Der kanadische Professor Robert D. Hare ist ein renommierter Experte für diese gefährliche Form der Persönlichkeitsstörung - die Psychopathie. Bekannt wurde er durch eine Checkliste, um Psychopathen zu entlarven. Wer mehr als 75 Prozent erfüllt, sei sicher erkannt.
Typische Merkmale eines Psychopathen
Psychopathen seien oberflächlich charmant und gute Redner. Sie könnten ihr Gegenüber schnell “um den Finger wickeln”, haben eine extreme Selbstüberschätzung und manipulieren andere meisterhaft. Zudem folgen sie ihrem Bedürfnis nach Stimulation, sind ständig auf der Suche nach einem neuen Kick. Sie lügen pathologisch und ohne jede Reue. Schuldgefühle kennen sie nicht. Sie sind unfähig, tiefe Gefühle oder Mitgefühl zu empfinden. Es gelingt ihnen nicht, sich in Mitmenschen einzufühlen. Psychopathen nutzen skrupellos aus und leben bevorzugt auf Kosten anderer. Sie verlieren schnell die Selbstbeherrschung, besitzen wenig Kontrolle über ihr Verhalten. Sexuell bevorzugen sie häufiger wechselnde Partner und leben eher in Kurzzeit-Beziehungen. Sie zeigen früh Verhaltensprobleme und sind impulsiv. Oft fehlen realistische Lebensziele. Entscheidungen entstehen aus kurzfristigen Launen. Sie übernehmen keine Verantwortung für ihr Verhalten. Durch kriminelles Handeln fallen sie oft schon im Jugendalter auf. Auch brechen sie Absprachen und Vereinbarungen. Psychopathen haben kriminelle Energie und sind extrem rücksichtslos.
Psychopathen leben ohne Gewissen
Die Psychopathie gilt als angeboren und unheilbar. Sie wäre keine harmlose Persönlichkeitsstörung, da sie riskante Auswirkungen auf andere zeigt. Es sei sehr wichtig, sie erkennen und Psychopathen angemessen begegnen zu können. Sie tragen die Maske der Normalität und gerade das mache sie so gefährlich. So führte der Psychopath Dennis Rader nach außen das Leben eines fürsorglichen und für die Gemeinschaft engagierten Familienmenschen. Niemand verdächtigte den Amerikaner, für grausame Foltermorde verantwortlich zu sein. Er fragte höhnisch in einem anonymen Brief, wie viele er denn noch umbringen müsse, ehe er in der Zeitung seinen Namen lesen könne. Erst nach 30 Jahren überführte man ihn durch eine DNA-Probe. Mehr als 50 Prozent aller Schwerstverbrechen verüben nach Prof. D. Hares Schätzungen eindeutige Psychopathen. Sie töten aus belanglosesten Anlässen, auf grausamste Weise und völlig entspannt. Nicht jeder Psychopath sitzt jedoch über kurz oder lang im Gefängnis. Viele führen ein freies und unerkanntes Leben. In Deutschland wird ihre Anzahl auf etwa 1 Million geschätzt.
Jeder würde einen Psychopathen kennen
Der deutsche Hirnforscher Niels Birbaumer schätzt die Chance, dass man es im Leben schon einmal mit einem Psychopathen zu tun hatte, bei genau 100 Prozent ein. Man würde ihnen in vielen hohen Positionen der Geschäftswelt begegnen. Sie finden dort alles, was sie interessiert - Geld, Macht und Kontrolle über andere. Sie seien überall - auch in Führungspositionen, in der Politik, im Gesundheitswesen und in den Medien. Was den erfolgreichen Psychopathen vom vorbestraften Gauner oder verurteilten Gefängnisinsassen unterscheiden würde, wäre die Intelligenz. Ein psychopatischer Börsenmakler sei somit nicht weniger gewissenlos als ein psychopathischer Serienkiller. Er sei jedoch zu intelligent, um sich in eindeutige Gefahr zu begeben oder sich erwischen zu lassen. Wäre der Chef ein Psychopath, verursacht das großen Leidensdruck. Man würde manipuliert und gedemütigt werden. Der Peiniger hingegen eile unter Umständen von einem Erfolg zum nächsten. Psychopathen leiden auch nicht an ihrem Zustand. Ganz im Gegenteil, sie können nach Erkenntnissen der Hirnforschung Angst noch nicht einmal empfinden. So sind sie in vielen Situationen gesunden Menschen sogar eindeutig überlegen.
Die Wirtschaftsentwicklung begünstigt Psychopathen
Was andere in Existenzängste stürzt, gibt Psychopathen den richtigen Kick. Sie lieben den Wandel, die schnelle Veränderung und Wirtschaftskrisen sind Biotope, in denen sie sich entfalten. Nach psychologischen Studien würden viele Manager psychopathische Züge zeigen. Sie wären frei von Mitgefühl, unehrlich und selbstsüchtig. Die gleichen pathologischen Merkmale eines Massenmörders lassen einige in Unternehmen Erfolge feiern. Der US-Manager Albert Dunlap gelte als Beispiel für einen Psychopathen in Nadelstreifen. Er entwickelte seiner Ehefrau gegenüber extreme Grausamkeiten, erschien noch nicht einmal zur Beerdigung seiner Eltern. In Börsenkreisen war er ein Star, man nannte ihn “Die Kettensäge”. Er feuerte 11.000 Mitarbeiter mit einem Streich und verlieh dem Aktienkurs einen Höhenflug. Erst kurz vor der Pleite wurden von ihm verursachte Bilanzfälschungen aufgedeckt. Doch da hatte er die Firma schon längst verlassen.
Der mögliche Schutz vor Psychopathen
Es gäbe kein Patentrezept für den Umgang mit Psychopathen. Es mache Sinn, ihn zu vermeiden. Wenn das nicht gelingt, solle man so viel Distanz wie möglich einhalten, wachsam sein und keine emotionale Bindung aufbauen. Durch die Merkmale der Checkliste weiß man schnell, ob man mit ihnen zu tun hat. Es gäbe noch ein weiteres Erkennungsmerkmal. Die Mimik und Gestik von Psychopathen passen nicht zu ihren Worten, wenn sie von gefühlsbetonten Themen sprechen. Ihnen fehlt die Einfühlung, deshalb wäre in solchen Momenten die Körpersprache eher hektisch, unruhig oder wirke wie erstarrt. Der beste Tipp sei immer noch, sich möglichst von Psychopathen fern zu halten.
Literaturquelle: P.M. Welt des Wissens, Wissenschaftszeitschrift, 01/10, Artikel: “Woran erkennt man einen Psychopathen?” von Jochen Metzger, aus dem Verlag Gruner+Jahr AG & Co. KG in München - Januar 2010
Bildquelle: “Psycho” von Gerd Altmann by pixelio.de