Woody Allens "Whatever works – Liebe sich wer kann"

Whatever works, Woody Allen, DVD-Cover - Universum Film GmbH
Whatever works, Woody Allen, DVD-Cover - Universum Film GmbH
Ein an Weltschmerz erkrankter Stadtneurotiker heiratet blondes Dummchen und erlebt mit ihr eine turbulente Zeit in New York.

Während Woody Allens neuester Streich „Ich sehe den Mann deiner Träume“ (Kinostart: 02. Dezember 2010) von Ehekrisen, Wahrsagern und der Verworrenheit zwischenmenschlicher Beziehungen handelt, widmet er sich in „Whatever works – Liebe sich wer kann“ (DVD-Start: 24. September 2010) der sexuellen Befreiung in einer ungleichen, vorerst glücklichen Ehe mit hohem Altersunterschied.

Woody Allens neuer Stadt-Neurotiker Boris in New York

Allens Protagonist Larry David (EMMY-Gewinner, „Seinfeld“) spricht als leicht reizbarer Ex-Physiker Boris seine weltweit zahlreichen Zuschauer direkt in die Kamera an, wütend über das Amerika nach George Bush – verklemmt und oberflächlich. Beleidigungen nicht abgeneigt, zerbricht seine Ehe mit einer „Mikrobe“. Den erhofften Nobelpreis bekam der Nörgler nicht und selbst sein Suizid-Versuch scheiterte, bei dem er auf eine Passantin sprang, als er sich aus dem Fenster warf. Gleichgültig verdient er nun sein Geld mit orthodoxem Schachunterricht für Kinder, die er ebenso beleidigt wie sein Ex-Bakterium Namens Ehefrau und seine immer noch loyalen Freunde.

Junges Dummchen heiratet vier Jahrzehnte Älteren

Leichtfüßig tritt die naive Ausreißerin Melody (Evan Rachel Wood, „Dreizehn“) in das Leben des chronischen Pessimisten und quartiert sich bei ihm ein. Schließlich überredet sie ihn zur Ehe und beide erleben trotz des Altersunterschieds von 40 Jahren eine erstaunlich gute Zeit – bis ihre Eltern aus den Südstaaten bei ihnen in New York aufkreuzen, was für den ein und anderen eine Zerreißprobe des Nervenkostüms bedeutet. Sogar Gott dem Allmächtigen wird eine schwule Ader unterstellt – wer hätte das gedacht!? Belegt wird diese These mit seinem Talent als Dekorateur, schließlich schuf er die Erde mit Bäumen und Natur drumherum...

Melody und ihre Mutter verändern sich stark

Boris ist kein „Wohlfühl-Mensch“, sondern einer mit chronischem Weltschmerz, doch Melody therapiert seine Panikattacken erfolgreich mit Fred-Astaire-Filmen. New York verändert ihre Mutter und die Moral-Apostlin entwickelt sich zu einer Cutting-Edge-Fotografin, die in eine heiße Künstler-WG zieht, als der wild entschlossene Vater die entgleiste Tochter und Ehefrau wieder zurück nach Hause holen will. Das bizarre Wiedersehen findet auf einer Vernissage statt und er muss sich eingestehen, dass seine von der hippen Großstadt stark veränderte Familie nicht mehr dieselbe ist. Aber auch Boris hat erneut mit seinem Weltbild zu kämpfen, da Melody sich anderweitig verliebt. Und schließlich taucht – wie auch im nächsten Woody-Allen-Film – eine Wahrsagerin auf...

Drehbuch lag dreißig Jahre in der Schublade

„Whatever works“ war bereits 1977 geplant, doch durch den Tod des damaligen Protagonisten Zero Mostel („Toll trieben es die alten Römer“) landete das bereits fertig entwickelte Drehbuch in einer Schublade, wo es 30 Jahre bleiben sollte. Die Geschichte wirkt trotzdem nicht angestaubt, da sich „Beziehungs-Kisten“ im Wesentlichen bis heute nicht veränderten. Leute, die keine Freude empfinden können, werden sich in „Whatever works“ wiedererkennen.

Die DVD „Whatever works“ von Woody Allen erschien am 24. September 2010 im Verleih der Universum Film GmbH

Döringer, Martin, (c) Marlonski

Martin Döringer - Martin schreibt nicht nur Online-Reviews, sondern moderierte/interviewte live bei Radio-ALEX und stellte TV-Clips her, diente dabei ...

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