Woran erkennt man psychische Probleme bei Kindern?

Kinderzeichnungen, Albträume, Rückschritte in Sprache und Motorik: Was sind bei Kindern mögliche Symptome psychischer Probleme - und was nicht?

Psychische Störungen kommen auch bei Kindern immer häufiger vor. Doch woran können Eltern Veränderungen bei ihren Kindern erkennen, die möglicherweise auf ernsthafte psychische Probleme hindeuten?

Auffälliges Spielverhalten

Auch das Spielverhalten von Kindern macht eine Entwicklung durch. Während Kinder sich im ersten Stadium der Spielentwicklung allein mit ihrem Spielzeug spielen, fangen sie dann allmählich an, mit Anderen im Spiel zu interagieren. Bleibt ein Kind auch mit zunehmendem Alter beim Spielen immer allein, reagiert es nicht auf die Anwesenheit anderer Kinder oder beschäftigt sich stundenlang durch monotone Tätigkeiten wie zum Beispiel dem Drehen der Räder seines Spielzeugautos, kann dies ein Symptom für bestimmte psychische Störungen sein. Autistische Kinder neigen beispielsweise zum ständigen Wiederholen stereotyper Bewegungsabläufe und nehmen keinen Kontakt zu anderen Kindern auf. Je nach Typ des Autismus lässt sich dies jedoch durch eine Therapie verändern. Bei "Autismus" handelt es sich um eine relativ schwere und seltene Form einer psychischen Störung, die sich vor allem in Abweichungen der sozialen Wahrnehmung und der Kontaktaufnahme zu Anderen zeigt.

Auffälliges Zeichenverhalten

Ein Kind malt zwei aufeinander schießende Menschen oder einfach nur sehr düster wirkende Bilder - ein Grund zur Sorge? - In der Regel: Nein! Es gab lange (und gibt sie zum Teil sogar heute noch) die Überzeugung, dass Kinder durch Zeichnungen versuchen, negative Erlebnisse zu verarbeiten. Dies kann natürlich nicht komplett ausgeschlossen werden, aber Kinder orientieren sich bei den Darstellungen auch an Filmen, Büchern, Erzählungen - oder auch nur an ihrer Fantasie. Man kann also nicht automatisch von einer Zeichnung eines Kindes darauf schließen, dass es das Dargestellte oder das, was Erwachsene darauf zu erkennen meinen, tatsächlich erlebt hat. Vorsicht also zum Beispiel bei einem Missbrauchsverdacht aufgrund von Kinderbildern!

Erfundene Freunde

Ein Kind erzählt immer von einem tollen neuen Freund, von gemeinsamen Unternehmungen und irgendwann stellen Sie fest, dass dieser Freund nur in der Fantasie Ihres Kindes existiert. Ist es normal, dass Kinder Spielkameraden erfinden? - Ja! Gerade in einem Alter, in dem Kinder anfangen, lieber mit anderen Kindern zu spielen als allein, erfinden viele Kinder sich Spielkameraden. Wenn dann später andere Kinder zum Spielen zur Verfügung stehen, verschwinden diese in der Regel von allein wieder. Besonders häufig treten erfundene Freunde im Alter von drei bis vier Jahren auf.

Einnässen und Einkoten

Gerade wenn Kinder dies schon mal gelernt hatten und das Problem plötzlich wieder auftritt, spricht dies für Probleme des Kindes. Doch auch wenn Kinder in einem Alter, in dem andere dies schon längst gelernt haben, immer noch nicht "trocken" sind, sollte man professionelle Hilfe aufsuchen. Wichtig ist dabei, dass auch potenzielle, körperliche Gründe für das Einnässen oder Einkoten abgeklärt werden, ehe eine psychische Störung als Erklärung in Betracht gezogen wird. Eine Therapie dieser Art von Störungen ist relativ erfolgversprechend. Es gibt eine Vielzahl von Mechanismen, die vor allem mit dem Prinzip der Konditionierung arbeiten, und darauf beruhen, dass die Kinder Einnässen oder Einkoten mit einem negativen Reiz, wie dem Gewecktwerden, verbunden werden. Bei einer zugrunde liegenden (oder zusätzlichen) medizinischen Problematik muss diese gleichzeitig behandelt werden.

