Wrong Turn 3 – Splatterfilm für Anspruchslose

Auch in Teil 3 der Horrorreihe metzeln Mutanten munter Menschen

"Wrong Turn 3" wendet sich an Horrorfreunde und Splatterfans: Im Wald hausende Kannibalen jagen und fressen Menschen in spannungsfreiem Schlachtfest mit blutigen Effekten

Mahlzeit! Das Blutgericht für Horrorfans namens „Wrong Turn“ ist angerichtet und mittlerweile bei Teil 3 angelangt. Was sechs Jahre zuvor noch als zwar unorigineller, aber unterhaltsamer Low-Budget-Streifen begann, ist spätestens mit „Wrong Turn 3: Left for Dead“, so der Originaltitel, in Richtung Fließbandproduktion abgebogen. Auf der Strecke des erneut an die Legende von Sawney Bean angelehnten Splatterfilms bleiben dabei ein halbwegs brauchbares Drehbuch, gute Spezialeffekte, akzeptable Schauspieler und Nervenkitzel.

Schade, zumal „Wrong Turn“ nicht nur mit TV-Star Eliza Dushku („Nobel Son“, „Buffy – Im Bann der Dämonen“), sondern auch mit einigen überraschenden Wendungen aufwarten konnte.

The Hill(billy)s Have Eyes

Vier Studenten verbringen ein Wochenende in einem abgelegenen Waldgebiet West Virginias. Nach einer anstrengenden Wildwassertour steht ihnen der Sinn nach Entspannung – ganz im Gegensatz zum körperlich entstellten Waldschrat „Three Finger“, der drei der jungen Leute tötet, um sie genussvoll zu verspeisen. Nur Alex (Janet Montgomery) überlebt das Massaker, findet jedoch nicht den Weg raus aus dem Wald.

Unerwartete Gesellschaft erhält sie zwei Tage später vom Gefängnisaufseher Nate (Tom Frederic) und fünf Häftlingen. Der Gefangenentransporter, der die schweren Jungs in eine andere Haftanstalt überführen sollte, wurde vom Kannibalen „Three Finger“ von der Straße abgedrängt und außer Gefecht gesetzt. Plötzlich sind die völlig unterschiedlichen Charaktere aufeinander angewiesen, wenn sie den Wald lebend verlassen wollen. Doch der psychopathische Mörder Chavez (Tamer Hassan) denkt gar nicht daran, seinen unfreiwilligen Begleitern eine große Stütze zu sein. Im Gegenteil: Als wäre der ihnen an den Fersen klebende Kannibale nicht genug der Bedrohung, erweist sich Chavez als tickende Zeitbombe, die jeden Moment explodieren kann …

„Wrong Turn 3“: Qualitätssiegel „Direkt auf DVD“

Wenn das Sequel eines Kinohits direkt auf DVD veröffentlicht wird, handelt es sich meist um kein besonders gutes Zeichen. Dies bestätigt sich bei „Wrong Turn 3“ auf eindrucksvolle Weise. Es fällt schwer, diesem von jeglicher Spannung gefilterten Streifen positive Seiten abzugewinnen. Denn tatsächlich präsentiert sich der von Declan O’Brien produzierte Splatterfilm von den banalsten Seiten des Horrorgenres.

Von Anfang an setzt das Drehbuch auf möglichst viel Blut und bestens beleuchtete Gemetzel. Der Plot selbst ist nicht nur an den Haaren herbeigezogen, sondern bietet zudem reichlich Absurditäten und Ungereimtheiten. Beispielsweise jene, dass ein mit allerlei modernem Equipment ausgestatteter Mutant jahrelang völlig unbemerkt in einem Wald hausen und unzählige Menschen verschleppen und töten kann, ohne dass jemals Suchaktionen seitens der Behörden eingeleitet werden.

Ist der Bösewicht tatsächlich tot?

Natürlich tauchen Fragen der Sorte: „Beeinträchtigt eine mit einer scharfen Axt in die Schulter geschlagene Wunde den betreffenden Arm tatsächlich in keiner Weise?“ oder: „Wieso überprüft in Horrorfilmen kein Protagonist jemals, ob der Bösewicht tatsächlich tot ist?“ auch in zahlreichen anderen Genreproduktionen auf. Doch oftmals werden derlei Fragen durch die atemlose Spannung oder gruselige Szenen geschickt maskiert.

Nicht so in „Wrong Turn 3“: Die durchwegs langweilige Handlung, unterbrochen nur durch leidig gelungene Splattereffekte, den offensichtlichsten Bluescreen-Einsatz der letzten Jahre oder hirnzerreißend abstruse Dialoge, zwingt den Zuschauer regelrecht zum Stellen solcher Fragen, um die Zeit bis zum Filmende totzuschlagen.

„Wrong Turn 3“ – Endstation Wühltisch

Es sollte nicht nur deshalb verwundern, falls sich die DVD zu „Wrong Turn 3“ alsbald auf den Wühltischen wiederfinden sollte. Die praktisch völlig unbekannten Darsteller können das filmische Debakel jedenfalls nicht retten. „Wrong Turn 3“ empfiehlt sich bestenfalls als Anschauungsunterricht für angehende Regisseure, wie man einen Horrorfilm komplett in den Sand setzt.

Dennoch ist mit einem weiteren Teil der Horrorreihe zu rechnen. Allzu verlockend sind die niedrigen Produktionskosten, die rasche Rendite versprechen. Schade, dass sich „Three Finger“ und seine Kannibalenkumpane nicht auf das Verspeisen von schlechten Filmen spezialisierten …

Originaltitel: „Wrong Turn 3: Left for Dead“

Regie: Declan O’Brien

Produktionsland und -jahr: USA, 2009

Filmlänge: ca. 92 Minuten (ungekürzte Version)

Verleih: Constantin

DVD-Veröffentlichung: 19.11.2009

Rainer Innreiter, Rainer Innreiter

Rainer Innreiter - 1972 in einem kleinen Ort nahe der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz geboren, entdeckte Rainer Innreiter seinen Hang zu ...

rss