Einen höchst interessanten und ungewöhnlichen Volksmusik-Sampler sollte man keinesfalls übersehen. Es ist das erste Crossover-Projekt im Bereich der Blasmusik und die Doppel-CD „Woodstock Der Blasmusik Vol 1“ (Rosenklang - Rough Trade VÖ: 24.6.2011) schafft es locker jeden Blasmusikfan, und nicht nur den, zu begeistern.

Die ganze Bandbreite exzellenter Blasmusik

Die wahre Qualität dieser Doppel-CD mit 41 unterschiedlichsten Blasmusikstücken liegt aber darin, den Bogen der Blasmusik stilistisch und regional in jedwede Dimension zu spannen. Das erste Festival unter dem Namen „Woodstock Der Blasmusik“ fand vom 30. Juni bis 3. Juli 2011 in Kopfing statt. Die Doppel-CD, die in paar Tage vor dem Festival erschienen ist, sollte auf das Ereignis einstimmen und wird über das Festival hinaus viele neue Blasmusikfans gewinnen können. Es wäre unsinnig an Hand dieser Doppel-CD den alten Streit über volkstümliche und echte Volksmusik wieder aufleben zu lassen. Ob es nun gestandene Volksmusikanten wie die Innviertler Wadlbeisser oder Virtuosen wie Vlado Kumpan sind - es ist Musik die begeistert. In jeder Sekunde spürt man, dass die Interpreten voll hinter jedem Ton stehen, dem sie ihren Instrumenten entlocken.

Virtuos im traditionellen alpenländischen und böhmischen Stil

Der „Hochachtungsmarsch“ von Ma Chlast, bestehend aus 14 jungen Musikern und in Wien ansässig, eröffnet mit traditioneller Marschmusik. Ma Chlast hat es sich zur Aufgabe gemacht, vor allem die traditionelle österreichische Blasmusik zu bewahren. Die Innsbrucker Böhmische mit dem Titel „Bermuda“ lässt ein wenig Big-Band-Sound einfließen - man hat aber das Gefühl, dass die jazzigen Elemente sich vor den traditionellen ein wenig schämen. Äußerst reizvoll. Die Blaskapelle Tschecharanka aus dem Burgenland mit dem Titel „Musikantenkirtag“ ist vom Sound her ein wenig an das böhmische angelehnt, aber doch ein wenig „frischer“. Der „Torpedo-Galopp“ von Vlado Kumpan macht seinem Namen alle Ehre. Vlado Kumpan gilt zu Recht als einer der größten Trompetenvirtuosen der Blasmusik. Die Scherzachtaler Blasmusik würde man auf den ersten Eindruck nicht in Baden-Württemberg vermuten - der „Böhmische Traum“ zeigt wohl auch schon vom Titel her welcher Blasmusikstil den Musikern am Herzen liegt. Die Blaskapelle Ceska hat einen ganz eigenen etwas „dunklen“ Sound, der noch ein wenig weiter geht als die typische böhmische Palette. Die Blaskapelle Ceska stammt allerdings aus Oberösterreich und das allein zeigt schon, welch großen Einfluss die böhmische Blasmusik in Mitteleuropa hat.

Jazz- und Popeinflüsse beleben die Blasmusik

So richtig interessant und genial wird es dann auf CD Nummer 2. Diese CD erschließt zum traditionellen Blasmusikrepertoire ein weites Feld, das weit in andere Musikbereiche hineinragt. Mit einem neuen Wort würde man das als Crossover bezeichnen. Sehr etabliert in diesem Bereich sind bereits die Global Kryner aus Wien, die eine Art Blasmusik-Pop als ihren Musikstil entwickelt haben. „Janica“ ist so etwas wie ein „Alpenblues“ im besten Sinne des Wortes, „Hamma Net“ eine Art Wienerlied mit einer guten Portion Oberkrainer-Feeling. Pro Solisty aus Oberösterreich gehören zu den absoluten Highlights dieser Produktion. Ein wunderschöner Instrumentaltitel „After All“ und eine geniale Interpretation von „Hard Rock Cafe“ sind vor allem die Anspieltipps für Popmusikfans, die einen ersten Zugang zur Blasmusik suchen. Weit in den Jazz hinein geht der Holstuonarmusigbigbandclub - einfach großartig „Hold Me Down“ und „Seven“. Da Blechhauf`'n sind mit zwei äußerst unterschiedlichen Titel vertreten - „Round One“, eine jazzige Fanfare, und „Gabriellas Song“, ein gefühlvolles und ganz leises Stück, dessen Feeling man nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Die Mooskirchner liefern mit „Balken“ eine mitreißende Polka ab und die Grazer Spatzen stehen im klassischen Stil mit „Die Lechner Trompeten“ in keiner Weise nach.

Das „Woodstock Der Blasmusik“-Festival lebe hoch!

Jeder Musikfan, der offen für neue Eindrücke ist und mit beiden Ohren durchs Leben geht, wird an dieser Doppel-CD Gefallen finden. Natürlich kann nicht jedes Stück begeistern - dazu sind die Musikgeschmäcker einfach zu verschieden. Dem „Woodstock Der Blasmusik“-Projekt muss man dankbar sein, mit dem Festival selbst und mit dieser Doppel-CD, die Bandbreite exzellenter Blasmusik der Musikwelt vor Augen geführt zu haben. Hoffentlich findet dieses Festival öfter statt als das legendäre Woodstock-Original.

Quellen:

„Woodstock Der Blasmusik“ Homepage

besprochene Doppel-CD