Wowereit vs. Sarrazin - zwei Männer, zwei Bücher, zwei Meinungen

Klaus Wowereit - mr172
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Thilo Sarrazin rezensiert in der Berliner Morgenpost Klaus Wowereits (SPD) Berlin-Buch "Mut zur Integration. Für ein neues Miteinander".

Mit dem Slogan "Berlin verstehen" zog der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit in den Wahlkampf zur Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses im September 2011 und gewann zum dritten Mal in Folge.

Nun jedoch stößt er auf Kritik. Ausgerechnet Berlins Ex-Finanzsenator Thilo Sarrazin, der mit seinem eigenen Werk "Deutschland schafft sich ab" im vergangenen Jahr landesweit für heftige Diskussionen gesorgt hatte, rezensierte Wowereits am 15. Oktober 2011 erschienenes Buch "Mut zur Integration. Für ein neues Miteinander" in der Berliner Morgenpost von 23. Oktober 2011.

Wowereits Buch eine „Schönwetter-Mutmachfibel“

Als "Schönwetter-Mutmachfibel" bezeichnet er Wowereits Ausführungen, dessen Einwanderungsdiskussion "schlicht das geistige Niveau" fehle. Er blende aus, "dass es gruppenbezogene Unterschiede gibt, die der Erklärung bedürfen: Italiener, Spanier, Griechen, Kroaten, ostdeutsche Vietnamesen haben heute, soweit sie noch in Deutschland leben, keine nennenswerten Integrationsprobleme."

Dies gelte ebenso für Russen, Ukrainer und Polen, führt Sarrazin weiter aus. Probleme gäbe es ausschließlich mit Migranten aus der Türkei, dem arabischen Raum sowie mit zugewanderte Sinti und Roma."

Im Gegensatz zu Wowereit, der die Ursache hierfür in einer "Unterschichtung" dieser Gruppen sieht, behauptet Sarrazin, die Pisa-Werte von Türken und Arabern an europäischen Schulen wären nicht schlechter als die ihrer Altersgenossen in den Herkunftsländern, eine These, die man durchaus anzweifeln kann und deren Belegung er zudem schuldig bleibt.

Deutschland im Vergleich mit den USA, Kanada und Australien

Sarrazin zieht daraus ein ebenfalls durchaus diskussionswürdiges Fazit, das er in ähnlicher Form auch schon in seinem Buch "Deutschland schafft sich ab" thematisierte: "Die regionale Struktur unserer Zuwanderung senkt die durchschnittliche Bildungsleistung in Deutschland."

Die USA, Kanada und Australien hätten dieses Problem nicht, ist Sarrazin überzeugt. Dort käme die Zuwanderung vor allem aus Ostasien. Die Kinder dieser Einwanderer würden durchweg bessere Schulleistungen erbringen, als die einheimische weiße Bevölkerung. Damit steigere Zuwanderung dort die durchschnittliche Bildungsleistung.

Vor allem wirft er Wowereit vor, einen unklaren Integrationsbegriff zu postulieren: "Für Wowereit haben alle Minderheiten ein potenzielles Integrationsproblem. Ob es sich um Behinderte, arme Rentner, Schwule, Lesben, Russlanddeutsche, Polen, Vietnamesen, Türken, Araber, Kosovoalbaner, Roma aus Rumänien und Bulgarien handelt – für Wowereits Integrationsbegriff sind sie alle gleich."

Fazit - bei aller Kritik auch Positives

Dennoch billigt er dem Werk auch durchaus Positives zu. Es "enthält lange Passagen, denen man zustimmen kann". So scheint er sich unter anderem mit Wowereit in Bezug auf die "Bedeutung von Bildung und Arbeit bei der Herstellung von Chancengleichheit und Teilhabe" auf einer Wellenlänge zu befinden und stimmt ihm auch in der "Notwendigkeit des persönlichen Aufstiegswillens" für den Erfolg des Einzelnen zu.

Bei aller Kritik an seinem Partei-Kollegen und Ex-Chef Wowereit erreicht Sarrazin vor allem jedoch auch, dass dem Buch des Berliner Bürgermeisters die mediale Aufmerksamkeit zukommt, die ihm bisher fehlte.

Online-Quelle: Berliner Morgenpost

Literatur:

- Klaus Wowereit: "Mut zur Integration. Für ein neues Miteinander“, Vorwärts/Buch-Verlag, 2011

- Thilo Sarrazin: "Deutschland schafft sich ab", DVA Verlag München, 2010

Kornelia Matzanke Politik- und Sozialwissenschaft, Kornelia Matzanke

Kornelia Matzanke - Politik- und Sozialwissenschaftlerin Studium der Ethnologie, Kunstgeschichte und klassischen Archäologie an der Freien ...

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