),

Die Entstehung der Wolfsschanze

Im Spätherbst 1940 wurde der Standort des Führerhauptquartiers bestimmt. Gewählt wurde ein rund 250 Hektar großes Gelände an der Bahnstrecke von Rastenburg (Ketrzyn) nach Angerburg (Wegorzewo) beim Kurhaus Görlitz (Gierloz). Dieses dicht bewaldete Areal liegt rund 8 Kilometer östlich von Rastenburg. Noch 1940 rückten die Arbeiter der Organisation Todt an und begannen mit dem Bau unter der Tarnbezeichnung „Chemische Werke Askania“. Innerhalb von 8 Monaten wurde das Führerhauptquartier aus dem Boden gestampft. Ein großer Teil der Bunker war fertig. Rund 200 Bauten aus Holz oder Stein entstanden. Ein Wegenetz wurde angelegt und das Areal in verschiedene voneinander durch Zäune getrennte Zonen eingeteilt.

Südlich der Straße durch den Forst Görlitz beim Bahnhof Görlitz entstand der eingezäunte Sperrkreis II. Hier waren der Wehrmachtsführungsstab, die Kommandantur und die Nachrichtenzentrale angesiedelt. Auf der anderen Seite der Straße war der Sperrkreis I geschaffen. Hier residierten die Spitzen von Partei, Staat und Wehrmacht: Hitler, Göring, Keitel, Jodl, Bormann und Dietrich. Im Sperrkreis I gab es Kasinos, ein Kino, eine Sauna und ein Teehaus. Feuerlöschteich und Luftschutzbunker dienten der Sicherheit. Ein Gästebunker stand für Staatsgäste bereit. Und für Hitlers Schäferhund gab es einen eigenen Zwinger.

1942 und 1943 wurden noch Erweiterungen der Wolfsschanze realisiert und einige Bunker neu erbaut oder verstärkt. 1944 rückte die Front näher. Daher wurden 7 Bunker nochmals umhüllt: es entstanden Bunker im Bunker.

Nutzung der Wolfsschanze

Am 24. Juni 1941 traf Adolf Hitler, der selbst seinem Führerhauptquartier den Namen Wolfsschanze gab, hier ein. Überwiegend von hier kommandierte er die nächsten 1.000 Tage seine Kriegsmaschine und regierte das Reich und die besetzten Gebiete. Hier empfing er Staatsgäste, darunter den italienischen Duce Benito Mussolini, den rumänischen Marschall Antonescu, den slowakischen Ministerpräsidenten Tiso, Bulgariens Zar Boris III., den finnischen Marschall Mannerheim und Ungarns Präsident Miklos Horthy. Für die Sicherheit der Wolfsschanze sorgte das Führer-Begleit-Bataillon. Postenkette, bis zu 4 Sperrzäune und Minengürtel schlossen die Wolfsschanze hermetisch von der Außenwelt ab.

Der 20. Juli 1944

Am 20. Juli 1944 verübte der Oberst Claus Schenk Graf Stauffenberg ein Attentat auf Hitler. Aus nicht vorhersehbaren Gründen war die Besprechung, zu der Stauffenberg befohlen war, verlegt worden. Nicht im Gästebunker, sondern in der Lagebaracke fand sie statt. Stauffenberg positionierte die Bombe in der Nähe Hitlers und verließ unter einem Vorwand den Raum. Um 12:42 explodierte die Bombe. Vier Personen starben in der vernichteten Baracke. Hitler selbst hatte einige leichte Verletzungen erlitten und seine Trommelfelle waren geplatzt. Der Versuch von Wehrmachtsangehörigen, die Herrschaft der Nationalsozialisten zu beenden und vor allem den aussichtslos gewordenen Krieg zu stoppen, war gescheitert.

Das Ende der Wolfsschanze

Am 20. November 1944 verließ Hitler die Wolfsschanze und zog sich nach Berlin zurück. Am 22. November 1944 befahl Feldmarschall Wilhelm Keitel die Zerstörung der Wolfsschanze. Am 23. und 24. November jagten deutsche Soldaten die Bunker der Wolfsschanze in die Luft. 6 bis 8 Tonnen Sprengstoff wurden für jeden Bunker gebraucht. Zurück blieben große Brocken aus Beton und die Natur bemächtigte sich des Areals. Geblieben waren die Minengürtel um die Wolfsschanze. Von 1945 bis 1955 wurden etwa 54.000 Minen entschärft.

Das Touristenziel Wolfsschanze

Die noch immer bedrohlich wirkenden Reste der Wolfsschanze sind seit 1959 zu besuchen. Sie sind eines der meistbesuchten Touristenziele in Masuren. Jedes Jahr kommen etwa 200.000 Menschen hierher.

Öffnungszeiten: täglich von 8 bis Sonnenuntergang

Anfahrt

Von Ketrzyn Richtung Mikolajki (Nikolaien) fahren und kurz hinter der Stadt links ab, der Ausschilderung zur Wolfsschanze folgen.

Literatur

  • Wojciech Marek Darski: Masuren von innen. Wydanictwo Mazurskie Gizycko 2011, ISBN 978-8361349-08-2
  • Christel Focken: FHQ „Führerhauptquartiere“ Wolfsschanze (Masuren), Helios-Verlag Aachen 2008, ISBN 978-3-938208-84-7
  • Uwe Neumärker, Robert Conrad und Cord Woywodt: Wolfsschanze. Hitlers Machtzentrale im II. Weltkrieg. 3. Auflage, Ch. Links Verlag Berlin 2007. ISBN 978-3-86153-433-4
  • Jan Zduniak und Agnieszka Zduniak: Wolfsschanze und Hitlers andere Kriegshauptquartiere in Wort und Bild. Kengraf Ketrzyn 2006. ISBN 83-89119-18-8

Quellen

  1. Wolfsschanze
  2. Kazimierz Kolakowski: Wolfsschanze. o. O., 2011
  3. Deutsches Historisches Museum: Das Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944
  4. Peter Gohle Das Attentat vom 20. Juli 1944 und die Operation „Walküre“