Entwickeln von Ängsten

Alle Kinder durchlaufen im Laufe ihrer Entwicklung Ängste. Dies ist zunächst nicht pathologisch - außer wenn das Kind in seinem alltäglichen Leben massiv dadurch beeinträchtigt wird. Dies ist zum Beispiel bei der sogenannten Schulangst der Fall, die anhand verschiedener spezifischer Fragebögen von Fachleuten diagnostiziert werden kann, die Leistungsfähigkeit herabsetzt und das Erleben des Kindes im Kontext der Schule extrem negativ beeinflusst. Schulangst sollte - im Gegensatz zu vielen Phobien (Ängste vor bestimmten Tieren, Situationen etcetera), die die Kinder in ihrem Alltag kaum einschränken - unbedingt behandelt werden, um möglichen negativen Folgewirkungen (schlechte Schulleistungen, Schwänzen, körperliche Symptome wie Bauchschmerzen oder Übelkeit...) entgegenzuwirken.

Entwicklungsrückschritte und fehlende Entwicklung in Sprache und Motorik

Folgenden sprachlichen Phänomenen bei Kindern sollte man als Erziehungsberechtigter besondere Aufmerksamkeit schenken:

  • wenn im Alter von vier bis fünf Jahren immer noch deutliche Verzögerungen der Sprachentwicklung gegenüber gleichaltrigen Kindern bestehen
  • wenn ein Kind überhaupt nicht spricht. Dies ist unter anderem bei vielen Kindern mit autistischen Erkrankungen der Fall. Ein anderer häufiger Kontext sind posttraumatische Störungen bei KIndern, das heißt, Kinder stellen nach einem besonders schlimmen Erlebnis in Folge des Schocks das Sprechen ein, obwohl sie nach wie vor über die entsprechenden Fähigkeiten verfügen.
  • bei Phänomenen wie Stammeln, Stottern oder Poltern
  • wenn beim Sprechen immer wieder deutliche grammatikalische Mängel auftreten

Bauchschmerzen, Kopfweh und Co.

Natürlich sollte man, wenn ein Kind über Bauchschmerzen, Übelkeit oder Kopfweh klagt, nicht zuerst an eine psychische Störung denken. Doch was, wenn man keine Ursache für die genannten Beschwerden des Kindes finden kann? Gerade bei Kindern können körperliche Probleme auch als Symptome psychologischer Störungen auftreten, zum Beispiel bei Ängsten, Depressionen oder Anpassungsstörungen. Wichtig ist dabei, dass dem Kind Glauben bezüglich der von ihm berichteten körperlichen Schmerzen geschenkt wird. Eine Therapie der zugrunde liegenden Störung hilft meist auch dabei, dass die entsprechenden körperlichen Symptome zurückgehen.

Tics

Dabei handelt es sich, sofern das Verhalten nicht im Rahmen eines Spiels auftritt, um ein sehr seltenes Phänomen. Seltsam erscheinende Bewegungsabläufe, das Wiederholen von Lauten oder Wörtern sowie die sogenannte Echopraxie (Nachahmen von Bewegungen oder Wörtern) treten häufig bei sogenannten Tic-Störungen auf. Diese sind gerade bei jüngeren Kindern relativ weit verbreitet. Bei einem sogenannten Tic handelt es sich um unwillkürliche, nicht zielgerichtete Bewegungen, zu denen sie durch eine innere Anspannung"gezwungen" werden und von der sie sich durch die Tic-Ausübung zeitweise befreien können. Bei vielen Kindern nehmen Tics im Laufe der Entwicklung von selbst ab. Eine Behandlung richtet sich vor allem auf den besseren Umgang mit Tics beziehungsweise die Fähigkeit des Herauszögerns des Tics (ein komplette therapeutische Heilung wird in der Regel nicht erreicht). Ohne Therapie besteht eine starke Gefahr der Chronifizierung, der Ausweitung bestehender Tics sowie des Hinzukommens Neuer.

Schlafstörungen und Albträume

Albträume sind an sich im Kindesalter in der Regel kein Symptom für eine psychische Störung. Gerade bei Kindern im Kindergarten- und Vorschulalter sind sie Teil einer normalen Fantasie-Entwicklung. Im Zusammenhang mit anderen Symptomen sollte man jedoch auch hier nach möglichen psychischen Problemen forschen. Bei Schlafstörungen ist ein Besuch bei einem Psychiater angemessen, da dieser auch gegebenenfalls körperliche Ursachen feststellen kann.

Quelle:

  • Remschmidt, H. (2005). Kinder- und Jugendpsychiatrie - Eine praktische Einführung (4., neu bearbeitete und erweiterte Auflage). Thieme: Stuttgart.