Wer würde eine Wohnung nur deshalb mieten, weil sie von einer Prüfkommision als bewohnbar eingestuft wurde und in einem Internetvergleich gut abgeschnitten hat? Kaum jemand würde diese Entscheidung wohl ohne vorherige Besichtigung treffen. Das gleiche gilt auch für die Suche nach einem geeigneten Pflegeheimplatz.
Hilfestellung Schulnoten
Nach Expertenmeinung soll es wohl bis 2010 möglich sein, die Benotung von Pflegeheimen auf einer Seite des MDK zu erfahren und zu sehen, wie sie im Vergleich mit anderen Einrichtungen innerhalb eines größeren Umkreises oder im Landesdurchschnitt abschneiden. Man sollte diese Angabe als Hilfestellung bei einer Vorauswahl verstehen, sich aber selbst ausreichend informieren und mehrere Einrichtungen besuchen.
Die Internetseite einer Pflegeeinrichtung
Wie sich eine Einrichtung im Internet präsentiert, kann sehr aufschlussreich sein: offen und auskunftsfreudig oder eher spröde und mit lückenhafter Information? Überwiegen austauschbare Sujetbilder oder zeigen die Aufnahmen tatsächlich Räumlichkeiten, typische Situationen mit Personal und Bewohnern – zum Beispiel in einer Fotogalerie? So erfährt man viel über das Selbstverständnis der Betreiber und ihre Bereitschaft zu Offenheit etwa im Umgang mit Angehörigen.
Allerdings sollte man einen besonders professionellen Internetauftritt nicht überschätzen, denn große Anbieter mit mehreren angeschlossenen Heimen können in die Gestaltung ihrer Unternehmens-Website viel mehr investieren als kleinere, privat geführte Einrichtungen. Stutzig werden darf man allerdings, wenn sich ein Pflegeheim überhaupt nicht im Internet präsentiert. Dann empfiehlt es sich, ruhig einmal nach dem Grund zu fragen.
Informationsmaterial bestellen
Broschüren mit Informationen über sämtliche Angebote eines Heims fordert man entweder telefonisch an oder über die Anfragemaske auf der Internetseite. Es zählt neben dem Informationsgehalt auch die Präsentation: Wirkt das geschickte Material zusammengestoppelt oder wird es vielleicht sogar in einer Mappe präsentiert? Liegt ein persönliches Anschreiben bei? War die Zusendung prompt, also innerhalb von zwei bis drei Tagen? Hat sich vielleicht schon eine Mitarbeiterin gemeldet, einen Besichtigungstermin angeboten oder sich nach weiteren Informationswünschen erkundigt?
Checkliste als Erinnerungshilfe beim Besuch
Vor dem vereinbarten Besichtigungstermin macht man sich Gedanken darüber, welche Umstände man auf keinen Fall akzeptieren könnte. Außerdem sollte man immer in Begleitung auftreten. Vier Augen sehen einfach mehr, und einer fragt, was der andere vielleicht vergessen hätte. Daneben hilft auch eine Checkliste, speziell entwickelt für den Erstbesuch von Pflegeheimen. Die Liste führt - in Frageform und zum Ankreuzen – viele Kriterien auf, an die man angesichts der Fülle von Eindrücken und Informationen während des Rundgangs möglicherweise gar nicht denkt.
Sich vom eigenen Gefühl leiten lassen
Unser Gehirn entscheidet in Sekundenschnelle, ob eine Person sympathisch oder unsympathisch ist. Wir sind außerdem in der Lage zu spüren, ob eine angespannte oder gelöste Stimmung herrscht, ob jemand offen spricht oder etwas zurückhält. Wer seine „Antennen“ ausfährt und mit offenen Sinnen alle Eindrücke während eines Rundgangs erfasst, der spürt ganz schnell, ob er – oder der betroffene Angehörige – sich hier wohl fühlen könnte.
- Welchen Eindruck machen die Bewohner?
Sind sie aufgeschlossen, aufgeweckt, neugierig oder wirken sie teilnahmslos, ruhig gestellt und stumpf? Wenn der ein oder andere nicht gerade aussieht wie aus dem Ei gepellt oder vielleicht sogar „falsch“ angezogen ist, kann das sogar ein positives Zeichen sein: Hier wird Bewohnern nichts aufgezwungen, denn auch altersverwirrte und demenzkranke Menschen haben ein Recht auf Selbstbestimmung. Wenn sich Herr Huber nach dem folgenreichen Mittagsmahl partout nicht umziehen lässt, dann darf er sein verkleckertes Oberteil anbehalten. Und wenn Frau Mayer ihren BH heute über dem Pulli tragen will, wird es ebenso akzeptiert.
- Wie riecht es?
Angenehm riecht es, wenn gut gelüftet und inkontinente Bewohner ausreichend häufig „frisch“ gemacht werden. Stark und scharf riechende Reinigungsmittel sollen den Geruch von Ausscheidungen „übertünchen“, der entsteht, wenn zum Beispiel Inkontinenzmaterial nur in größeren Abständen gewechselt wird.
- Wie gehen die Pflegekräfte mit den Bewohnern um?
Ist der allgemeine Umgangston respektvoll, freundlich und höflich oder barsch, kurz angebunden, bevormundend und die Ansprache mit „Du“? Ist die Stimmung ausgeglichen oder geladen?
- Welchen Eindruck machen Ausstattung und Einrichtung?
Fühlt man sich eher wie im Krankenhaus, in einem Wohnhaus oder einem Hotel? Ist es hell, freundlich, modern oder wirkt alles düster, abgewohnt und renovierungsbedürftig? Wie individuell sind die Zimmer eingerichtet? Ist eine leichte Orientierung möglich? Wirken Cafeteria, „Lobby“, Aufenthalts- und Fitnessräume, Schwimmbad, Garten- oder Parkanlage einladend?
- Wie schmeckt das Essen?
Ist der Speiseplan abwechslungsreich, bietet er Wahlmöglichkeiten? Gibt es flexible Essenszeiten, sind die Mahlzeiten appetitlich angerichtet, riechen und schmecken sie gut? Hier ist auf jeden Fall ein „Selbstversuch“ ratsam.
- Wie werden die Bewohner beschäftigt?
Sind die Beschäftigungs- und Bewegungsangebote – einzeln oder für Gruppen – kulturelle Veranstaltungen zur Unterhaltung und Kommunikation, Möglichkeiten für Kontakte außerhalb der Einrichtung attraktiv und abwechslungsreich?
- Wie fühlen sich die Bewohner?
Niemand darf einem die Bitte nach Gesprächen mit den Bewohnern oder dem Heimbeirat, einem Gremium von Bewohnern, abschlagen: Hier ist vor allem auch wichtig zu hören, wie mit ihren Beschwerden umgegangen wird, ob sie sich respektiert fühlen, wie viel sie selbst bestimmen, gestalten dürfen und vielleicht auch, was ihnen innerhalb der Einrichtung fehlt.
